Paraguay, das Land der Freunde und der Vetternwirtschaft

Asunción: Jeder Ausländer fühlt die eigenartige Wärme der Paraguayer wenn er hier im Land lebt oder auf Besuch war. Es gibt aber auch ein Schattendasein.

Wer auf einer Geschäftsreise hier im Lande weilt wird überrascht sein wenn er privat zu einem Grillfest eingeladen wird. In anderen Länder eher unüblich. Die Mentalität der Paraguayer ist eben anders, besonders heute zeigt sich das Verhalten verstärkt.

Der Freundschaftstag in Paraguay wird ausgiebig genossen. Schulkollegen, Nachbarn oder einfach nur Bekannte aus früheren Zeiten feiern privat oder in Restaurants, Diskotheken und anderswo. Unzählige WhatsApp Nachrichten werden an diejenigen verschickt, die man nicht treffen kann oder will. Denn so hat man sich zwar erinnert und seine Pflicht erfüllt.

So ähnlich verhält es sich mit der Vetternwirtschaft im Land. Autoritätspersonen, egal ob aus der Politik oder dem öffentlichen Leben, und unabhängig ob sie qualifiziert sind, werden als Freunde “definiert“.

Öffentliche Ämter zu professionalisieren wurde in Paraguay schon vielfach versucht. Gelungen ist es kaum. Der Sog des Staates mit dem “Begünstigen“ einiger Personen hält weiter im Land an. In großen Unternehmen, Banken, Kooperativen ist es nicht anders.

Freundschaft darf niemals mit Komplizenschaft verwechselt werden. Ein Freund muss treu sein, aber auch ein ehrlicher und offener “Partner“ sein, der Ethik und Transparenz akzeptiert. Aufrichtigkeit ist eine der Säulen von Freundschaft. Ein Freund muss einen warnen wenn etwas “gut oder schlecht“ ist, falls nicht wird irgendwann ein Bruch erfolgen.

Die Geißel der Vetternwirtschaft zerstört die Demokratie in Paraguay und verhindert einen Fortschritt im Land, genauso wie falsche Freunde einem das Leben schwer machen können. Lieber ein aufrichtiger Freund als hundert falsche. Hoffentlich haben Sie welche in Paraguay gefunden. Kommentieren Sie einfach Ihre persönlichen Erfahrungen bei einem Besuch oder dem Daueraufenthalt im Land.

Wochenblatt / La Nación

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12 Kommentare zu “Paraguay, das Land der Freunde und der Vetternwirtschaft

  1. Bei uns in Bayern gibt es diesen Sumpf schon seit Jahrzehnten. Aber irgendwie funktioniert es doch ganz gut. Und wenn ich unsere politischen Verhältnisse in Gesamtdeutschland sehe, mit den tagtäglichen Übergriffen von “Nicht so lange hier Lebenden” auf die Einheimischen und die tagtägliche Vertuschung von Politik und Medien, die höchsten in den Regionalzeitungen, ohne Nennung der Täterherkunft darüber berichten, bin ich auch äußerst unzufrieden und würde mit Euch Paraguayanern gerne tauschen. Ihr dürft und könnt Euch wenigstens wehren. Bei uns ist leider alles “Alternativlos” laut unserers weiblichen Oberhäupftlings.

  2. Das Wort “Amigo” geht in Paraguay schnell über die Lippen, doch das hat mit unseren Vorstellungen der eigentlichen Wortbedeutung “Freund” nicht das geringste zu tun. Hier gilt eher “heute Freund – morgen Feind”. Zum “Amigo” wird man schnell erklärt, wenn der Gegenüber sich dabei einen Vorteil erhofft, kurzfristig oder auch langfristig. Ich habe nach 14 Jahren Paraguay noch keinen wirklichen Freund hier getroffen. In meinen Anfangsjahren hoffte ich immer wieder nun doch “die Ausnahme” gefunden zu haben – sie gab es aber nicht und wird es wohl auch niemals geben. Leider muß ich aber auch feststellen, daß dies für die meisten meiner hier lebenden Landsleute aus den DACHLERN-Länder genau so zutrifft. Komisch ist das schon, denn diese Erfahrungen hatte ich zuvor in Deutschland nie gemacht – da hatte ich wirklich echte Freunde und diese Freundschaften halten bis zum heutigen Tag! So frage ich mich schon, was kommen da überwiegend für “merkwürdige Zeitgenossen” aus der alten Heimat nur an, bzw. findet man hier vor. Was diese Landsleute mit den Paraguayern jedoch gemeinsam haben ist, einen ausgeprägten Egoismus übertüncht mit “Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft”.

    1. Sicher, aber hier ist der Faktor Hundert am Werk.
      Wenn ich hier Schmiergeld hunderte von Malen erlebe, habe ich das in Europa tortz enorm vielen beruflichen Reisen noch nie erlebt.

  3. Freunde wie das aus Europa kennen…gibt es in Paraguay nicht, ganz besonders keine Paraguayer.
    Hier zählt nur die Familie. Selbst wenn du glaubst, ein Paraguayer den du schon seit 10 Jahren gut kennst, wäre dein Freund. Kann auch so sein, aber wenn sein unbeliebtester Großcousin 2. Grades aus dem Gefängnis entlassen wird und jetzt seine Hilfe will, um dich auszurauben, dann wird er seinem Cousin helfen. Blut verpflichtet.
    Nicht nur, daß es dich nicht warnt, er wird eventuell dich sogar töten müssen, damit du ihn nachher nicht bei der Polizei verraten kannst.

    In Europa und den USA ist das bei weitem nicht so. Warum? Weil man sich Ehrlichkeit, Loyalität und auch Freundschaft leisten können muß. Fälls du in DE ist das unterste Level auf das du kommst die bequeme Hängematte des Hartz4. Für dich wird gesorgt. Keiner verhungert.

    Paraguay? Hast du hier kein Geld, bekommst du NICHTS. Nicht einmal Nahrung. Du hungerst und lebst elendiglich.
    Viele Dachler scheitern hier, und gehen wieder zurück. Mit nichts, oft nichteinmal genug Geld für das Flugticket. Aber in DE wird für sie gesorgt, die Paraguayer haben diese Sicherheit nicht. Fallen sie, dann haben sie NUR ihre Familie die sie auffängt. Deswegen ist Blut hier so viel Wert, es ist das einzige Sicherheitsnetz, das es für die Menschen gibt.

  4. Ich weiss noch, als ich vor 2 Jahren im MOPC anfing und am heutigen Tag sich alle beglückwünschten, wunderte ich mich was das alles sollte. Zumal ein paar Tage vorher “Dia del Ingeniero” gefeiert wurde und davor “Dia del Abogado”.
    Eine Kollegin meinte, “Paraguay es el pais del amigo”, wo ich schmunzelte, wo ich aber heute nicht weiss ob sie das ironisch meinte oder ernst. Weil Ironie ist eigtl. nicht ihre Stärke.

    Man muss in Paraguay schon sehr lange suchen, um Menschen zu finden, denen man hundertprozentig vertrauen kann, mein Contador (Steuerberater) z.b. ist so einer, den hab ich dank des Ehemannes meiner Kusine kennenlernen können.

    In Paraguay ist ja die “Joda” weit verbreitet, wie soll man solchen Leuten eigentlich dann trauen? Ich persönlich kann mich nicht mit Leuten anfreunden, die andere bescheissen oder rumprahlen einen Seitensprung vollzogen zu haben. Und auch nicht mit Leuten, die mir was versprechen, aber dann alles in die Länge ziehen bis ich selber die Sache abhake.

    Ich wäre übrigens interessiert, die Meinungen von Frauen zu lesen hier, ob bei bei ihrem Geschlecht vielleicht mehr Freundschaften existieren. Wenn ich mir die zahlreichen Babyshowers ansehe, gibt es ja zumindest vielleicht mehr Gelegenheiten “Gleichgesinnte” zu finden. Aber vielleicht läuft das ja auch alles sehr oberflächlich ab….

    1. Das sicher nicht, Arnold. Aber “gewisse Dinge” ziehen sich wie ein roter Faden doch die gesamte Gesellschaft. Wer da nicht mit einer rosaroten Brille die Welt betrachtet, der wird den roten Faden schnell erkennen.

  5. Mit lieb freundlichem Gesicht,was machen deine” Freunde” oder Amigos für dich,JA ! auf dein Geld warten sonst garnichts.So läufts hier seit ich Paraguay kenne (24 j)!! .Einst fragte ich eine Deutsche die lange hier lebte, sagte -nichts interessiert sie,sie interessiert WAS DU GIBST !!!.

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