Vorsicht vor dem “Dauer-Posten“: Philosoph warnt vor Depression durch zu viel Online-Präsenz

Asunción: Paraguay gilt oft als eines der glücklichsten Länder der Welt. Doch hinter den Kulissen von Instagram und Facebook braut sich etwas zusammen, das der Philosoph Byung-Chul Han als “Müdigkeitsgesellschaft“ bezeichnet. Gerade hier, wo das Handy ständiger Begleiter ist, treffen Hans Thesen den Nagel auf den Kopf.

Das digitale Panoptikum: Freiheit oder Überwachung?

In Paraguay posten wir alles: das Asado am Sonntag, den neuen Wagen, den Ausflug nach Encarnación. Han sagt: Wir brauchen keinen Überwachungsstaat mehr, wir überwachen uns selbst.

Der paraguayische Kontext: Wir geben unsere Privatsphäre freiwillig auf. Wer nicht postet, existiert nicht. Doch dieser Zwang zur Sichtbarkeit erzeugt Druck. Wir fühlen uns frei, während wir Sklaven des Algorithmus und der Bestätigung durch “Likes“ werden.

Die “Hölle des Gleichen“ statt echter Begegnung

Han kritisiert, dass wir nur noch das konsumieren, was uns gleicht.

Das Problem: In den sozialen Netzwerken Paraguays sehen wir oft nur noch perfekte, gefilterte Leben. Der “Andere“, der wirklich anders denkt oder lebt, verschwindet. Wir bewegen uns in einer digitalen Blase, in der alles glatt und konsumierbar sein muss. Das führt zu einer inneren Leere.

Selbstausbeutung im Namen des Erfolgs

„Du kannst es schaffen!“ – Dieser Satz ist in der aufstrebenden Wirtschaft Paraguays überall zu hören. Han warnt: Wer glaubt, alles zu können („Yes, we can“), beutet sich selbst aus.

Burnout in Paraguay: Früher war der Chef der Antreiber. Heute sind wir es selbst. Wir arbeiten bis spät in die Nacht, checken WhatsApp-Gruppen am Wochenende und wollen immer produktiv wirken. Die Folge sind keine Erfolge, sondern Depressionen und chronische Erschöpfung. Han nennt die Depression die “Krankheit einer Gesellschaft, die unter übermäßigem Positivismus leidet“.

Die Transparenzgesellschaft: Wenn das Geheimnis stirbt

Alles muss geteilt werden, alles muss “transparent“ sein.

Die Folge: Vertrauen und Tiefe gehen verloren. Wenn jede private Feier live gestreamt wird, gibt es keinen Rückzugsort mehr für die Seele. Das paraguayische “Vivir la vida“ wird zur bloßen Performance für die anderen.

Hans Botschaft an Paraguay: Wahre Freiheit bedeutet auch, einmal nicht erreichbar zu sein. Psychische Gesundheit entsteht im “Zwischenraum“, in der Stille und im Analogen – dort, wo kein Smartphone-Licht leuchtet.

Wochenblatt

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