Hält Horacio Cartes die Zügel noch in der Hand?

Asunción: Das Alter kommt nicht allein, heißt es immer wieder. Auch wenn der Kopf des Ex-Präsidenten noch problemlos funktionieren sollte, gibt es bei der Gesundheit einige Unwegsamkeiten, die für sein Alter vollkommen normal sind. Daraus resultierend wird es Zeit das Zepter abzugeben.

Senator Silvio „Beto“ Ovelar räumte ein, dass Aussagen wie die von Nicanor Duarte Frutos und Gustavo Leite der Bewegung Honor Colorado schaden. Er warnte davor, dass „viele es bereuen werden“, sobald Horacio Cartes nach seiner vollständigen Genesung die Führung wieder übernimmt – eine klare Andeutung auf bevorstehende Vergeltungsmaßnahmen.

Kritik an der Regierung Peña

Für den regierungstreuen Senator Ovelar ist die Führungsrolle von Horacio Cartes unbestritten. Er positioniert ihn in der Machtinstanz der Colorado-Partei direkt hinter historischen Größen wie Alfredo Stroessner und Luis María Argaña.

Ovelar erklärte, dass Cartes für Notfälle einen Vertretungsmechanismus über das „Politische Kommando“ von Honor Colorado vorgesehen habe. Dieser wurde jedoch trotz der krankheitsbedingten Abwesenheit des Parteiführers „aus Respekt“ nicht aktiviert.

„Wir folgen einer sehr respektvollen Logik. Ich glaube, einer unserer Fehler – und ich schließe mich da ein – war es, die Wahrnehmung eines Zerfalls der Bewegung durch unsere eigenen Fehler erst zu ermöglichen“, sagte er gegenüber Radio Monumental.

Ähnlich wie Vizepräsident Pedro Alliana gab Ovelar an, zwar Kritik an der Regierung von Santiago Peña zu haben, diese jedoch „konstruktiv und nicht destruktiv“ zu äußern. Er habe dem Präsidenten sogar Namen für personelle Veränderungen vorgeschlagen, Peña habe ihn jedoch gebeten, diese Liste nicht öffentlich zu machen.

Drohung an die parteiinternen Kritiker

Besonders deutlich wurde Ovelar gegenüber den jüngsten Äußerungen des Ex-Präsidenten Nicanor Duarte Frutos und des Botschafters in den USA, Gustavo Leite.

„Hätten wir dieses Szenario, wenn Horacio im Vollbesitz seiner Kräfte wäre und wie gewohnt in der Parteizentrale arbeiten würde? Ich glaube nicht, nicht im Entferntesten.“ Er fügte auf Guaraní hinzu: „Heta oĩ la oñetĩ jokata hina“ (Es gibt viele, die bald beschämt den Kopf hängen lassen werden). Er betonte: „Wenn Präsident Cartes in Kürze die Führung wieder übernimmt, werden viele Leute ihre naiven Schachzüge bereuen.“

Zu Duarte Frutos sagte er, dass dessen Einmischung in der Regierungsbewegung nicht gut ankomme. Zwar werde seine Meinung als Ex-Präsident respektiert, doch habe er die Schwäche, sich nicht zurückhalten zu können, was oft „ein politisches Beben mit Folgen“ auslöse.

Noch schärfer kritisierte er Gustavo Leite, den er als „Schwätzer“ bezeichnete. Auf die Frage, was er tun würde, wenn er der Präsident wäre, antwortete Ovelar: „Ich hätte schon längst einen anderen Botschafter in den USA, sofort und ohne zu zögern.“ Gerüchte über Leites Ambitionen für die Präsidentschaftswahlen 2028 wies er barsch zurück: „Wenn er sich für präsidentschaftstauglich hält, irrt er sich gewaltig.“

Der Fall Hernán Rivas

Auf das Thema des mutmaßlich gefälschten Anwaltstitels von Senator Hernán Rivas reagiert Ovelar sichtlich genervt. Unter Berufung auf theoretische Ansätze antwortete er lediglich, dass „die Wahrnehmung die Realität verdrängt“.

„Das Thema Hernán löst in mir nur noch Kontroversen aus. Wenn er Anwalt wäre, müsste er sich selbst verteidigen; das ist nicht meine Aufgabe“, sagte er in einem erschöpften Ton.

Ovelar überlässt den Fall der Justiz, ist aber überzeugt, dass es zu einem Freispruch für Rivas kommen wird. Er betonte, dass man zwar seine Qualifikation als Anwalt infrage stellen könne, nicht aber sein Mandat als Senator, das er durch Direktwahl erhalten habe. Zudem bezweifelte er, dass Rivas die Staatsanwältin Patricia Sánchez bedroht habe.

„Ich glaube nicht, dass er so ein Vollidiot (pelotudo) ist, so weit zu gehen. Er mag in manchen Dingen dumm (burro) sein, aber nicht bis zu diesem Extrem. In der heutigen Zeit eine Staatsanwältin zu bedrohen, führt unweigerlich zum Verlust des Mandats wegen unzulässiger Einflussnahme“, fügte er hinzu.

Wochenblatt / Última Hora

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