Wieso kam es zu den Problemen in der Kolonie Bergthal?

Caaguazú: Rund 30.000 Mennoniten bevölkern Paraguay in verschiedenen Kolonien. Seit Monaten permanent in der nationalen Presse vertreten ist die Zivilgesellschaft Bergthal Komitee. Warum kam es soweit?

“Die im Land geborenen Mennoniten werden paraguayische Staatsbürger mit mennonitischer Religion sein”, erklärte der damalige Senator Eusebio Ayala am Morgen des 12. Juli 1921, als im paraguayischen Senat das Gesetz Nummer 514 gebilligt wurde, welches das Kommen der ersten Kolonisten aus Kanada erlaubte.

Dieses Gesetz garantiert den Mennoniten Privilegien, wie beispielsweise das Beibehalten des Bildungssystems in deutscher Sprache oder die Befreiung von der Wehrpflicht.

Es ist leicht nachvollziehbar, dass ohne die Vision von Eusebio Ayala, zusammen mit Präsident Manuel Gondra, die Mennoniten niemals nach Paraguay gekommen wären. Gondra beeinflusste ebenfalls den New Yorker Bankier Samuel McRoberts, Finanzier der Mennoniten, damit dieser sich positiv zu Paraguay äußert.

Am letzten Tag des Jahres 1926 gingen 309 Mennoniten in Puerto Casado von Bord. 22 Jahre später wurden die Mennonitenkolonien Sommerfeld und Bergthal im Departement Caaguazú gegründet. Die Bergthal Kolonie hat eine Zivilgesellschaft mit 700 Mitgliedern, in der Mehrzahl paraguayische Mennoniten. Seit Anfang an zeigten die Mennoniten eine Arbeitsdisziplin die ihres Gleichen sucht. 68 Jahre später sind sie eine Gruppe mit viel Geld und Einfluss. Aber wo Geld ist, gibt es auch immer Probleme, mehr noch, wenn trotz Hermetismus Informationen nach außen dringen.

Trotz der Passivität der Mennoniten gab es sechs Männer, die sich entschieden, die Disziplin außer Acht zu lassen und die Direktoren anzuzeigen. Solche Sachen zu hinterfragen und zu kritisieren bedeutet unter Mennoniten immer Ausgrenzung und Isolierung.

Ein Kredit von 5 Millionen US-Dollar, der für den Kauf von Umland gedacht war, wurde bei einer Bank aufgenommen. Das Land wurde nicht gekauft und die Schulden gibt es immer noch. Die Staatsanwaltschaft fand genügend Anhaltspunkte und nahm sich trotzdem Zeit. Ergebnisse gibt’s wenig. Politik mischte mit.

Natürlich sind die Mennoniten gut, aber eben nicht dumm. Seit fast einem Jahrhundert im Land haben sie auch gelernt sich den mächtigen Politikern anzunähern. Obwohl die Mennoniten den Fall auf kleiner Flamme kochen wollen, gleitet er ihn aus den Händen.

Wochenblatt / La Nación

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2 Kommentare zu “Wieso kam es zu den Problemen in der Kolonie Bergthal?

  1. Je mehr die Mennoniten mauern, desto höher der Schaden. Sie sollten endlich den Mut zur Offenheit finden und ihre „schwarzen Schafe“ aussortieren. Nicht aber jene, die den Skandal in ihren Reihen an´s Licht gebracht hatten. Ohne diese mutigen Mitglieder, würde in Bergthal weiter gemauschelt und das Unrecht gedeckt. Nur Sekten zwingen ihre Mitglieder zum Stillschweigen und buckeln vor den „Obrigkeiten“ ihrer Gemeinde. Mit christlichen Werten hat das Ganze nichts mehr zu tun!

    1. Von der Sache weiß ich rein gar nichts. Worüber ich schreiben kann, ist also der Eindruck, welcher einem Aussenstehenden entsteht. Und der ist vernichtend.

      Wie es scheint, haben einige sehr einflußreiche Leute etwa 5 000 000 U$ oder in PYG 25 000 Millionen unterschlagen.
      Das ist eine Menge Geld. Wer das nimmt, der weiß es fliegt irgendwann auf. Es gibt DACHLer hier, die sowas in Europa abgezogen haben und dann hierher geflohen sind. Jetzt davon gut leben. Aber bei den Mennos ist das was Anderes. Die Schuldigen sind ja immer noch da. Und schlimmer noch, sie haben offensichtlich so viel Macht, daß weder die Mennos selber, noch der Staat Paraguay ihnen etwas anhaben kann.

      5 Millionen U$ sind schon schlimm; aber nicht arg schlimm. Davon können sie sich (leicht) erholen. Offensichtlich wehrlos gegenüber solchen Gangstern in den eigenen Reihen zu sein andererseits ist ein Zeichen großer Dekadenz und Schwäche. Der Schwache wird in Paraguay gnadenlos von den vielen Aasgeiern die es gibt zerfleischt. Da sehe ich dunkelschwarz für die Zukunft dieser Menschen.

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