Konjunktur in Paraguay bricht ein

Asunción: Nach Ansicht mehrerer Experten und Wirtschaftsanalytiker bricht die Konjunktur in Paraguay ein. Verschiedene Sektoren sind direkt betroffen.

Infolge dieser Situation sind einige Unternehmen gezwungen, ihren Personalbestand zu reduzieren und Entlassungen vorzunehmen. Manuel Ferreira, Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Finanzminister, bestätigte, dass es tatsächlich eine wirtschaftliche Abschwächung gibt. Einige Sektoren, in denen heute von einer “Verlangsamung und Einbruch der Wirtschaft“ gesprochen werden kann, sind betroffen.

Darunter befindet sich der gewerbliche Sektor. Das hängt mit dem noch immer bestehenden Preisunterschied in Bezug auf Argentinien und Brasilien zusammen. Auch der Industriezweig bekommt die Wirtschaftsflaute zu spüren.

Betroffen ist ebenfalls der Agrarsektor, der nach aktuellen Prognosen für dieses Jahr einen Rückgang des Wirtschaftswachstums von 0,8% erwartet.

Ferreira zufolge kann man mit all diesen Daten bestimmte Auswirkungen sehen, die uns heute zu einem BIP mit einem niedrigeren Wachstum als den, wie wir Ende letzten Jahres erwartet hatten, hinführen werden.

Ebenso wurde darauf hingewiesen, dass die Auswirkungen auf wirtschaftlicher Ebene auch in anderen Sektoren wahrgenommen werden können, in denen “es noch zu früh ist, um zu wissen, was passieren wird“. Weil die Verlangsamung Mitte letzten Jahres eingesetzt habe, werde die Inzidenz den Beginn der zweiten Hälfte des Jahres 2019 erreichen, erklärte Ferreira.

Der ehemalige Finanzminister erwähnte weiter, dass man im Zuge dieser wirtschaftlichen Abschwächung feststellen könne, dass einige Unternehmen aufgrund des rückläufigen Verkaufsvolumens einen großen Warenbestand haben. In manchen Fällen sei dies viel besorgniserregender, beispielsweise im Modebereich mit saisonalen Kollektionen.

Die Autoteile-Unternehmen, die sich in Paraguay niedergelassen haben, seien auch stark von den Auswirkungen des Wechselkurses betroffen, sagte Ferreira. Ein Beweis dafür ist, dass einige Unternehmen gezwungen waren, ihre Belegschaft zu verkleinern und die Vertragslaufzeit mit ihren Mitarbeitern zu verkürzen.

Wenn sich die Situation bessert, werden diese Unternehmen nach Einschätzung voraussichtlich wieder Arbeitskräfte einstellen, aber in der Zwischenzeit werden sie in sehr arbeitsintensiven Branchen entlassen.

Ferreira erwähnte, dass der Rückgang des BIP auf verschiedene Weise wahrgenommen werden könne. Als Beispiel erwähnte er den Fall des Inhabers eines Unternehmens, das Industrieprodukte herstellt. Es gibt weniger Verkäufe und Aufträge in letzter Zeit.

Die Sojabohnenernte fällt schlechter aus wie letztes Jahr und im Viehsektor fallen die Preise. Andererseits können diejenigen, die in einem Unternehmen angestellt sind, feststellen, dass ihr Arbeitsvolumen geringer ausfällt, was sich wiederum in Entlassungen bemerkbar macht.

Die Leute auf der Straße reden über ein Jahr, das viel angespannter sei als in den vergangenen Jahren, sagte Ferreira.

Wochenblatt / Hoy

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11 Kommentare zu “Konjunktur in Paraguay bricht ein

  1. In Paraguay gibt es ein ÜberÜberschuss von Apotheken, Ferreterias, Electrodomesticos, Gebrauchtwagenhändler, Anwälte und staatliche Beamte. Exportiert wird nur Rindfleisch und Soja.
    Wenn es nicht diesen spürbaren Bevölkerungswachstum gäbe, dann wäre die Konjunktur vollkommen im Eimer.

    Das ganze steht auf äusserst wackligen Beinen – dem kann man eigentlich nur mit Bildung, Zukunftsvision und Nachhaltigkeit entgegentreten – aber das interessiert die Politikerkaste überhaupt nicht. Deren Zukunfstvision beträgt 5 Jahre. Die stellen nur sicher, dass sie und ihre Nachfahren reichlich Geld und Immobilien zur Verfügung haben.

    1. Finde ich ein schöner und treffender Satz: „Deren Zukunfstvision beträgt 5 Jahre“
      Ihren ganzen Kommentar trifft voll ins Schwarze. Eigentlich wäre es ja die Aufgabe der Politiker Arbeitsplätze zu schaffen. Gut, prinzipiell wäre das Klima für Investoren gut: niedrige Steuern, kleine Hürde, um wirtschaftlich tätig zu sein, billige Arbeitskräfte und jeder Bankkräuber darf mit seinen erbeuteten Kugelschreiber einreisen (niedrige Migrationsbedingungen, zeigen 5.000 USD und guter Leumund). Wäre da nur nicht die schlechte Arbeitsmoral, schlechte und billige Ausführung der Arbeiten zB. des Gebäudes und grasierende Korruption, was eben vieles wieder zunichte macht.
      Insbesondere ist für Investoren absolut notwendig, dass, wenn ein staatlich anerkannter Notar seine Arbeit tut sollte, diese auch 100% richtig ausführt, d.h. schaut, ob mit dem Grundstück ALLES in Ordnung ist. In der Realität schaut es aber so aus, dass es Notare gibt, die einfach zu faul sind, dann stehst da mit einem unsauberen Grundbucheintrag und eines Tages steht der „andere“ Grundbesitzer vor der Tür und will auf sein Grundstück. Und der Notar wird deswegen immer noch Notar sein.
      Die Politiker machen es sich einfach zu einfach.

  2. Die wirtschaftliche Situation der Nachbarländer schlägt eben jetzt auf Paraguay durch. Und Paraguay hat dem nichts entgegenzusetzen. Wie auch? Wenn Steuererhöhungen notwendig sind nur um Staatsbedienstete zu entlöhnen.
    Maßnahmen zur Umsetzung von Zukunftsvisionen und Nachhaltigkeit sowie Förderung der Bildung werden anderswo durch steuerliche Anreize gefördert oder direkt subventioniert. Hier fehlt es am Kapital für einfache Infrastrukturmaßnahmen. Maßnahmen der Zentralbank haben wenig bis gar keinen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum, wie die Nullzinspolitik der EZB zeigt. Der Präsident sollte sich mehr um die wirtschaftliche Situation Paraguays sorgen und nicht um die Venezuelas. Die Paraguayer können sich schon mit dem Gedanken vertraut machen ihre Gürtel auf das Maß der Argentinier einzustellen.

  3. @ Anton
    Die Paraguayer können sich schon mit dem Gedanken vertraut machen ihre Gürtel auf das Maß der Argentinier einzustellen.Das ist noch eine Positive Botschaft von Dir!
    Das wird weit aus schlimmer kommen.
    Nur von Soja und Rindfleisch kann kein Land auf Dauer bestehen, dazu sind die Märkte zu sehr in Bewegung!

  4. Kuno Gansz von Otzberg

    Antworten

    Zitat >Paraguay recorded a trade deficit of 279039 USD Thousands in January of 2019. Balance of Trade in Paraguay averaged -87786.77 USD Thousands from 1994 until 2019, reaching an all time high of 198293 USD Thousands in April of 2014 and a record low of -483076 USD Thousands in December of 2018.<
    https://tradingeconomics.com/paraguay/balance-of-trade
    Im Durchschnitt importiert Paraguay rund 87 Millionen $ mehr als es exportiert. Jedes Jahr. Man sieht in der Graphik klar dass seid dem die Fleischindustrie ab 2000 aufgebaut wurde, es nur einige Jahre, bis 2005, einen Exportueberschuss gab. Ab dann gabs fast nur immer hoehere Importe als exporte. Und zwar bedeutend hoehere Importe als exporte. Ab 2005 konsumiert Paraguay also mehr als es produziert. Horrende Summen an importe kann man da sehen. Das geht natuerlich langsam schnell und sehr steil in die Auslandsverschuldung wenn nicht hoehere Steuern den Reichen auferlegt werden.
    Die Zinssenkung weist darauf hin dass der Mittelstand so langsam die Steuerlast nicht mehr tragen kann und den Mut verliert zu invertieren. Auch zeigt das dass die Loehne zu hoch sind im Land, denn es wird langsam unrentabel was zu produzieren. Oder der interne Konsum ist dermassen hoch wegen der explodierenden Bevoelkerungsmenge, dass intern alles konsumiert wird anstatt zu exportieren. Das duerfte dann aber auf eine interne Verschuldung des Privatsektors hinweisen.
    Es wird uns ja immer vorgegaukelt wie sehr Paraguay Exportmeister ist. Scheint aber fake News zu sein. Man kauft mehr als man exportiert. eine ueble Rechnung.
    Hier nochmals die neuerdings galoppierende Auslandsverschuldung: https://tradingeconomics.com/paraguay/external-debt.
    Ab 2013 fing die Auslandsverschuldung an steil zu galoppieren.
    Hier die Konsumausgaben der Privathaushalte: https://tradingeconomics.com/paraguay/consumer-spending.
    Scheint zu zeigen dass der paraguayer praktisch auf pump lebt. Die Ausgaben sind regelrecht in die Hohe geschoseen.
    Kann auch darauf hindeuten dass die illegalen Einkommen gerne ausgegenen wurden welche aus Drogen, Korruption und Diebstahl stammen.
    Allerdings kann dieses auch auf eine hohe Verschuldung der Privathaushalte deutet. Diese Schuldenblase duerfte dann irgendwann platzen.
    Der producer price index zeigt dass der Produzent immer mehr Preis fuer sein Produkt erhalten hat. Der Produzent hat praktisch die Preise in Paraguay stetig erhoeht und damit so langsam die Wettbewerbsfaehigkeit verloren gegenueber Argentinien und Brasilien. Hier die stets steigende Kurve die zeigt dass die Preistreiber in Paraguay die Produzenten sind. https://tradingeconomics.com/paraguay/producer-prices.

    1. Also ich finde die Löhne im Allgemeinen viel zu hoch. Gut, Fleisch ist billig, was man sich auch von Gehältern von 350 USD erklären kann. Aber Güter und Handwerk sind viel zu teuer: Ein Indianer auf einem Bauernhof bekommt auch nur 350 USD pro Monat, dann darf die Milch aber auch nicht knapp einen USD kosten, denn das bekommt man in EU und USA billiger und da verdient ein Kuhstallfeger mehr als 350 USD pro Monat. Güter, die billig sind, sind viel zu teuer für den China-Schrott, gleiche Qualität ist viel teurer als USA und EU.
      Vom Handwerk ganz zu schweigen, wer bezahlt einem USA und EU einem Kind mit Restalkohol von 3 Promille schon 15 USD pro Tag?
      Gut, Deutschland hat keine Berge, aber auf dem Mont Blanc zwischen Frankreich und Italien auf 4.000 m über Meer bekommt man auch billig ein Stück Land und ein Haus, wie in Paragauy halt auch einfach 40.000 Km zum nächsten Laden.
      Wer in Paraguay ein Haus kaufen möchte, das auch als Haus bezeichnet werden darf, muss mindestens mit 100.000 Euro und mehr rechnen, sonst ist es ein von Kindergärtner errichtetes Haus, die sonst Kinder hüten, sich aber Mecanico – Maurer – Elektrizität – Klempner – Maler schimpfen.
      Paraguay ist ein teures Pflaster, für das was geboten wird: nichts.
      Einzig bezahlt man fast keine Steuern und man kann tun und lassen was man will, was Vor- und Nachteile haben kann, vor allem wenn deine Nachbarn tun und lassen, was sie wollen.
      Man sollte sich also vor dem Hauskauf um 6 Uhr morgens und ab 18 Uhr abends die Gegend erst anschauen, in der man künftig leben möchte, ab besten mit Taschenlampe, sonst kann es zu unangenehmen Überraschungen wie Müllverbrennung und Musikantenstadel um 4 Uhr auf 120 dB kommen.
      Und ja, der Paraguayer im Allgemeinen, dem ist die Konjunktur, der Arbeitsmarkt, BIP, Export ziemlich egal: Ein paar Hühner, ein paar Streichhölzer und ab und zu einen Alemam de M. oder Amido übers Ohr hauen, um Gras zum Trinken sich leisten zu können; und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute und bis in alle Ewigkeit glücklich und zufrieden.

    2. Danke, in der Tat interessante Zahlen. Was die Verschuldung der Privathaushalte angeht habe ich zumindest Einwände. Ich bin Mitglied in einem halben dutzend Cooperativas und lese auch deren Jahresberichte. Die Ausgabe der Kredite steigt in der Tat, aber nur marginal. Mir kommt es eher so vor, das der Konsum tatsächlich eher der sogenannten explodierenden Mittelschicht zugeordnet werden kann und das wären dann vor allem die horrende Anzahl der Staatsangestellten, die wiederum für die gestiegene Staatsverschuldung verantwortlich ist. Quasi ein Konjunkturprogramm für Besserverdienende auf Kosten der Restbevölkerung.

  5. Erstaunlich der Hinweis, dass der Handel für Autoersatteile das Personal reduzieren musste und das obwohl esfür meinen Toyota kaum Ersatzteilegibt und ichteilweise Monate lang auf Ersatzteile warten muss. Gelegentlich besorge ich mir Ersatzteile aus Deutschland, da ich hier diese überhaupt nicht bekomme!

    1. Service a la Paraguay. Verkauf ist alles. Service ist 0. Und wenn es keine Teile gibt, braucht man auch kein Personal.

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