Nach der Wahl ist vor der Wahl

Leider reicht der Platz im Wochenblatt nicht um alle Anekdoten rings um die parteiinternen Wahlausscheidungen zu berichten. Dominiert wurde der Wahlkampf duch die beiden rivalisierenden Gruppen der Colorados „Honor Colorado“ (HC) mit Pedro Alliana als Spitzenkandidat und Horacio Cartes als Führer der Wahlkampagne gegen „Colorado Añetete“ (CA), die sogenannten Dissidenten, mit Mario Abdo Benítez (Marito) an der Spitze.

Zwischen den Anhängern der Gruppierungen gab es landauf landab Prügeleien, Anfeindungen bis hin zu Schießereien. Sowohl Cartes als auch Benítez erklärten in den vergangen Tagen wiederholt wie auch immer die Wahl ausgehen möge, man sei bereit zu vergeben und die Zukunft gemeinsam zu gestalten, schließlich gehöre man zusammen. Lilian Samaniego, die Vorsitztende der ANR bis März 2016, drückte dies so aus: „Zuerst die Partei, danach unsere eigene Existenz.“

Analysten bezeichneten diese Fähigkeit der ANR-Mitglieder, sich nach blutig geführten Wahlphasen wieder zusammenzuraufen und vereint gegen andere Parteien zu streiten als ein Schlüsselelement, um Wahlen auch nach der Militärdiktatur gewonnen zu haben. Dass 2008 bei den Präsidentschaftswahlen die Streitigkeiten bis zuletzt weiter gingen wird von vielen als begünstigendes Kriterium für den Erfolg von Fernando Lugo gedeutet.

Die Colorados erlebten eine Rekordwahlbeteiligung, beachtenswert sind allerdings 11,4% ungültiger, beziehungsweise nicht ausgefüllter Stimmzettel, die eine Unzufriedenheit mit allen angebotenen Wahlaternativen zum Ausdruck bringen.

In Loma Plata sorgte der Indigene Anuncio Giesbrecht für Überraschung. Der Angehörige der Volksgruppe Enlhet Norte gewann die Wahl und kandidiert nun als Bürgermeister für die Colorados gegen den früheren Gouverneur von Boquerón Walter Stoeckl.

Ein Highlight möchten wir unseren Lesern nicht vorenthalten. Wie in guten alten Zeiten, also noch bevor jede Veranstaltung von laufenden Handy-Kameras begleitet wurde, entgleiteten dem Abgeordneten Elio Cabral bei einem Event in Ciudad del Este einige offene Worte: „Posten für die Getreuen, Posten für meine Freunde die hier in der Sektion arbeiten… Die Freunde werden die Positionen bekleiden, die ihnen zustehen, die Kinder der Freunde werden die Positionen bekleiden, die ihnen zustehen.“

Er erklärte, einmal Posten an die falschen Leute verschenkt zu haben, auf Kosten seiner Wähler, diesen Fehler wolle er auf keinen Fall wiederholen. Solche Bekenntnisse gab es bereits von anderen Abgeordneten, darauf steht eigentlich Gefängnis, aber bislang haben solche Aussagen noch nie zu einer Anklage geführt.

Die Liberalen und die anderen Parteien haben übrigens auch gewählt, während mehr als 50% aller Colordos an die Urnen rückten waren es bei der PLRA lediglich 36 Prozent. Allerdings hielten sie sich bei Ausschreitungen weitgehend zurück, lediglich im Bereich des Stimmenkaufs und unerlaubter Wahlwerbung konnten sie mithalten, dennoch blieben andere politische Gruppierungen von der Presse im Wahlkampf weitgehend unbemerkt.

Relativ wenige PLRA-Anhänger fanden landesweit den Weg in die Wahllokale, in Asunción stellten sie nicht einmal einen eigenen Spitzenkandidaten, sondern setzten auf den Ex-Journalisten Mario Ferreiro von der Partido Revolucionario Febrerista (PRF).

Der liberale Abgeordnete Enrique Antonio Buzarquis sorgte lediglich kurz für Aufhorchen, als er am Freitag noch einen Gesetzesvorschlag über eine Wahlpflicht ins Parlament einbrachte. Wer nicht zur Wahl geht soll 10 Tagessätze zahlen, forderte er.

Personalausweise (Cédulas) wurden in sozialen Netzwerken und Kleinanzeigenmärkten für rund 300.000 Guaranies zu Wahlzwecken vermietet. Einige Wahllokale konnten nicht planmäßig öffnen, da die Stimmzettel fehlten. Es kam allerdings nur zu 31 offiziellen Anzeigen wegen Verstößen gegen das Wahlgesetz. Internationale Beobachter fanden die Wahlen „beispielhaft“ für die Länder Südamerikas.

Gegen 8 Uhr erschien auch der Staatspräsident zur Wahl in der Schule Teniente Milciades A. Piñeiro in Asunción. Der Staatschef ist für sein besonderes Verhältnis zur Presse bekannt, einigen Journalisten wurde kein Einlass gewährt. Es gab recht viel Gedränge und Cartes wies seinen Leibwächtern an die Jungs in Ordnung zu bringen (regulen los muchachos), was diese in gewohnt eifriger Weise, diesmal unter Einsatz von Elektroschockern, taten.

Im November stehen die Kommunal und Landeswahlen an, wir spitzen schon die Tastatur.

Quelle: Última Hora

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1 Kommentar zu “Nach der Wahl ist vor der Wahl

  1. 1.Mir wurde heute hier bekannt, dass ein Herr in meiner Nachbarschaft (Arzt), minderjaehrige Damen zum Wahllokal schaffte, um ihre Stimme abzugeben.
    2. Viele Leute hier im Ort als Waehler im Wahlregister markiert sind, von denen mir genau bekannt ist, dass sie sich dem Wahllokal gar nicht genaehert haben.

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