Keine Nestlé Schokolade

Asunción: Schon im Jahr 2003 sagte Tony Smith von der NY Times, dass nach seinem Dafürhalten jeder Einwohner, egal ob Kleinkind oder Urgroßvater mindestens ein Päckchen Zigaretten rauchen muss, da so viele in Paraguay hergestellt werden.

Als BAT-Souza Cruz und Phillips Morris mit dem Triangulieren der Zigaretten die Macht aus den Händen glitt, gab es plötzlich mehr als zwei Dutzend Tabakfabriken. Da stetig mehr Zigaretten produziert wurden als geraucht oder legal ausgeführt, untersuchte man ab 2008 die Zigarettenroute intensiver. Das Weltkonsortium der investigativen Journalisten kam damals zu dem erschreckenden Ergebnis, dass 1 von 10 Schmuggelzigaretten in der Welt aus Paraguay stammen. Es wurden mehr als 2.700 Markennamen in Paraguay registriert, darunter auch Hamlet (Stück von William Shakespeare), Fidel (Ehemaliger Präsident Kubas) oder Opus Dei (Das Werk Gottes).

Im Jahr 2009 kalkulierte man einen Zigarettenkonsum von 3 Milliarden Zigaretten pro Jahr, obwohl die paraguayische Tabakindustrie 70 Milliarden Zigaretten produzierte, so das Ergebnis der Untersuchung der prestigereichen Framework Convention Alliance gegen den Tabak. Im Jahr 2012, als Horacio Cartes mit seiner Fabrik Tabesa schon 60% des Marktes beherrschte, erklärte José Ortiz, dessen Geschäftsführer, dass Tabesa rund 32 Milliarden Zigaretten herstellt, was 10 Mal mehr ist als was auf dem paraguayischen Markt konsumiert werde könne.

„Du weißt sehr wohl das Paraguay ein großer Duty Free ist“, erklärte damals Ortiz. Wenn Duty Free also bedeutete, dass man Produkte ohne Steuern kaufen kann, hatte er Recht. Die Steuerplaktette auf den Schachteln ist immer die Gleiche, keiner kann nachvollziehen, welche Schachtel tatsächlich versteuert ist und welche nicht. Des Weiteren ist der Steuersatz so gering, dass es zum Lachen wäre, wenn es nicht so ernst wäre.

Wenn so viele Zigaretten nicht geraucht aber verkauft werden, müssten sie ja exportiert werden, nahm das Weltkonsortium der investigativen Journalisten an. Doch weit gefehlt. Legale Exporte von paraguayischen Zigaretten nach Brasilien oder Argentinien gibt es nicht, nicht eine einzelne Stange. Verwunderlich ist, dass selbst bis letzten Samstag, wo 1.500 Kartons mit insgesamt 150.000 Stangen der Tabesa Marke Eight in Guaíra, Brasilien, beschlagnahmt wurden, keiner die Ausfuhr versucht zu unterbinden, während die Brasilianer und die Argentinier Spezialtruppen haben, um genau diese Produkte aufzuspüren und aus dem Verkehr zu ziehen. Für Brasilien ist seit Jahren klar, dass Tabesa die größte Fabrikant von Schmuggelprodukten des Landes ist. Cartes, der 2012 zu dem Thema kein Interview geben wollte, agierte als Leiter der Paraguayischen Union der Tabakfabrikanten als 46 Millionen Zigaretten in Pindoty Porã beschlagnahmt wurden. Man akzeptierte einen. Geldbuße von 300.000 US-Dollar und alles war gut. Der damalige Justizminister ist sein persönlicher Freund Blas Llano, der den Cartes-Flügel in der PLRA leitet.

Der Tabesa Geschäftsführer José Ortiz vergleich im Jahr 2012 die Tabesa Zigaretten mit Nestlé Schokolade. Er sagte, dass das Unternehmen keine Schuld trifft, wenn jemand (dessen Name man nicht nennen mag) die Produkte kauft und sie dann zu Schmuggelgut macht. Im Jahr 2015, als Cartes die Redaktion der Abc Color besuchte, wiederholte er wortwörtlich die Phrase mit der Nestlé Schokolade und dass seine Firma keine Schuld trifft.

Laut der internationalen Framework Convention Alliance (Organización Internacional de Control del Tabaco) produziert Tabesa weitaus mehr Zigaretten als sie offiziell angeben und sorgten damit zu Steuerausfällen von 150 Millionen US-Dollar jährlich for den Staat. Es gibt mehrere Buchhaltungen, sodass man nicht nur durch gleichbleibend geringe Steuern den nationalen Markt beherrscht, sondern auch inRuhe gelassen wird, wenn man “exportieren“ will.

In seinem Tabesa Administrationsteam sitzt auch José Burró Franco, der wiederum der Bruder der Strafrichterin Fátima Burró Franco ist, die Sandra McLeod de Zacarías (HC) wegen der Leerung der Kasse der Stadtverwaltung von Ciudad del Este, freisprach. Hier von Zufall oder käuflicher Rechtssprechung zu sprechen wäre haltlos und üble Nachrede.

Zudem hat Cartes noch das Glück, dass die Marine, die die Gewässer zu Brasilien überwachen sollte, sich nicht imstande sieht, da die Personaldecke zu dünn sei, wie Admiral Carlos Velázquez, Bruder des Vizepräsidenten Hugo Velázquez, letzte Woche selbst sagte. Wer wegschaut ist Komplize, leider jedoch nicht aus den Augen der Uniformierten.

In Bezug auf die Untersuchung von Tabesa finden Sie hier einen sehr informativen Artikel in englischer Sprache.

Wochenblatt / Abc Color / SFU

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1 Kommentar zu “Keine Nestlé Schokolade

  1. Kapitalismus. Man produziert nicht auf bedarf sondern was geht. Damit ergibt sich alles andere. Bei alkohol und tabak sprechen wir nicht einmal von lebensnotwendigen oder wichtigen dingen daher zumindest gilt: Wenn die nachfrage nicht da waere kann sie kaum mittels gesetzen erschaffen werden. Wo das aber geht wird auch das gemacht. Man versucht es auch schon mit weltweiten pandemien.
    Das naechste mal einfach schauen wenn einer der grossen fische wo einsteigt. Sobald das ist, geht es los. Das hat sicher nichts mit v theorien zu tun.

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