Termiten, die Klimaspezialisten

Termiten bauen ihre Hügel so, dass die Luft im Inneren ständig in Bewegung ist, dies stellte Forscher vor Probleme, denn sie verstanden das System nicht, nun ist das Geheimnis aber gelöst. Nicht der Wind ist für die Durchlüftung verantwortlich, sondern die Temperatur.

Ein Haus zu entwickeln, das sich selbständig in der Sommerhitze kühlt und belüftet, noch dazu, ohne Energie zu verbrauchen, an dieser Aufgabe scheiterten Architekten bis jetzt eigentlich immer. Termiten hingegen sind herausragende Passivhaus-Baumeister. In ihren hohen Bauten zirkuliert die Luft trotz enger Gänge. Wie die gute Durchlüftung funktioniert, war lange unklar, jetzt aber haben US-Forscher den Mechanismus aufgedeckt, wie sie im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences berichten.

Dazu untersuchten sie über einen längeren Zeitraum Termitenhügel in Indien. Ein solcher Bau besitzt eine große Anzahl von Gängen, die meistens vertikal angelegt sind. In der Mitte verläuft ein Kamin von ganz unten, dort wohnt die Königin. Bisher ging man davon aus, dass Wind von außen in die Kanäle kommt und so die Luft im Inneren des Hügels zirkulieren lässt. Laut den Forschern sei dies aber falsch.

Das System basiere nicht auf Wind, sondern auf Temperatur. Wenn diese sich außerhalb des Hügels erhöht, wird die Luft in den äußeren Kanälen wärmer und steigt nach oben. Da Termitenhügel so gut wie keine Öffnungen besitzen, kann die Luft jedoch zum Großteil nicht entweichen. An der Spitze des Kegels angekommen, fließt sie stattdessen im Schornstein des Hügels nach unten. Die kältere Luft, die sich dort befindet, wird weiter geschoben. Ist sie unten angelangt, fließt sie über Kanäle zur Außenseite und der Kreislauf beginnt erneut.

Wird es abends um die Hügel herum wieder kälter, dreht sich der Zyklus um. Dann kühlt die Luft in den äußeren Kanälen ab, fällt hinab und warme Luft steigt im Schornstein auf. Die Forscher vergleichen einen Termitenhügel daher mit einer großen Lunge, die morgens ein- und abends wieder ausatmet. Für die Termiten ist es wichtig, dass ihr Bau immer gut durchlüftet ist. Denn wenn die Insekten Holz fressen, produzieren sie dabei Methan. Zirkuliert die Luft im Bau ausreichend, gelangt dieses zu den äußeren Kanälen. Dort kann es über winzig kleine Poren in der Wand des Hügels entweichen.

Nun mag diese Feststellung recht interessant sein, rein aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet, hat man aber diese Insekten vor der Haustür ist das nicht so angenehm. Heinz Ratzlaff, ein Kolonist aus Independencia, Guairá, sagte, die Termitenhügel sollten am besten mit einem Traktor umgeschoben werden. „Wird im Haus ein großer Termitenbefall festgestellt hilft eigentlich nur die chemische Keule, alle biologischen Mittel wirken nur kurzzeitig“, meinte er.

Wie dem auch sei, Termiten sind Schädlinge, aber nicht alle Arten, nur die Trockenholz-Termiten sind auf der Suche nach Nahrung von Häusern, hölzernen Strompfosten etc. Im Ökosystem spielen Termiten eine wichtige positive Rolle, ihre Nahrung besteht aus Gras, Totholz und anderen Pflanzenabfällen. Sie wandeln tote organische Materie zu anorganischen Verbindungen wie Kohlendioxid, Wasser und verschiedenen Mineralsalzen um, die dann den Produzenten (Pflanzen) wieder zur Verfügung stehen, des einen Freud, des anderen Leid, so ist die Natur.

Quelle: Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences, Foto: Gastrocycle