Natürlich aus der Luft gegriffen

Asunción: Schon seit Jahren könnte man sich fragen, was die Departemente Canindeyú, Amambay, San Pedro und Concepción zur Wirtschaft und zum Wohlergehen des Staates beitragen. Bis auf negative Schlagzeilen gibt es leider kaum was zu berichten.

Auch wenn die Cartes-Gruppe ein Zementwerk in Concepción errichtet und damit selbstredend viele Arbeitsplätze schafft, sind die meisten Meldungen aus den vier besagten Departements ständig negativ. Drogenanbau, Geiselnahme, Auftragsmorde, Schmuggel und unzählige weitere Verbrechen füllen die Schlagzeilen der Zeitungen und die Akten der Staatsanwaltschaft. Die einfachen Bewohner der Zonen haben meist daran keine Schuld und für sie es ist ihre Heimat.

Weder die Polizei noch das Militär hat die Anzahl an Einsatzkräften um jemals in diesen Departements für Ordnung zu sorgen, um durchzugreifen. Man lässt dem organisierten Verbrechen frei Hand und kann dies nicht einmal abstreiten. Die Geiselnahme des PLRA Politikers ist ein weiterer Beweis dafür. Aber auch mehr als 100 jährliche Auftragsmorde in Pedro Juan Caballero sind nicht außer Acht zu lassen.

Dadurch kommt wieder einmal der nicht umsetzbare Gedanke hoch: Wie wäre es, wenn man sich dieser vier Departements einfach entledigen könnte und sie Brasilien schenkt? Dann müssten sie für Ordnung sorgen, zu was sie tatsächlich imstande wären.

Wochenblatt

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13 Kommentare zu “Natürlich aus der Luft gegriffen

  1. Jeremia Ritter von Ochs vor dem Berg

    Eine der Ursachen sind die Schnelles-Geld Mentalitaet, die Bevoelkerung kann nicht mit Geld umgehen und verbraten alles indem sie haufenweise chinesischen Kitsch kaufen den sie uebermorgen mit dem Moto oder Traktor ueberfahren und zudem laesst gesellschaftlicher Druck kein Mitglied aus diesem Teufelskreis ausbrechen (anders sein ist verboten). Der Hauptfaktor ist allerding dass sie gottlos sind denn der Christ hat eher eine vertikale Beziehung und fragt nach oben nach Rat und nicht in horizontale Richtung bei anderen Menschen nach.
    Es funktionierte mit diesen Leuten recht leidlich als die Jesuiten die Indianer in Reduktionen steckten so dass der Fehler in einem Mangel an Gottglaeubigkeit und sozialer Organisation (Desintegration und zerfall der Gesellschaft) zu finden ist.
    Auch die DACh’ler gingen recht schnell „zurechtzubiegen“ steckte man sie in Reduktionen wo ihnen die Leviten beigebracht wuerden.
    https://iberoamericasocial.com/misiones-jesuiticas-guaranies/
    Steckt die Indianer und Germanen in Reservate zusammen mit den Pfaffen und schon gehts wieder . Siehe hier den Plan der Reduktion San Ignacio Mini. https://www.lavoz.com.ar/interactivo/grafico-de-las-ruinas-de-san-ignacio

  2. | „Wie wäre es, wenn man sich dieser vier Departements einfach entledigen könnte und sie Brasilien schenkt?“
    Sobald der Staat das machen würde, würde die Bevölkerung aufstehen. Wer denkt, dass es den Paraguayern egal ist, dass sie bereits soviel Land verloren haben, der irrt sich gewaltig. Noch mehr Land zu verlieren, oder gar noch zu verschenken, das wäre, als würde man ein brennendes Streichholz in einen Öltank werfen.

    1. @Jelly, ich denke, der überwiegende Teil der Bevölkerung würde für eine Annexion an Brasilien stimmen. Die meisten von ihnen sprechen portugiesisch und fühlen sich mit Brasilien eher verbunden als mit Asuncion, auch wenn sie sich als Paraguayer verstehen.
      Im grenznahen Bereich wird oft versucht sich auch in Brasilien anzumelden, um die Kinder dort zur Schule zu schicken oder vom Sozialsystem/ Gesundheitssystem zu „profitieren“.
      Die paraguayische Polibandi ist natürlich dagegen Machtbereiche abzugeben. Das liegt in der Natur der Sache.

  3. Einfache Antwort, weil die Politikmafia das nicht will, weil deren dunkle Geschäfte laufen zu meist über die 4 Departements. wenn die dann von Brasilien kontrolliert werden würden, hätten die viel schlechtere Karten, vor allem Cartes. Wo der “ Virus“ nicht mehr so zieht, wie erhofft um die Menschen in Häusern gefangen zu halten, kommt wieder einmal die EPP ins Spiel, um die Leute einzuschüchtern und unliebsame los zu werden und die kleinen zu zwingen, das die bei Dunkelheit Ihrer Häuser aus Angst nicht verlassen, die drei Affen kann man nur sagen, nichts hören, nichts sehen und schon garnicht reden.

    1. es geht nicht nur um Drogen. Waffenhandel, Menschenhandel, Geldwäsche und vieles mehr ist hier im Spiel. Darum will und kann keiner, außer ein paar wenige Politiker, in den Departments aufräumen. Als Brasilien Hilfe gegen die EPP und den Schmuggel anbot, wurde dankend abgelehnt, Py bekommt die Probleme selber in den Griff. Man sieht es ja immer wieder wie Probleme in Py beseitigt werden.

  4. In Brasilien funktioniert alles, wo Militär dran steht. Alles andere ist fast vergleichbar mit Paraguay. Nur im Sueden des Landes in den deutschstaemmigen Gebieten sieht es besser aus.
    Ansonsten lebt es sich bei der mafia oftmals besser als unter einer zivilen Regierung. Ein gutes Beispiel dafuer ist Sizilien.

  5. Jeremia Ritter von Ochs vor dem Berg

    @Jelly
    Hier sehen sie die Groesse Paraguays im Jahre des Herrn 1783. Paraguay umfasste nur etwa die haelfte des heutigen Ostparaguay.
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nuevo_Mapa_Del_Virreinato_Del_R%C3%ADo_De_La_Plata.svg
    Das hellorangene war in etwa das was Paraguay war und umfasste nur die heutigen Departamente die anliegend am Paraguayfluss waren und um Asuncion. Sonst nichts. Der Teil der Departamente die am Paranafluss angrenzen das war schon nicht Teil von Paraguay sondern war eigenstaendig und hiess Missiones 1. Dieses Missiones 1 wurde aber der Intendencia del Paraguay zugesprochen und somit reichte Paraguay dann bis zum Paranafluss – und niemals weiter. Das Stueck Ecke bei Ostparaguay das heute Brasilien gehoert, gehoerte auch zu Missiones 1 und damit technisch zu Paraguay (ich glaub das ging bis zum Rio Ypane oder wie der hiess).
    Vorher war Paraguay um 1753 allerdings etwas groesser. https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c3/Carte_du_paraguay_et_del_pays_voisins_Echelle_1756.jpg
    Allerdings verstand man meist unter „Paraguay“ immer die Zone um Asuncion und dann bis zum Paranafluss. wo der Paraguayfluss die Grenze wiederum bildete. Der Chaco gehoerte nie zu Paraguay sondern galt als Niemandsland bzw Indianerland.
    Paraguay ist heute groesser als es je war.

    1. Interessant ist, dass Paraguay den Südteil des Chacos den USA verdankt. Der wäre sonst nach dem Tripel-Allianz-Krieg von Argentinien annektiert worden. Die USA haben daggen Einspruch eingelegt. Damit hätte Paraguay fast keinen Zugang mehr zum Chaco gehabt, zumal der Nordteil von Bolivien beansprucht wurde. Es wäre dann wahrscheinlich nicht zum Chacokrieg gekommen, denn der hätte gegen Argentinien zuerst geführt werden müssen. Paraguay wäre dann heute nur Ostparaguay.
      Situation nach dem Krieg:
      https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c3/Karte_Tripel-Allianz-Krieg_-_nach_dem_Krieg.png/997px-Karte_Tripel-Allianz-Krieg_-_nach_dem_Krieg.png

  6. Stellt sich auch die Frage, warum die Cartes-Gruppe ein Zementwerk in Concepción errichtet, tausende Kilometer von da, wo Zement in großen Mengen benötigt werden. Na, ok, stimmt, in so Zementwerken gibt es sicherlich genügend Stauraum für Zigaretten für Tagsüber. Na, abgeholt werdens dann in der Nacht.

    1. Beziehungsweise „Exportiert“. Über den Hafen am Fluss mit Direktanbindung Brasilien. Na, schon klar, Zement lohnt sich nicht zu schoggeln. Nehme aber an, dass Drogensuchhunde nicht soooo gerne im Zement rum snüffeln.

    2. „Stellt sich auch die Frage, warum die Cartes-Gruppe ein Zementwerk in Concepción errichtet…“ Weil dort die Rohstoffe, Kalkstein und Ton, vor Ort liegen. Ich war selbst mal in einer Kalkbrennerei in der Zone und konnte mir, ins 18te Jahrhundert zurückversetzt, Sklaven bei der Arbeit betrachten. Wirklich übel was da läuft.
      Nur, zum brennen wurde dort Holz benutzt. Ein Zementwerk ist viel energieaufwändiger als Kalk brennen. Was ist denn da als Brennstoff angedacht? Der Chaco?
      Concepcion ist aber auch logistischer Knotenpunkt. Per Straße deckt man den Norden und den Chaco ab. Wichtiger ist aber per Fluß, alles was sich Flussabwärts befindet geht kostengünstigst mit Schub- oder Schleppverband, hunderte Tonnen auf einmal, zu beliefern.
      Cartes baut sich da noch ne Goldgrube.

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