Tödlicher Leichtsinn – Wenn Überholen zum russischen Roulette wird

Luque: Der heutige Morgen in Luque markiert ein weiteres dunkles Kapitel in der paraguayischen Verkehrsstatistik. René Claudelino Lugo Aguilera (42) ist tot – nicht, weil es ein unvermeidbares Schicksal war, sondern offenbar aufgrund einer fatalen Fehlentscheidung. Der Versuch, mit einer 150er-Maschine ein “großes Fahrzeug“ zu überholen, während Gegenverkehr herrscht, gleicht auf paraguayischen Straßen einem Selbstmordkommando.

Die Anatomie einer Katastrophe

Der Unfallhergang zeigt das Kernproblem des Straßenverkehrs in Paraguay: Mangelnde Geduld gepaart mit massiver Selbstüberschätzung. Eine Kenton Shark 150 ist kein Hochleistungsgerät; ein Überholvorgang gegen ein schweres Fahrzeug zieht sich in die Länge. Wer hier die Distanz zum Gegenverkehr (einem Mitsubishi Canter Lkw) unterschätzt, lässt sich selbst und den anderen Fahrern keinen Spielraum für Fehler.

Unschuldige Opfer des Überholwahns

Kritisch zu betrachten ist auch die Situation der Insassen des Kleinlasters. Während der Motorradfahrer mit seinem Leben bezahlte, blieb der Beifahrer des Kleinlasters im Wrack eingeklemmt und verletzt zurück. Er wurde zum Opfer eines Manövers, das er nicht beeinflussen konnte.

Es ist an der Zeit, dass die paraguayische Verkehrspolizei und das Ministerium für öffentliche Arbeiten (MOPC) nicht nur die Unfallorte absperren, sondern massiv gegen gefährliche Überholmanöver und die oft fehlende Beleuchtung an Motorrädern vorgehen. Solange “Überholen“ als Grundrecht und nicht als Risiko verstanden wird, werden Kreuze an den Straßenrändern von Luque und Capiatá weiterhin zum traurigen Alltag gehören.

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1 Kommentar zu “Tödlicher Leichtsinn – Wenn Überholen zum russischen Roulette wird

  1. Wenn der Paraguayer im, bzw. auf dem Fahrzeug sitzt, hat dieses Fahrzeug sich zu bewegen. Bremsen und Anhalten kommt nicht infrage, auch nicht in kritischen Momenten. Da MUSS noch schnell überholt oder vorbeigefahren werden. Da kann man schon ewig lange vorher blinken und dann vor dem Abbiegen anhalten. Da kommt keiner auf die Idee, daß er hinter dem haltetenden Fahrzeug ebenfalls stehenbleiben könnte. NEIN! Da MUSS man noch dran vorbeifahren. Ob links oder rechts vorbei spielt keine Rolle. Hauptsache, das eigene Fahrzeu bleibt in Bewegung. Zur Not fährt man dazu auf den Seitenstreifen oder den Gehweg. Auch der Gegenverkehr kommt nicht auf die Idee, vielleicht abzubremsen oder gar anzuhalten, wenn er sieht, daß es eng wird.
    Die Motos sind die schlimmsten Verkehrsteilnehmer von allen.
    Rote Ampel? Gilt für die nicht!
    Verkehrszeichen? Gelten nur für Autos.
    Und wenn sie einem dann reinfahren ist selbstverständlich der Autofahrer schuld. Der hätte ja auf sie aufpassen müssen. Ist ähnlich wie in Deutschland mit den Fahrradfahrern. Die haben ja auch nie Schuld an einem Unfall.

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