Asunción: Die BBC beschreibt die prekären Verhältnisse im öffentlichen Gesundheitswesen Paraguays: Familien müssen alles verkaufen, um Behandlungen, Materialien und Medikamente zu bezahlen, so wie Nationaltorhüter Orlando Gill, der eines seiner Trikots verkaufte, um die Kosten für die Geburt seines Frühgeborenen zu decken.
Krankwerden in Paraguay hat einen hohen Preis, der fast vollständig von den Angehörigen getragen wird, während das öffentliche System versagt. Es ist im Land bekannt, dass die Menschen Spendenaktionen veranstalten, Tombolas durchführen und alles Verkaufbare veräußern, um die nötigen Mittel aufzubringen.
Diese Situation wurde nun auch von der BBC aufgegriffen, nachdem die Geschichte um Nationaltorhüter Orlando Gill bekannt wurde: Er hatte sich im Dezember 2022 dazu entschieden, eines seiner wertvollsten Trikots zu verkaufen, um die Kosten für die Geburt seines Sohnes Lautaro zu tragen, der zu früh auf die Welt kam.
Die internationale Redaktion stellt zudem die Geschichte von Daniela Benítez und ihrer Tochter María del Pilar vor – ein Schicksal, das dem von Gill und Tausender weiterer Paraguayer gleicht, die um das Leben ihrer Lieben kämpfen. Als die Tochter eingeliefert wurde, begann für die Mutter eine Odyssee durch die Straßen Asuncións: Sie musste selbst nach dem Allernötigsten suchen, das ein Krankenhaus vorhalten sollte – Verbrauchsmaterialien. Die verzweifelte Frau besorgte selbst einen Beatmungsgerät, eine Kanüle und sogar Watte, die das medizinische Personal zur Versorgung von María del Pilar benötigte.
Der Kauf dieser Materialien und einzelner Geräte kostete umgerechnet mehr als 800 US-Dollar – rund 4.837.964 Guaranies. Das Geld wurde über eine Spendenaktion zusammengetragen.
Das Mädchen litt an einer Lungenentzündung als Folge von Tuberkulose, einer bakteriellen Erkrankung, die meist die Lunge befällt, berichtet der britische Sender.
„Das Gesundheitswesen in Paraguay wird immer schlechter“, sagte Daniela als Erstes. Die 62-Jährige lebt als Kunsthandwerkerin in Asunción, stammt aber aus dem Chaco und gehört der indigenen Gemeinschaft der Nivaclé an.
Wie der Artikel hervorhebt, fehlt es nicht nur an Material und Arzneimitteln: Die Patienten müssen zudem mit langen Wartezeiten und bürokratischen Mängeln kämpfen, die einen Aufenthalt in jedem öffentlichen Krankenhaus zur Qual machen. Danielas Tochter verbrachte ein Jahr im Krankenhaus und verstarb schließlich.
Die Geschichte von Daniela und die von Gill sind nur zwei Beispiele für die Krise des paraguayischen Gesundheitssystems, die nun auch internationale Aufmerksamkeit erregte. Dem Bericht zufolge ist es fast unmöglich, eine Krankheit zu bewältigen – und eine menschenwürdige Versorgung zu erhalten, wird zum Glücksfall.
Zitiert wird zudem ein Bericht von Amnesty International, der Paraguay zu den Ländern zählt, die am wenigsten Haushaltsmittel pro Kopf für das Gesundheitswesen ausgeben.
Die Ausgaben in Höhe von vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen unter dem Mindestwert von sechs Prozent, den die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (OPS) empfiehlt, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten.
Für Gustavo Ortiz, Leiter der Abteilung für Dienstleistungsentwicklung im Gesundheitsministerium, richten sich die Kritik an das öffentliche System vor allem nach der gestiegenen Nachfrage nach Versorgung.
Dieses Problem werde bearbeitet, es handele sich nicht um ein strukturelles Versagen, erklärte er.
Die BBC weist zudem darauf hin, dass die Ärzte – nach den Protesten im Oktober 2025 – am 24. August erneut streiken werden. Für fünf Tage soll es einen landesweiten Ausstand geben, um mehr Mittel für das öffentliche Gesundheitswesen zu fordern.
Aus Sicht von Dr. Rossana González von der Ärztegewerkschaft Paraguays ist das System völlig zersplittert.
„Es gibt kein funktionierendes System, weil die Bereiche nicht vernetzt sind, nicht zusammenarbeiten und oft doppelt Haushaltsmittel verbrauchen“, kritisiert sie.
In ländlichen Gebieten – wo viele Bauern und indigene Gemeinschaften leben – haben über 82 Prozent der Menschen keine Krankenversicherung.
Erst kürzlich bestätigte Präsident Santiago Peña in seinem Tätigkeitsbericht, dass die öffentliche Gesundheit nach wie vor die größte Herausforderung seiner Regierung darstellt.
Wochenblatt / Última Hora















Ernst_H
Ein kostenloses Gesundheitswesen gibt es nun mal nicht. Irgend jemand muß zahlen, und die Frage, die eine Gesellschaft beantwort muß, besteht darin, wem man diese Kosten auferlegt. Und da gibt es letzten Endes nur zwei Möglichkeiten: entweder ich zahle für meine Behandlung, oder jemand anders zahlt für mich.
Albert Rotzbremsn
Naja, könnte der Paraafric ja bei den Misantrophen Murks, Mr. Puppyeyes, Facebook-Heini und wie sie ausm Silikontal alle heissen betteln, ob se was aus ihrem Trillions an Privatvermögen spenden.
Der Tesla-Murks und der Facebock-Heini bezahlen ja null US$ Steuergelder, weil ihr monatliches Gehalt genau 1 US$ beträgt.
Ok, habe ein bizzl Aktienpackete von ein paar wenigen hundert Billionen €.
Von was die Armen denn leben, wenn ihr monatliches Gehalt genau 1 US$ beträgt?
Na, Kredite.
Die sie auch bekommen.
Bei einem monatlichen Gehalt von genau 1 US$ ist das aber gaanz schwer die Millionenkredite zu bedienen.
Müssens die Armen immer neue Kredite aufnehmen.
Ok, sie sind geizig und spenden höchsten der WHO für neue Spritzchen von ihrem monatlichen Gehalt von genau 1 US$.
Also doch weiterhin alle Krankheiten des Paragauy mit Alkaselzer, Ibuprofen und Dr. Selbi`s Salbe behandeln. Teuerer Sachen halt mit der Baumsäge, pflaster drauf und gut ist.
Land Of Confusion
Ein funktionierendes Gesundheitssystem erfordert vor allem eine soziale Ader im Miteinander – und da ist Paraguay Lichtjahre weg von. Übertroffen vielleicht nur noch von den USA, denkt in Paraguay nur jeder an sein eigenes Wohl. Und Wohl ist hier gleichbedeutend mit Reichtum, wo es kein Ende für gibt.
Die Eigentümer bzw. Mitaktionäre der privaten Krankhäuser und der Versicherungen sind alles nimmersatte Millionäre, denen die Gesundheit der anderen sowas von sch***egal. Genau wie bei den nationalen Pharmafirmen (Lasca und Quimfa die bekanntesten) und den Importeuren von Medikamente, die ihre skrupellosen Geschäftstätigkeiten dann mit Werbeanzeigen verschleiert, dass man sich um das Wohlergehen der Bürger, ihnen aber in Wirklichkeit ins Gesicht spuckt.
Man könnte dies entgegensteuern, wenn die öffentliche Gesundheitsversorgung funktionieren würde – tut es aber durch die asoziale Mentalität nun eben nicht. Wenn man sieht, wie beim IPS die Gelder verbrannt werden, damit sich ein paar Jefes und Politiker weiter bereichern können, dann ist Hopfen und Malz verloren.
Am grotesken ist auch, wie die Politiker seit Jahrzehnten versprechen, dass sie das ändern wollen – die offensichtlichsten Lügen überhaupt – und trotzdem werden sie immer weitergewählt und von nicht wenigen auch noch gehuldigt.
Hermann2
Wie kann es sein, daß ich auf meine Kreditkarte bei einer Farmacia 40 % Rabatt bekomme? Dann liegt ja die Handelsspanne für Medikamente über 40%. Das ist Wucher. Gibt es hier keine Regulierungsbehörde oder ist diese taub und blind? Bei den Supermarktketten sieht das wohl nicht anders aus. Warum das so ist, kann sich jeder an fünf Fingern abzählen. Die Eigentümer dieser Einrichtungen machen ihre Gesetze selbst.