Nueva Mestre: Eine Geschichte über Betrug und Tod im Chaco

Villa Hayes: Nueva Mestre ist eine Kolonie, die zwischen 1993 und 1998 in Villa Hayes gegründet wurde. Angeblich wurden für die Durchführung des Projekts 14 Milliarden Guaranies investiert. Richtig fertiggestellt konnte das Vorhaben bis heute nicht.

Was folgte war eine traurige Geschichte von Betrug und sogar Tod. Einer von denen, die viel über dieses Unterfangen erzählen können, ist Monsignore Mario Melanio Medina.

Vor ein paar Monaten, als die Ministerin von der Senavitat, Soledad Núñez, das Projekt der Wohnungslösungen im Chaco ins Leben rief, kommt der Fall von Nueva Mestre wieder an das Tageslicht. Die Bewohner, die immer noch in dieser Kolonie bleiben, bitten um mehr Aufmerksamkeit vom Nationalen Sekretariat für Eigentum und Wohnen (Senavitat).

Nueva Mestre ist eine Kolonie, die mit einem Budget des Vereins für Solidarität und Entwicklung (ASES) geschaffen wurde, der Mittel aus der Europäischen Union verwaltete. Rund 14 Milliarden Guaranies standen zur Ansiedlung von etwa 150 Familien an diesem Ort zur Verfügung.

Es ist jedoch offensichtlich, dass diese Ressourcen nicht gut genutzt wurden und es während der Durchführung des Projekts Berichte über Betrug und sogar einen Todesfall gibt. Einer, der unter Anklage stand, war Monsignore Mario Melanio Medina, damals Bischof von Benjamín Aceval und dem Bajo Chaco.

Nicanor Duarte Frutos war derjenige, der verantwortliche für die Anklage gegen den Prälat war, als er das Amt des Staatspräsident inne hatte.

Er beschuldigte den Bischof des Betrugs bei dem Projekt der Kolonie. Ebenso deutete er an, dass Medina für den Tod des Pfarrers Ciro Martínez verantwortlich sei.

Einige Zeit später, während der Regierungszeit von Fernando Lugo, sollte der Tod des Priester und die angebliche Veruntreuung von Geldern durch die Staatsanwaltschaft weiter untersucht werden. Es kam aber nie dazu. Die Sache schlief ein.

Auf der anderen Seite war die Kolonie zwar besiedelt worden, ohne dass die Mindestbedingungen für ein ordnungsgemäßes und gesundes Leben möglich sind, weil grundlegende Dienstleistungen fehlen.

Die sozialen und menschlichen Kosten sind groß, weil Hunderte von Menschen in dieser Kolonie in einem der Departements mit vielen Bedürfnissen, Präsident Hayes, in Armut und sozialer Ausgrenzung leben.

Während der Regierung des Duos Fernando Lugo-Federico Franco gab es Manöver für bestimmte liberale Politiker, um einige Pläne von Nueva Mestre zu übernehmen. Die Ländereien der Kolonie Nueva Mestre, wie durch das Gesetz 97/091 beschlossen, sollten nur Landlosen, sogenannten Campesinos, zugutekommen, die auf der Seite der Transchaco-Route zwischen km 134 und km 218 kampierten.

Aufgrund dessen verließen viele Kolonisten Nueva Mestre, weil sie Angst hatten, “von Campesinos“ eingenommen zu werden.

Primo Zarza, Koordinator der Aktivitäten in Nueva Mestre, zögert aber, die Kolonie zu einer Geisterstadt zu machen, obwohl er erkannte, dass einige Nachbarn begannen zu emigrieren und ihr Land zu verkaufen. Mit der Absicht, die Kolonie zu retten, kehrten sie nach einigen Jahren zurück, um sich zu organisieren und Zarza leitet einen neu gegründeten Bauernverband von Nueva Mestre.

Es wurde ein Entwicklungsplan dem Nationalen Institut für ländliche Entwicklung und Land (Indert) vorgelegt. Das war im Jahr 2005. Bis jetzt gab es keine Antwort in der Sache.

Zarza will aber aus Nueva Mestre eine produktive landwirtschaftliche Kolonie machen. „Wir brauchen eine Stromleitung und Energie. Eine Kooperative muss gegründet werden. Wir können keine Wurzeln schlagen, wenn wir nicht produzieren und dazu brauchen wir die ständige Präsenz von Institutionen wie dem Indert und dem Landwirtschaftsministerium“, behauptete Zarza damals.

Die Kolonie Nueva Mestre war eine Antwort auf das Problem der obdachlosen Familien, die in prekären Verhältnissen lebten, entlang der Transchaco-Route zwischen Kilometer 134 und 218.

Wochenblatt / ADN Paraguayo

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6 Kommentare zu “Nueva Mestre: Eine Geschichte über Betrug und Tod im Chaco

  1. Nichts, aber auch absolut nichts läuft in diesem Land „normal“. Überall wo große Projekte in´s Leben gerufen werden, bei jeder größeren Investition, greifen sich „Geier & Hyänen“ ihren Anteil, ohne etwas dafür zu tun. Diese verruchte Mentalität, dieses faulende Krebsgeschwür am Volk, macht offensichtlich nicht einmal Halt vor der Katholischen Kirche. Kein Wunder, wenn in diesem Land nichts wirklich voran geht. Wenn in diesen „Laden“ einigermaßen Ordnung und Aufrichtigkeit und Anstand käme, könnte Paraguay tatsächlich ein liebens- und lebenswertes Land sein. Doch von wo und wem soll da Hilfe kommen, wenn sich die Menschen an diese Zustände gewöhnt haben und alles für „normal & optimal“ ansehen? Kritik ist nicht gern gesehen, wird gar als „unpatriotisch“ dargestellt und wenn die Kritik von Zugewanderten (egal wie lange sie hier schon leben und wie viel sie in Land und Menschen invertiert haben) kommt, wird ihnen nahegelegt die „Heimreise“ anzutreten. Meist jedoch von den eigenen Landsleuten oder Nachkommen ehemals Eingewanderter. Wie krank ist das eigentlich!

  2. BER, Stuttgart21 und Elbphilharmonie sind nur 3 Beispiele, wie das genau so selbst in Deutschland abgezogen wird, nur sind das finanziell nochmal ganz andere Grössen.
    Weltweit sind Politiker völlig obsolet, das muss man verstehen. genau so verhält es sich mit Religion!

  3. Ja, Simplicus, was willst du eigentlich erwarten in einem Staat, in welchem zwar Gesetze existieren, und auch eine Justiz, wenn aber die Anwendung der bestehenden Gesetze nicht für alle gleichermaßen gilt und die Justiz das Recht meistbietend versteigert. Mit solchen bereits vorausfinanzierten Projekten beschäftigen sich natürlich sehr gerne Politiker und auch Pfaffen, weil Geld vorhanden ist. Als 1926 die ersten Mennoniten sich im Chaco niederließen und ohne irgendwelche finanzielle Hilfen aus internationalen Fonds aufbauten, was heute für das Land unentbehrlich ist, und das nur mit ihrer eigenen Hände Arbeit, da war kein Pfaffe zu sehen, denn da war ja auch kein millionenschwerer Fond vorhanden, den es zu verwalten (und zu verteilen) galt, und ausserdem hätten die Pfaffen da arbeiten müssen, hätten sie sich den schwer arbeitenden Einwanderern genähert. Wieviele Projekte wurden denn schon von internationalen Fonds finanziert, wobei ein guter Teil der eingehenden Gelder in dunkle Kanäle floß? Bestens kann ich mich erinnern an ein Projekt in den 80er Jahren, bei welchem der deutsche Staat Paraguay einen ansehnlichen Kredit gewähren wollte, der zinslos und dann noch nur zu einem Teil rückzahlbar sein sollte, und zwar sollte dieses Geld als zinsbegünstigte Darlehen Kleinbauern bis zu einer bestimmten Hektarfläche der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden, wobei der Höchstzinssatz festgelegt war. Die Gelder waren noch nicht in Paraguay, als man in Paraguay schon fleissig mit den Kleinbauern Darlehensverträge anfertigte zu Zinsen, die das erlaubte Maß bei weitem überstiegen. Bonn erfuhr von den Machenschaften, und der bereits abgeschlossene Vertrag zwischen Paraguay und Deutschland wurde kurzerhand für ungültig erklärt. Wirtschaftshilfe in finanzielller Form für solche Länder sind letztlich ganz einfach Perlen vor die Säue geschmissen. Gerade in den 80er Jahre stellte Deutschland hochbezahlte Lehrer zur Verfügung für die SNPP, die dann theoretische Kurse für die Ausbildung zu vielen verschiedenen Berufen den in Paraguay ansässigen Firmen für deren Personal kostenlos erteilen sollte. Ich habe mich damals mit mehreren dieser Lehrer unterhalten und habe da unglaubliche Dinge erfahren können. Die Lehrer hatten allesamt 7-Jahresverträge und wurden durch Überweisung auf ihr Konto in Deutschland bezahlt. Ihren Lebensunterhalt in Paraguay konnten sie leicht durch Spesen, Aufwandsentschädigungen, Trennungsentschädigungen usw.usw.usw. bestreiten, Hausmiete wurde von Deutschland über die Botschaft direkt bezahlt, Auto nebst Kosten gratis, und jährlich 2 Gratis-Flüge nach Deutschland. Gute Absicht seitens der Lehrer war mehr als genug vorhanden, den jungen Paraguayern eine brauchbare Ausbildung zu vermitteln. Doch war in jedem Unterricht mindestens eine Person vom Arbeitsministerium zugegen, die zu kontrollieren hatte, daß dieser Gringo den Schülern nicht gar zu viel beibringen solle. Es wurde den Lehrern verboten, im Unterricht mit Material zu arbeiten, das sie sich selbst auf eigene Kosten aus Spanien besorgt hatten, die einzige Unterrichtsgrundlage war nur ein wenige Seiten starkes Heftchen, von irgend einem Bediensteten des Ministeriums von Hand angefertigt und dann fotokopiert, das jeder Schüler bekam. Und nur dieses Heftchen durfte dann im Unterricht verwendet werden. Und dafür schickte man die Besten, die man in Deutschland fand, nach Paraguay, denn diese Lehrkräfte bestanden durchweg aus Kapazitäten, die in Deutschland theoretische Meisterprüfungen abzunehmen hatten.

    1. Soweit richtig. Aber ein Denkfehler ist Ihnen unterlaufen. Sie schreiben im dritten Satz: „…. war kein Pfaffe zu sehen.“ Oh doch, das waren sogar sehr viele „Pfaffen“ zugegen und hielten die Gemeinden zusammen. Die Mennoniten wurden damals wie auch heute zumeist von „Pfaffen“, richtig „Gemeindepfarrern“ und Gemeindeältesten geleitet und geführt. Die Mennoniten waren und sind auch heute noch eine sehr stark gläubige christlich-evangelische Gemeinschaft die sich an der Bibel, dem Wort Gottes, orientiert. Das ist das „Geheimnis“ ihres Erfolges und ihres Zusammenhaltes. Daher sollte man schon korrekt sein und differenzieren zwischen „Pfaffen“ aus verkrusteten Traditionskirchen (katholisch/evangelisch) und spinnigen Sekten auf der einen Seite, sowie wirklich gläubigen und praktizierenden Christen. Aber meist wird das in einen Topf geworfen und die Christen insgesamt in´s Lächerliche gezogen bzw. diffamiert. Dies geschieht entweder aus Unkenntnis (entschuldbar) oder in böser Absicht (nicht tolerierbar).

  4. Vielleicht würde man einen, der in Europa die 6. Klasse erfolgreich abgeschlossen hat als Berater hinzuziehen? Immerhin würde dieser stundenmäßig schon an doppelter schulischer Erfahrungen mitbringen.

  5. Simplicus trifft mal wieder den Nagel auf den Kopf. Aber hier was zum Guten aendern koennen nur wir.
    Von welchem Geld werden denn die Waren aus dem Ausland bezahlt, den Guaranie will doch keiner haben.
    Wir finanzieren doch diesen ganzen Operettenstaat. Da einige wahrscheinlich nicht wissen was ein Operettenstaat ist, da stehen Schauspieler auf einer Buehne und spielen Berufe von denen sie gar keine Ahnung haben. Aber in Wirklichkeit sind es eben alles nur Schauspieler. Weshalb die meisten Einwohner hier nichts koennen hat Martin ja gross erklaert. Die wirtschaftliche Macht haben hier die Auslaender. Stellt euch mal vor die Mennoniten machen den Laden zu. Dann koennen sich die Einheimischen wieder von Eidechsen und Kokos ernaehren.
    Wir muessen uns nur zusammnen schliessen dann koennen wir auch was veraendern.

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