Stroessner Diktaturopfer empört über Cartes‘ Aussagen

Asunción: Horacio Cartes sagte heute bei einem Interview mit der chilenischen Presse, dass er die Zeit unter Stroessner (1954 – 1989) als ordentlich und fortschrittlich empfand.

Überraschend kommt diese Aussage gegenüber dem „El Mercurio“ jedoch nicht, da Cartes in seinen Reihen (ANR) Alfredo „Goli“ Stroessner hat, der trotz väterlichem Nachnamen Dominguez aus Ehre zu seinem Großvater den Namen seiner Mutter annahm.

Die Organisation Mesa Memorica Historica (MMH), die aus Stroessner Diktatur Opfern zusammengesetzt ist, missbilligt die Aussagen des Präsidentschaftskandidaten und Geschäftsmannes, argumentierend, dass er damit das alte System aus Terror und Folter nicht nur gut heißt sondern erneut wiederspiegelt.

„Es ist fürchterlich, dass ein Politiker in dieser Ebene das Stroessner Regime noch hoch lobt, obwohl es eine reine Verfolgungsjagd gegen Oppositionelle war, die zu Tod, Folter und Exil führte“, hieß es in dem Kommuniqué.

Cartes hob bei dem Interview hervor, dass bei der Beurteilung der Zeit nicht vergessen werden darf, dass damit Ordnung und Frieden erreicht wurde.

„Dagegen sprechen laut MMH 100.000 Opfer der 35-jährigen Diktatur. Grundlegende Menschenrechte und ein demokratisches Denken werden mit dieser Aussage mit den Füßen getreten“, schließt das Schreiben ab.

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11 Kommentare zu “Stroessner Diktaturopfer empört über Cartes‘ Aussagen

  1. Wahr gesprochen!Es herrschte Ordnung und Frieden!Alles Andere ist Lüge . Die Sogenannten Verfolgten unterstützten Paramilitärs die versuchten Angst und Schrecken durch Überfälle zu erzeugen.Wie Heute die EPP unter Lugo.Im Übrigen habe ich die Schnauze voll von den negativen Gerede und niemals das gute was der Mann gemacht hat oder wollen Papageien, Buchhölzer und Ariane Raketen das leugnen und außer acht lassen weil es nicht ins rote Weltbild paßt.
    Cartes hat wahr gesprochen!Schliese mich dem voll an.

  2. „das gute was der an gemacht hat“!?! „zeit gern wieder zurück“!?! Was geht denn jetzt los. klar hat stroessner ordung geschafft aber das hat er nur in dem er alle die ärger machten umgebracht ,gefoltert oder in exil geschickt hat. es gab auch keine kriminalität weil alle angst vor der polizei hatten aber däfur war die polizei kriminell (und glaubt damals waren sie noch viel krimineller als heute) wenn sie zum beispiel abends in eine x beliebige bar sind sich dort das schoenste mädchen rausgesucht haben und diese nie wieder gesehen wurde. klar hat paraguay keine prefete regierung aber trotzdem ist das immer noch tausend mal besser als stroessner

  3. Ich kann die Situation von meiner warte aus beurteilen, da ich knapp 10 Jahre unter Stroessner gelebt habe. Wirtschaftlich herrschte ein gutes Klima. Für Ordnung und Sicherheit wurde gesorgt, Kriminalität gab es praktisch keine. Die Parrilladas (Grilllokale) wo es damals sehr viele gab, waren auch unter der Woche sehr gut besucht. Genauso gab es Discos etc..

    Das Geld war noch etwas wert und den Leuten ging es gut. Logisch war es nicht ratsam die kommunistische Fahne zu hissen. Dann hätte man nach Kuba gehen sollen.

    Man war im Land absolut sicher. Konnte seinen Geschäften problemlos nach gehen, soferne man eine saubere Weste hatte.

  4. Asuncioner
    damals konnte man mitten in der Nacht am Busbahnhof ankommen und unbesorgt und unbehelligt nach Hause kommen, egal ob mit dem Taxi oder dem Bus.
    Man brauchte keinen hohen Zaun, keine hohe Mauer ums Grundstück, keine Gitter an den Fenstern, keinen Guardia ( haben wir allerdings auch heute noch nicht)
    Man konnte weggehen ohne das Haus abschließen zu müssen, keiner wäre reingegangen um zu stehlen.
    Natürlich war die Polizei korrupt, ist sie heute noch, Probleme hatten wir allerdings weder damals noch heute.

    Und es stimmt: redet man mit älteren Paraguayern, wünschen sie sich die „Alte Zeit“ zurück, denn es ging ihnen damals wirklich um einiges besser als heute.

    Ein alter Freund sagte einmal : Damals mußten wir EINE Familie verhalten, heute sind es viele. Deshalb bleibt jetzt NICHTS mehr für das Volk.

    1. Sicher ja, doch mein guter Nachbar in Itacurubi del Rosario
      hat sich mein Weihnachtstruthahn schmecken lassen (geklaut).—– Hatte mein Koffer mit viel Geld auf der niedrigen Eingangsmauer spät abends vergessen.
      Am nächsten Morgen fand ich alles komplett wieder.
      War wohl ein Glücksfall!
      Politisch musste man seine Schnauze halten und den hohen Militärs nicht zu nahe kommen ansonsten war man fast überall sicher.

    2. Genauso war es. Was heute fehlt ist die Sicherheit. Nicht nur wir Deutsche beklagen das, sondern auch die Paraguayer. In den Uebergangsjahren hat man bei mir zweimal eingebrochen etc.. Seit Jahren habe ich eine „Guardia“ und kann problemlos bei meinem Tor Aus- und Einfahren und habe diesbezüglich keine Probleme mehr. Ich wohne in keinem Randgebiet oder sonst wo, sondern in einer sehr guten Lage in Asunción, wo viele Häuser privat bewacht werden oder zumindest an jeder Ecke ein Waechter zu sehen ist. Außerdem sind Kameras an gewissen Punkten angebracht.

      Sicherheit kostet etwas, das ist ganz klar. In welcher Form auch immer. Aber es sollte einem etwas Wert sein. Schließlich hat man nur ein Leben zu verlieren.

  5. Mit wem ich auch gesprochen habe, alte Paraguayos oder Altkolonisten, alle sagten mir, die Kriminalität war sehr gering, man konnte bei offenen Fenstern und Türen schlafen. Wer sich nicht politisch gegen Strössner stellte hatte nichts zu befürchten.

  6. Die Opferzahl der Stroessnerzeit ist sicher wesentlich geringer als heute angegeben wird. Wenn man eine Rente haben will muss man schon einen Opferfall konstruieren. Als Stroessner einmal vom deutschen Fernsehen gefragt wurde ob Paraguay eine Diktatur habe, antwortete er nein aber eine „Dictablanda“.

    Im Lande hatte eben nur einer das Sagen und nicht wie heute eine Vielzahl von wenig kompetenten Politiker.

  7. Noch ein Wort zu Stroessner. Bei einem Großteil der Bevölkerung war er sehr beliebt und wurde auch nie von seinen Leibwächtern großräumig abgeschirmt. Man konnte sich ihm auch problemlos nähern. So zum Beispiel fuhr er morgens, bevor es zum Regierungspalast fuhr, manchmal bei den Hafengeschaeften vorbei, wo ein Kriegskamerad von ihm einen Supermarkt hatte. Er ging hinein und unterhielt sich mit dem Inhaber. Die Leibwaechter warteten vor dem Geschäft. Und die Leute im Geschäft gruessten den Präsidenten, als wäre er einer von ihnen. Das dauerte meistens 10 bis 15 Minuten, dann stieg er wieder in seine schwarze Limousine und der Konvoi fuhr die
    paar Meter weiter zum Palast.

    Ebenso hatte er sehr zum Leidwesen seiner Aufpasser die Gewohnheit, ohne jeglichen Anhang sich auf und davon zu machen. Dann wusste für Stunden niemand wo sich der Präsident befand.

    1. Schade, daß es nicht mehr so ist. Das hätte ich gerne „live“ miterlebt.

      Heute kann man praktisch nur mehr bewaffnet sich in Paraguay frei bewegen, wenn man weiß was so passiert und sich einigermaßen sicher fühlen will.

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