80 % Betroffene: Sexuelle Belästigung ist Alltag in Paraguays Redaktionen

Asunción: Das Netzwerk der Journalistinnen (RMPCPy) hat den Bericht “Das Wort im Streit“ über digitale geschlechtsspezifische Gewalt in Paraguay veröffentlicht. Zudem zeigt eine Umfrage, dass acht von zehn Kommunikatorinnen sexuelle Belästigung in ihrem Arbeitsumfeld erfahren haben.

Das Netzwerk der Journalistinnen und Kommunikatorinnen (Red de Mujeres Periodistas y Comunicadoras – RMPCPy) veröffentlichte die Studie “Das Wort im Streit: Diagnose und Maßnahmen gegen digitale geschlechtsspezifische Gewalt in Paraguay“. Die Untersuchung analysiert Gewalt in digitalen Räumen als Fortsetzung historischer Gewaltformen, die die Teilhabe von Frauen im öffentlichen Raum seit jeher einschränken.

Das Dokument untersucht, wie diese Praktiken insbesondere Journalistinnen und Kommunikatorinnen betreffen. Ziel dieser Angriffe ist es, deren professionelle Arbeit zu diskreditieren und ihr Privatleben, ihre Identität sowie ihre Integrität durch Beleidigungen, Verleumdungskampagnen, Drohungen, die Veröffentlichung privater Daten (Doxing) und andere Formen des Online-Hooliganismus zu schädigen.

Erschreckende Zahlen aus dem Arbeitsumfeld

Auf nationaler Ebene ergab die bereits 2022 vom Netzwerk durchgeführte Umfrage “Situation der Journalistinnen und Kommunikatorinnen“, dass acht von zehn Frauen im Kommunikationssektor sexuelle Belästigung erlitten haben. Diese wurde hauptsächlich von Personen in Machtpositionen innerhalb des Arbeitsumfelds ausgeübt.

Im Jahr 2023 identifizierten Organisationen wie Tedic multiple Formen digitaler Gewalt gegen Journalistinnen. Sie warnten davor, dass sich die Angriffe intensivieren, sobald über sensible Themen wie Korruption, Menschenrechte, Genderfragen oder sexuelle Vielfalt berichtet wird.

Auswirkungen und Schutzmaßnahmen

Der Bericht stützt sich auf Tiefeninterviews mit fünf prominenten Frauen des öffentlichen Lebens. Diese beschreiben konkrete Auswirkungen der Gewalt auf ihr Privatleben und ihre Berufsausübung: Selbstzensur, Rückzug aus sozialen Netzwerken und Änderungen in redaktionellen Entscheidungen, um die eigene Sicherheit zu priorisieren.

Neben der Diagnose enthält die Publikation auch Digital-Security-Kits für Journalistinnen. Diese bieten praktische Werkzeuge zur Stärkung des Datenschutzes, zur sicheren Verwaltung sozialer Netzwerke und zur Risikoprävention im digitalen Raum.

Digitale Gewalt gegen Journalistinnen ist kein isoliertes Phänomen. Ihre Auswirkungen schränken die Kontrollfunktion gegenüber der Macht ein, beschneiden die öffentliche Debatte und beeinträchtigen direkt die Qualität der Demokratie. Das Wort der Frauen im Journalismus zu verteidigen, ist eine notwendige Bedingung für eine vollwertige Demokratie.

Wochenblatt / Hoy / Beitragsbild Archiv

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