Recht haben und Recht bekommen

Der Fall ist eine authentische Geschichte in Paraguay, zum Schutz der Beteiligten wurden alle Namen und Orte fiktiv gewählt zum besseren Leseverständnis, die Unterlagen der Beweisführung wurden vom Wochenblatt eingesehen.

Der deutsche Auswanderer, wir nennen ihn Heinz, besuchte Paraguay schon seit 19 Jahren, immer für Urlaube und kaufte sich im Laufe der Zeit mehrere Hektar Land bis er dann entschied einzuwandern. Wie die meisten Einwanderer kam er auch mit einem Container, baute sich ein kleines Gästehaus bis die Arbeiten am Haupthaus abgeschlossen waren, dies war 2005.

Heinz erledigte das ganze Prozedere mit den Einwanderungsformalitäten, hatte ein Auto mit korrekten Papieren und einen Führerschein. Seine Waffen, die er im Haus hatte, wurden auch ordnungsgemäß registriert. Zwei Jahre später, 2007 wurde bei ihm unter mysteriösen Umständen eingebrochen, gestohlen wurden Handy, Computer, Fotoapparat und auch die Waffen. Heinz meldete den Einbruch sofort bei der örtlichen Polizeidienststelle in San Augustin, wo dieser Vorfall korrekt in das Wachbuch eingetragen wurde, die Beamten leiteten die Anzeige auch an die Hauptstelle in Villarrica weiter.

Im Laufe der Jahre verkaufte Heinz immer wieder einige Hektar Land an paraguayische Nachbarn, weil ihm diese zu viel Arbeit machten, er besitzt im Augenblick noch seinen großen Hausplatz, der ihm ausreicht, von der Rente kann er gut leben.

Im Dezember 2014 kam er in eine Routinekontrolle, dabei wurde er festgenommen und auf die Polizeihauptdienststelle in Villarrica gebracht. Es wurde ihm zu Last gelegt, dass seine gestohlenen Waffen vor kurzem bei einem Überfall in Concepción benutzt wurden, die Täter flohen, ließen aber die Waffen zurück. Ein Anwalt wurde über einen Bekannten eingeschaltet, Heinz beteuerte natürlich seine Unschuld und der Anwalt sagte, wir regeln das schon.

Der Beschuldigte ist erkennungsdienstlich behandelt worden, in Handschellen, die ihm auch Verletzungen zuführten, es existieren davon Bilder. Nach einer Nacht auf dem Revier fuhr man mit ihm und dem Anwalt zur Gerichtsverhandlung nach Concepción, davor aber noch bei seinem Haus vorbei, wo der Anwalt eine Kopie des Grundstückstitels haben wollte, dieser war aber nicht im Haus sondern anderweitig untergebracht, also ließ man davon ab, warum dieser Vorgang nötig war, lässt sich nicht schlussfolgern.

Bei der Gerichtsverhandlung war der Staatsanwalt erkrankt, nur Heinz, der Anwalt, ein Richter und die Justizangestellten waren zugegen. In einem vier Augen Gespräch zwischen dem Richter und Anwalt wurde folgender Beschluss gefällt: Ein halbes Jahr Hausarrest, bei einem Verstoß 60 Millionen Guaranies Geldstrafe.

Dieser dauert noch an, in der Zwischenzeit kam Heinz endlich an das Papier mit seiner Waffenanzeige und stellte fest, dass diese nicht nach Asunción weitergeleitet wurde und somit in das zentrale Register eingetragen werden konnte, das hätte aber der Anwalt gleich regeln können, sagt Heinz.

Nun mahlen die Mühlen unaufhaltsam weiter, der Anwalt ist seit dem Richterspruch auf keinem Weg mehr zu erreichen, Heinz muss es aber gelingen, dass die Anzeige weiter kommt und gegen ihn gelöscht wird und zwar rückwirkend auf das Jahr 2007 datiert. Mittlerweile wurde auch ein Freund eingeschaltet, der bei der Deutschen Botschaft für Menschenrechtsverletzungen tätig werden soll, dieser befindet sich aber noch in Deutschland.

Seltsam an der Geschichte ist auch noch, dass ein langjähriger Arbeiter auf dem Grundstück zufällig einen Verwandten in Concepción hat, dort wo der Überfall stattfand. Heinz hat mittlerweile 2,5 Millionen für das ganze Verfahren ausgegeben, wie es weiter geht, kann er auch noch nicht sagen, auf jeden Fall macht er im Augenblick keinen Schritt von seinem Grundstück um noch mehr Repressalien zu vermeiden.

Wir werden über den weiteren Ausgang dieser Geschichte berichten und den Fokus darauf haben.

Foto: Waugsberg

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14 Kommentare zu “Recht haben und Recht bekommen

  1. Neuen Anwalt nehmen – aber einen der was kann halt. Das heißt der Beziehungen hat und ab 1m Gs/Tag arbeitet.

    Dieser wird 1-2 Tage brauchen und die Waffensache ist durch. Dannach wird in Asuncion ein Verfahren eingeleitet und auch Anzeige gegen den ursprünglichen Anwalt eingebracht. Ich schätze das Ganze wird um die 50 Millionen kosten, dann ist die Sache vom Tisch.

    Anmerkung: Der gute Mann ist ein typisches Opfer. Er glaubt an Recht, Gesetz und die Gerechtigkeit des Staates.
    Dies ist schon in Europa höchst fragwürdig, aber hier in Paraguay sicher nicht angebracht. Hier denken viele Anwälte, Richter und deren Freunde, Parteifreunde und Verwandte in erster Linie an die Selbstbereicherung.

    Der gute Mann wurde abgezockt auf mehreren Ebenen. Kann es sein, daß jemand in seiner Nachbarschaft ihn vertreiben will?
    Wir wissen ja, wenn einer das Land verläßt, wird sein Haus gerne „verwaltet“ -> das heißt vermietet und geplündert von seinen „Freunden“

    1. Diese wohl sehr realistische Einschätzung ist leider nicht sehr motivierend. Aber so ist nun mal die Situation in Paraguay. Den Vorschlag, sich umgehend einen neuen Rechtsanwalt zu nehmen ist vernünftig. Doch da fängt das nächste Problem u.U. schon wieder an. Wo findet man einen ehrlichen und korrekten Anwalt, der am besten auch noch Deutsch sprechen kann? So will ich diesen Fall zum Anlaß nehmen, um auf meinen bereits 2-maligen Vorschlag zurück zu kommen. Wir deutsch sprechenden Einwanderer sollten in der Lage sein, uns gegenseitig in solchen Situation mit Rat & Tat kostenlos und uneigennützig zur Seite zu stehen. Das könnte problemlos über ein Internet-Forum geschehen. Wenn die Initiative vom Wochenblatt aus gehen könnte, wäre das natürlich optimal. Sollte das nicht möglich sein, dann findet sich vielleicht ein kundiger Landsmann, der ein entsprechendes Internet-Forum einrichten könnte. Bei den weiteren organisatorischen Schritten, wie Themenauswahl, Koordination, Verwaltung usw. wäre ich gerne bereit mich einzubringen,andere wie z.B. „der Bayer“ der das ja schon einmal signalisiert hatte, sicherlich auch. Alles setzt jedoch voraus, daß sich ein kundiger Computerspezialist findet. Da die Wege in Paraguay weit und Kosten intensiv sind, könnte beinahe alles über Internet, Skype oder was auch immer stattfinden. Leider verstehe ich zu wenig von Computertechnik, so muß ich mich auf die Ideenvorlage und mein Angebot zur organisatiorischen Mitarbeit beschränken. Also liebe Landsleute, fühlt Euch angesprochen!

      1. Es gibt Gratis-Foren die man leicht einrichten kann, z.B. hier:
        http://www.bboard.de/

        Will man etwas besseres braucht man eine eigene Internetdomain oder zahlt zumindest Gebuehren. Sammelt doch hier mal Vorschlaeg fuer die Struktur dann richte ich das ein.

        Es gibt einige Themen die mich persoenlich interessieren die in Richtung Haus und Gartenpflege gehen:

        Holzpflege,
        Insektenschutz,
        Gemueseanbau,
        Baeumpflege etc.
        da ich in diesen Bereichen kein know-how hatte und keine Ansprechpersonen, wo findet man z.B einen Baumschneider etc.

        Rechtschutz, Versicherungen, Hausbau u.s.w.

      2. manfred
        natuerlich waere ich dabei. nur bin ich ein anfaenger in sachen computertechnik und kann da nichts einbringen. aber ich haette auch eine idee. koennte das wochenblatt eine
        sparte aufmachen, etwa LESER HELFEN LESER? aber ohne gewinnabsichten oder
        versuche unbedarfte landsmaenner auszunehmen. also etwas fuer ehrliche leute.
        wenn es im wochenblatt nicht geht, koennte man ein forum eroeffnen mit dem titel.
        DACH EINWANDERER HELFEN oder vielleicht beraten ANDERE DACH EINWANDERER
        noch kurz zu ihrer frage.fast alles schreibe ich aus dem kopf. ab und zu vergewissere
        ich mich im internet. seit mitte der siebziger jahre beschaeftige ich mich mit
        paraguayischen politik und war jahrelang aktiv. momentan weniger. da habe ich ein
        paar tiefschlaege bekommen. 9mm hat dies richtig erkannt. wenn man eine zu soziale
        einstellung hat, wird dies nicht anerkannt, sondern man zieht den hass auf sich und
        wird „abgeschossen“.

      3. Ein Forum einzurichten ist für die meisten Computerfreaks nicht schwer. Das kann man, falls man anspruchslos ist, in wenigen Stunden oder Tagen mit vorgefertigten Systemen ans laufen bringen. Für ein gutes Forum geht aber die Löwenarbeit (99,…%) in Pflege und Optimierung, bei guter Planung etwas weniger.

        Ich habe mehere spezialiserte Content-Management-Systeme mitentwickelt, die Forensoftware technisch nicht unähnlich sind, und weiß von den Betreibern, dass da rund um die Uhr viel Arbeit reinfließt. Falls sich hier wirklich ein Projekt-Team finden sollte, das nicht nur gute Ratschläge geben, sondern das ernsthaft planen, umsetzen und vor allem betreuen möchte, hilft das Wochenblatt gerne, so gut wir das zeitlich schaffen.

        @Manfred: Sie haben schon öfter ähnliches angeregt und Sie hatten mir vor Monaten ein Konzept beziehungsweise umsetzbare Ideen angekündigt. Schicken Sie mir doch mal etwas konkretes statt immer wieder Ihre Aufforderungen an uns zu wiederholen.

        1. Ich habe schon Foren mit mehreren hundert Benutzern eingerichtet und betrieben. Die Arbeit liegt, wenn das Forum eingerichtet ist, nicht mehr auf der technischen Seite sondern man braucht Moderatoren welche das Forum am laufen halten, also auf die Benutzer eingehen, auch neue Themen einbringen. Erfahrungsgemaess laufen solche Foren nie von selbst, die Benutzer diskutieren oft nur mit wen die Moderatoren die Diskussionen immer wieder mal ankicken und Trolle fernhalten.

          Wen wir hier ein Brainstorming machen ueber die Themen welche uns interessieren, kann man die Forenstruktur entsprechend nach Kategorien und Unterkategorien einrichten und sollte dann fuer die einzelnen Kategorien Moderatoren festlegen. Also zum Beispiel fuer die Kategorie Hausbau kaemmen Handwerker gut in Frage. Vertiefte technische Kenntnisse sind fuer die Moderatoren nicht noetig, sie haben einfach Sonderrechte koennnen zum beispiel obszoene Texte entfernen und Trolle sperren. Nebst den Benutzern und Moderatoren gibt es noch die Administratoren, diese haben alle Sonderrechte fuer die technische Betreuung des Forums.

          @Bayer „Paraguay Hilfe fuer DACH’ler“ oder so waere also der Namen des Forums ?

    2. Auf jedenfall einen neuen Anwalt !!
      …und pruefen , ob man eine Klage wegen Unterlassung gegen die Polizei machen sollte ,
      wenn der damalige Polizist noch dort ist .
      Frage : Es geht aus dem Artikel nicht hervor , ob Heinz den Vorgang bei der Fiscalia zur
      Anzeige gebracht hat .Wenn die Redaktion dies feststellen koennte., waere es toll !!!

      1. Hallo Christian,

        Heinz hatte die Anzeige bei der örtlichen Polizeidienststelle in San Augustin gemacht, die den an die Fiscalia in Villarrrica, korrekt, weiter leitete, aber dann dort liegen blieb.
        Die Polizisten in San Augustin sind mittlerweile alle woanders eingesetzt, wie es in Villarrica ausschaut, wissen wir nicht, aber sicher ähnlich, nach der langen Zeit.

        MfG

  2. Es gibt doch schon ein paar Foren hier in Py. Nur scheinen sie mir etwas tot. Na ja, vielleicht liegt es auch an der Person der Betreiber, dass sich keiner einbringen moechte.
    Also mal was neues machen, ohne Passverkaeufer, Autohaendlern und Schrottinmobilienandreher. Es gibt so viele Dinge zu eroertern, aber das passt so nicht in die Leserbriefspalte. Aber man muss wissen, sowas macht Arbeit. Bin seit Jahren in einem Fórum als Mod taetig und betreue dort einen Bereich, da geht viel Zeit drauf.

  3. Wie kann das sein, dass ein nachweislich, unschuldiger deutscher Rentner, ohne Alibiüberprüfung, zu Hausarrest verurteilt wird und die deutsche Botschaft, einflußreiche Geschäftsleute und der beauftragte deutsche Anwalt, nichts für die Freilassung dieses 77-jährigen Rentners, der nun bereits mehr als 3 Monate in seinem Haus fest gehalten wird, unternehmen?

  4. und was besagt uns das ganze wieder – Spanish sprechen hilft oftmals, wenn auch nicht immer. grunsatzproblem ist, dass fast alle Ausländer sich von den hiesigen Behörden abwimmeln, einschüchtern oder für dumm verkaufen lassen.

    Ich weis das aus aktuellem eigenen Falle, und was hat es gebracht, viel Stress, eine Menge Anzeigen, aber im Endeffekt sind jetzt alle Still und Kusch. Gut hat etwas Geld gekostet, aber im Nachhinein mit den Möglichkeiten und Erreichten hat sich das ganze als gutes Geschäft für mich herausgestellt. Einfach nur „frech“ sein und sich nichts gefallen lassen.

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