TSJE: Attentat auf Direktorin

Am Donnerstagnachmittag wurden drei Schüsse auf die Fahrertür des Mercedes von Liliana Benítez abgegeben. Benítez ist Direktorin für die Bereiche Verwaltung und Finanzen bei der Wahlbehörde (TSJE) und Ehefrau von Luis Gneiting, dem Gouverneur von Itapúa. Der Vorfall ereignete sich auf der Straße Santísima Trinidad, mitten in Asunción.

Zeugen berichteten von einem weißen Geländewagen der Marke Isuzu, aus dem die Schüsse abgefeuert wurden. Die Polizei fand wenig später 10 Blocks entfernt einen abgestellten weißen Isuzu D-Max und darin eine Pistole. Der Wagen befand sich im Besitz von Óscar Núñez, einem Chauffeur der Wahlbehörde, der für Benítez arbeitete.

Núñez bestreitet, Urheber der Schüsse zu sein, auch sind keine Motive erkennbar. Mit seinem Grundgehalt von 7.746.613 Guaranies dürfte er zufrieden sein. Der zuständige Kommissar, Silvio Cantero, bemerkte eine weitere Ungereimtheit. Nach seiner professionellen Erfahrung würden Attentate auf Fahrzeuge für gewöhnlich durchgeführt wenn sich mindestens eine Person darin befindet, Benítez hielt sich aber in einer nahe gelegenen Wohnung auf.

Núñez wurde festgenommen als er später vor dem Haus von Benítez parkte. Der Kommissar ließ durchblicken, dass es sich um ein vorgetäuschtes Verbrechen handeln könne, solcherlei Schlüsse müsse aber die Staatsanwaltschaft ziehen.

Luis Gneiting machte indirekt den Minister und Vizepräsidenten der TSJE, Alberto Ramírez Zambonini, verantwortlich, nach dessen Aussage Benítez die Whistleblowerin in der Behörde sei, welche die Berichterstattung über die Korruptionsaffäre in der Behörde ins Rollen brachte. Benítez hat sich nach den Vorwürfen für 30 Tage beurlauben lassen, nach dem Attentat steht sie unter Polizeischutz.

Währenddessen hat die Wahlbehörde eine Liste mit 283 Gehaltsempfängern veröffentlicht, die nicht auftauchten, nachdem von einigen Wochen Anwesenheitskontrollen eingeführt wurden. Gegen weitere 181 „Mitarbeiter“ werde momentan noch intern ermittelt, heißt es. Die Liste ließt sich wie ein „Who is who“ der paraguayischen Gesellschaft, darunter Politiker, deren Verwandte und Freunde, Musiker und nicht zuletzt der Fotograf Zenoura, von dem wir auch schon Bilder veröffentlichen durften.

Das Auftauchen von Zenoura und seiner Verwandten löste starke Entrüstung in der Bevölkerung aus, da er selbst noch vor wenigen Tagen eine Satire-Kampagne gegen die Scheinbeschäftigung in TSJE anleierte. Schätzungen gehen von mindestens 1.200 weiteren Gehaltsempfängern der TSJE aus, die ihre Funktion nicht erfüllen. Hinter vorgehaltener Hand ist auch zu hören, die komplette Behörde sei, außerhalb der Wahlperioden, ein soziales Vorsorgeinstitut.

Quelle: Paraguay.com, ABC Color, Última Hora