65% der Erwerbstätigen verdienen weniger als den Mindestlohn

Asunción: Eigentlich bestätigt die Studie von dem Zentrum für Angewandte Forschung (CIA) nur das, was in Paraguay immer deutlicher wird: Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Nur wer hält sie auf?

65% der 2.160.000 Erwerbstätigen im Land verdienen weniger als den Mindestlohn. 25% kommen nicht einmal auf ein Einkommen von 500.000 Guaranies pro Monat. 50% verdienen weniger als 1,5 Millionen Guaranies und 75% erreichen gerade 2,4 Millionen Gs.

Bei den Hausangestellten erreichen sogar 77% der Mitarbeiter nicht den gesetzlichen Mindestlohn, bei den Arbeitern beträgt der Anteil 88%.

Selbstständige und Beamte jedoch erreichen oder überschreiten die gesetzliche Hürde anscheinend problemlos.

In der Studie wurde weiterhin festgestellt, dass in 20% der Fälle die Arbeitsgesetze bezüglich der Löhne erfüllt sind. Die überwiegende Mehrheit aber, rund 80%, befindet sich in einem informellen Sektor. Es fehlt dabei eine Krankenversicherung und eine Absicherung von Risiken im Alter.

Das Funktionieren der Wirtschaft und die Zwangslosigkeit in der Gesellschaft ist kein exklusives Merkmal des Arbeitsmarkts in Paraguay. Eine große Reihe von wirtschaftlichen Aktivitäten des Landes bewegt sich am Rande der Legalität.

Laut der ständigen Haushaltsumfrage aus dem Jahr 2016 beträgt die Zahl der arbeitenden Bevölkerung, egal in welchem Sektor, ob Beamte oder Selbstständige, 3.172.000. Mittlerweile zeichnet sich auch ein weiterer Trend im Land ab. Immer mehr kleinere Läden eröffnen als sogenannte “Nebenerwerbsbetriebe“ weil die Einkünfte aus der Landwirtschaft bei den Kleinbauern abnehmen.

Wochenblatt / 5Dias

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9 Kommentare zu “65% der Erwerbstätigen verdienen weniger als den Mindestlohn

  1. Da muß man sich ja nicht wundern, wenn die Kriminalität immer weiter zunimmt. Irgendwie müssen die Menschen ja überleben. Wer diese Entwicklung stoppen und für Verbesserungen sorgen könnte ist ja klar – aber sie tun es nicht, weil es sie nicht interessiert und aus Unfähigkeit.

  2. Mann: jetzt muss ich ihnen recht geben.

    Die oben genannte 2 Millionen können noch mit mehrere Millionen ergänzt werden, die „schwarz“ arbeiten, und da kommen leider sehr viele Kinder dazu. Arbeitnehmer – ich spreche hier nicht über „amigos“ bekommene Arbeitsstelle – werden in der Regel ausgebeutet, alle 15 Tage ein Tag Frei, und viele von denen, die angemeldet sind, bekommen weder das minimalen Lohn ausbezahlt /“passt nicht kannst du gehen warten eh welche aufm Job“/ und oft wird das Rente/IPS auch nicht einbezahlt.

    deshalb gehen viele nach Argentinien zu arbeiten, es gibt einen Facebook Gruppe, die berichten Regelmäßig über ihren Erfahrungen im Ausland, und obwohl viele nicht qualifizierten Job ausüben, geht es denen viel besser als Zuhause.

  3. Ein junger Handwerker, der in einer Ferreteria in meiner Naehe arbeitet, verdient auch nur den Mindestlohn, obgleich er Mo-Fr von 7:30 bis 18 Uhr und Samstag von 7:30 Uhr bis 16 Uhr seinen Dienst verrichten muss. Trotz dieser Auslastung verdient er sich mit „Nebenjobs“ sonntags noch was dazu, weil er eine Frau und ein Kind ernaehren muss. Faehrt dazu einen uralten,schrottreifen Toyota aus dem Jahr 1981.
    Er weiss eine ganze Menge über Handwerk und er ist echt fleissig, und es tut schon irgendwie mir Leid, das der so wenig verdient und ausgebeutet wird, nur weil er nicht „studiert“ hat oder die noetigen Beziehungen besitzt.

    1. Heftig… zum Glück hat er sich ein Automobil leisten können! Kenne viele die sehr viel Geld einbussen weil die mindestens 2 busticket pro strecke brauchen, also 4 am Tag. Ein Kumpel aus Villa Hayes der in ASU in ein Cyber arbeitet bekommt 1 million ohne anmeldung/krankenkasse+rentenzahlungen/ und 1/3 ist gleich weg fürs Verkehrsmittel, 1/3 fürs Essen, was übrig bleibt wird zuhause mit der Familie geteilt.

      1. Fuer den uralten Toyota musste er sich einen Kredit holen bei einer Kooeprative – 7 Millionen fuer die Karre (voellig ueberteuert!) und 1 Million Zinsen obendrauf.

  4. Ganz offen gesprochen: Ich rege mich zwar sehr auf über die hiesigen Verhältnisse und die Mentalität und Moral der Menschen. Aber klar ist, alles hat ein Ursache. Wer so wenig Perspektiven in seinem Leben hat, so liederliche Vorbilder ringsherum sieht, denen es viel zu gut geht obwohl sie nichts leisten und von nichts eine Ahnung haben, von Politikern regiert wird, denen das Wohl der Mensch ganz offensichtlich schnuppe ist, der muß sich schon sehr anstrengen ehrlich zu bleiben, wenn er in diesem „Dschungel“ überleben will. Die Menschen müssen einem wirklich leid tun, auch wenn ich die Unehrlichkeit und Hinterhältigkeit nicht damit entschuldigen möchte. Die Politiker in PY können jeden Tag froh sein, daß sie von einem duldsamen Volk immer und immer wieder gewählt werden und daß die Menschen nicht mehr aufmucken. Die Frage ist nur, wie lange noch?

    1. Manni, wie zu erwarten war haben Sie keine Fakten auf den Tisch gelegt, um Ihre Aussagen zu untermauern. Tatsache ist, dass Tötungsdelikte in Paraguay in den letzten 15 Jahren um die Hälfte abgenommen haben und auch in Sachen Anzahl Inhaftierte steht das Land im Vergleich zu anderen nicht schlecht da. Das sind Tatsachen (UNDP Human Development Reports). Natürlich werden Sie deshalb Ihr Verhalten nicht ändern (Stichwort: Faktenresistenz).

  5. 2.160.000 Erwerbstätige in Paraguay, das ist nicht einmal ein Drittel der arbeitet. Deckt sich mit meinen Beobachtungen: Sitzen unter ihrem Mangobaum, sich beklagend, sie seien pobres. Und drei Stunden später sitzen sie immer noch da.
    65% der Erwerbstätigen von 2.160.000 Paraguayern verdienen weniger als den Mindestlohn von 350 Euro pro Monat. Warum? Na, weil sie – nicht etwa wie ich, der ich ein „mal educado“ sei – bestens educados sind. 1A. Naja, wenigstens habe ich eine educacion, auch wenn sie mal ist, ist es immer noch besser als eine beste Educacion, mit der man sogar wissen kann, dass die Schwizzer Englisch reden.

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