Torreblanca zurückgetreten

Am Freitagmorgen um 11:00 Uhr sollte der Senat über die Amtsenthebung von Nancy Torreblanca, der ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden am obersten Rechnungshof und nach dem Rücktritt von Óscar Rubén Velázquez selbsterklärten Vorsitzenden, entscheiden. Torreblanca reichte überraschenderweise kurz vor der Veranstaltung ihren Rücktrittsgesuch ein.

Damit verhindert sie die Position „Dienstenthebung wegen schlechter Amtsführung“ in ihrem Lebenslauf, verliert aber gleichzeitig die diplomatische Identität und muss sich nun einem „ordentlichen Gerichtsverfahren“ stellen.

Sie verblüffte mit ihrem Gesuch den Kongress, der die Absetzung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beschlossen hätte, nun musste eine neue Sitzung anberaumt werden. Nächste Woche wäre das schwierig geworden, da mehrere Senatoren verreisen möchten, schließlich hat man sich kurzfristig auf eine Sondersitzung am Samstagmorgen verständigt. Die Abgeordneten waren sich am Freitag noch uneins, ob sie das Gesuch annehmen oder nicht, stimmten aber schließlich einstimmig für die Annahme.

Als Interimsleiter der Institution verständigte sich am Freitagabend ein Tribunal auf Roy Rodgers, den früheren Direktor für Rechtsfragen und Wunschkandidaten von Velázquez, der von Torreblanca abgesetzt wurde. Somit ist er als Chef designiert bis die Leitungsfunktionen neu besetzt werden, es liegen 130 Bewerbungen dafür vor.

Am Mittwoch hielten zwei kurzfristig beauftragte Anwälte ihr Plädoyer für die Angeklagte in der Senatorenkammer, nachdem der ursprüngliche Anwalt wenige Stunden vor der Sitzung sein Mandat aus nicht bekannten Gründen niederlegte.

Einer der Anwälte verlas ein Schriftstück mit zahlreichen Fehlern, wie Ohrenzeugen berichteten, das alle Verantwortung für die aufgedeckten Korruptionsfälle dem früheren obersten Kontrolleur Velázquez sowie der Presse und der „mittelmäßigen politischen Klasse“ zuwies und Torreblanca als deren Opfer beschrieb.

Torreblanca hatte zwischenzeitlich alle Autorität in der Institution an sich gerissen und fast das komplette Führungspersonal ausgetauscht. Sie unterschrieb die Gehaltsabrechnung für August als oberste Kontrolleurin, der Finanzminister wollte dies nicht akzeptieren und forderte eine Unterschrift als stellvertretende oberste Kontrolleurin.

Torreblanca sprach daraufhin von einem Zusammenbruch der Institution, die Mitarbeiter wurden nervös, der Finanzminister erklärte schließlich die Unterschrift für gültig wenn es um Gehaltszahlungen geht, für die Begleichung von Lieferantenrechnungen liefere diese aber keine ausreichende Grundlage.

Enrique Snead, der Anwalt von Torreblanca, kündigte am Freitag noch eine mögliche Klage vor der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (Comisión Interamericana de Derechos Humanos – CIHD) an.

Quellen: Última Hora, Paraguay.com, ABC Color

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