Sicherheit in Paraguay: Klarheit statt Panik – Ein Rückblick auf den Info-Abend

Am Donnerstagabend fand eine gut besuchte Online-Veranstaltung zum Thema „Sicherheit in Paraguay – Lösungen für Alltag und Verhalten“ statt. Mehr als 30 Teilnehmer tauschten sich in einer überaus positiven Atmosphäre über Prävention, richtiges Verhalten und regionale Unterschiede im Land aus.

Das Fazit des Abends: Sicherheit ist nicht nur eine Frage von Technik, sondern vor allem von Verhalten, Umfeld und der richtigen geistigen Haltung.

Dass das Thema aktueller denn je ist, zeigte gleich zu Beginn ein Vorfall aus dem Bekanntenkreis von Diskussionsteilnehmer Roman: Drei seiner Freunde wurden kürzlich überfallen. Gerade an Hotspots wie dem Markt in San Bernardino wird man schnell beobachtet. Kriminelle nutzen heutzutage sogar Google Maps, um gezielt Häuser mit Pools auszuspähen. Doch in Panik zu verfallen, ist der falsche Weg. Stattdessen wurden beim Info-Abend praxistaugliche Strategien und Grundregeln erarbeitet.

Die goldenen Grundregeln für den Alltag

Die Experten und Teilnehmer waren sich einig: Rund 90 Prozent der Einbrüche und Diebstähle werden unbewusst selbst provoziert. Wer in Paraguay sicher leben möchte, sollte vor allem eines nicht tun: Wohlstand zur Schau stellen. Unauffälligkeit siegt: Einfache Kleidung statt teurer Markenklamotten und das Handy im

Restaurant nicht offen auf dem Tisch liegen lassen.

Respektvoller Umgang: Jedem Menschen – auch Obdachlosen – sollte mit Respekt begegnet werden. Ignoranz kann schnell als Arroganz gewertet werden.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Blindes Vertrauen ist unangebracht. Kleine Tests, wie etwa abgezähltes Geld im Hotelzimmer liegen zu lassen, helfen, die Ehrlichkeit des Gegenübers einzuschätzen.

Klare Grenzen: Wer Geld verleiht, sollte sich bewusst sein, dass dies meist einem Verschenken gleichkommt.

Schutz für Haus und Grundstück

Einbrecher in Paraguay suchen in der Regel den Weg des geringsten Widerstands. Sie nutzen Gelegenheiten und meiden Konfrontationen. Klassische Sicherheitsmaßnahmen wie Zäune, Mauern, Stacheldraht und Gitter vor den Fenstern sind daher ein Muss. AuchTechnik hilft: Alarmanlagen und Kameras (idealerweise intelligente Systeme mit Gesichtserkennung und Lautsprechern zur direkten Ansprache) schrecken ab.

Ein besonders natürlicher Schutz sind Hunde. Ab drei Hunden bildet sich ein Rudel, das das Grundstück effektiv verteidigt.

Interessant war der Umgang mit dem „Worst-Case-Szenario“:

Es wird geraten, stets ein paar Millionen Guaraníes (Bargeld) griffbereit im Haus zu haben. Sollte es dennoch zu einem Überfall kommen, kann man den Tätern so ein schnelles „Erfolgserlebnis“ bescheren und Gefahr für Leib und Leben abwenden. Denn selbst sogenannte Barrios Cerrados (geschlossene Wohnanlagen) bieten keine 100-prozentige Sicherheit – nicht selten mieten sich Kriminelle dort temporär ein oder Profis rücken mit Metalldetektoren an. Der beste Schutz bleibt letztlich eine aufmerksame Nachbarschaft. In kleinen Barrios kennt man sich, und Fremde fallen sofort auf.

Der richtige Umgang mit der Polizei

Ein pragmatischer Ansatz gilt auch für die Ordnungshüter: Die Polizei sollte nach einem Einbruch nur dann zwingend gerufen werden, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Viel wichtiger ist es, präventiv einen positiven Kontakt zur lokalen Polizei aufzubauen. Kleine Aufmerksamkeiten, der Besuch an einem „Tag der offenen Tür“ oder Geschenke zum alljährlichen Tag der Polizei schaffen Wertschätzung und ein gutes Netzwerk. Werden gestohlene Dinge gesucht, führt das Inaussichtstellen eines Finderlohns oft schneller zum Ziel.

Sicherheit im Straßenverkehr: Bekannte Maschen

Besondere Vorsicht ist im Straßenverkehr geboten, wo Kriminelle teils kreative Methoden anwenden, um Autofahrer zum Anhalten zu zwingen:

Der Ei-Trick: Wird ein rohes Ei auf die Windschutzscheibe geworfen, auf keinen Fall den Scheibenwischer betätigen! Das Eiweiß verschmiert die Sicht komplett und zwingt zum Anhalten. Besser: Vorsichtig weiterfahren, bis man in Sicherheit ist.

Ablenkung durch Wurfgeschosse: Es kam bereits vor, dass Hühnerinnereien oder Hühnerfüße durch offene Autofenster geworfen wurden, um Familien durch den Schock zum Anhalten zu animieren.

Parkplatzwächter: Bei den selbsternannten Parkplatzwächtern (Cuidacoches) gilt die Devise: Besser ein kleines Trinkgeld geben, um Ärger zu vermeiden.

Regionale Unterschiede: Wo ist es sicher?

Die Wahl des Wohnortes und der Wohnform spielt eine entscheidende Rolle. Der Info-Abend lieferte dazu eine grobe Einschätzung der Regionen:

Am sichersten: Der Chaco.Sehr kritisch: Die Grenzregion zu Brasilien (Drogenbanden, Schmuggel). Gefährlich: Der „Speckgürtel“ im Departamento Cordillera. Auch Orte wie Independencia und die Gegend um Hohenau & Co. gelten als eher kritisch, Ciudad del Este schneidet im Sicherheits-Ranking ebenfalls schlecht ab.

Sicherer / In Ordnung: Asunción (abgesehen von den Armenvierteln an der Costanera), Villarrica, Planta Urbana und Encarnación.

Zurück nach Deutschland? „Nein!“

Trotz der notwendigen Sicherheitsvorkehrungen stellte ein Gast, der sich aktuell für eine Auswanderung interessiert, die alles entscheidende Frage: Würden die Anwesenden zurück nach Deutschland wollen?

Der Tenor war eindeutig und breit gefächert: Nein. Roman, der bereits 23 amerikanische Länder bereist hat, brachte es auf den Punkt: Paraguay ist und bleibt für ihn die Nummer 1.

Ausblick und Gemeinschaft

Um den Zusammenhalt weiter zu stärken, wird der Austausch fortgesetzt. Wer sich der Gemeinschaft anschließen möchte, kann die Gemeinschaft für lediglich 6 Euro im Monat unterstützen. Dies hilft nicht nur beim Schutz vor Betrug, sondern auch dabei, die Telegram-Gruppen sauber und informativ zu halten. Zudem wird auf den RAUSabend (rausabend.de) verwiesen: Jeden Sonntag um 20:00 Uhr deutscher Zeit gibt es hier einen speziellen Paraguay-Raum, um offene Fragen zu klären.

Weitere Informationen zur Gemeinschaft finden Interessierte unter paraguaydeutsche.de.

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