Asunción: Im Februar 2019 spürte eine junge Schwimmstudentin, wie das Leben ihr eine zweite Chance schenkte.
„Es war ein Nachmittag wie jeder andere. Ich kam zum Training und während alle anderen im Becken Atemübungen machten, entschied ich mich aus jugendlicher Neugier, den tieferen Bereich zu erkunden“, beginnt die heute 24-jährige Nathi ihre Geschichte.
„Ohne es zu merken, geriet ich in eine Zone, in der ich keinen Boden mehr unter den Füßen hatte. Ich hatte zwar meine Schwimmhilfe, aber sie reichte nicht aus. Die Panik kam schlagartig, meine Arme reagierten nicht mehr. ‚Das war’s wohl‘, sagte ich mir im Stillen“, erinnert sie sich weiter.
„Ich sah mich um und war allein. Meine Kameraden waren weit weg, der Lehrer in diesem Moment nicht da. Die Stille des Wassers begann mich einzuhüllen. Ich kämpfte. Ich tauchte auf und ab, versuchte zu atmen, aber jede Sekunde wurde schwerer, bis ich meinen Körper nicht mehr spürte,“ fügt Nathi an.
Was dann folgte, markierte ein Vorher und Nachher in ihrem Leben. „Eine totale Dunkelheit umhüllte mich, aber mit ihr kam ein unerklärlicher Friede. Es war, als ob mein Herz aufhörte zu kämpfen; mein Geist gab sanft nach“, erzählt sie. In diesen Sekunden, die ihr wie eine Ewigkeit vorkamen, sah sie ihr Leben wie einen Film an sich vorbeiziehen, in dem die glücklichsten Momente die Hauptrolle spielten.
„Mein Bewusstsein merkte, dass ich nicht mehr hier war. Ich war praktisch leblos. Ich sah Fragmente meiner schönsten Erinnerungen. Ich verstand nicht, was geschah, ich weiß nur, dass ich einen beeindruckenden Frieden fühlte. Mir wurde klar, dass ich bereits in eine andere Dimension hinüberwechselte. In diesem Moment sagte ich aus tiefster Seele: ‚Ich will nicht sterben, ich habe noch so viel, wofür es sich zu kämpfen lohnt.‘ Ich wiederholte in meinem Inneren: ‚Ich will noch nicht gehen,‘“ berichtet sie weiter.
„In dem Moment, als ich das wiederholte, zerriss plötzlich ein Geräusch die Stille: Der Pfiff des Lehrers. Meine Ohren erwachten zuerst. Es waren nur Sekunden, in denen alles passierte, aber für mich fühlte es sich wie Minuten an,“ fügt sie an.
Sie wurde aus dem Wasser gerettet. Sie erholte sich schnell, doch ihre Seele war nicht mehr dieselbe. „Ich dachte, ich würde meine Mutter nie wiedersehen. Ich bin überzeugt, dass Gott mir die Chance gab, zu entscheiden: Bleiben oder Zurückkehren. Ich entschied mich für das Zurückkehren, trotz des Friedens, den ich empfand,“ betont Nathi.
Der Segen, der sie rettete
Nathi erinnert sich an ein Detail, das sie heute als entscheidend ansieht: „Bevor ich das Haus verließ, gab mir meine Mutter ihren Segen und zeichnete ein Kreuz auf meine Stirn. Ich bin sicher, dass dieser Segen an jenem Tag mein Schutz war.“
„In der Tiefe sah ich ein Bild, das ich erst später verstand: Eine Frau, die ein kleines Mädchen an der Hand hielt. Später erkannte ich, dass wir das waren – meine Mutter und ich. Da begriff ich, dass der Segen meiner Mutter es war, der mich vom Boden des Beckens rettete,“ erklärt sie abschließend.
Heute engagiert sich Nathi ehrenamtlich in einer Stiftung für Jugendliche und ist überzeugt, dass sie überlebt hat, um anderen zu helfen.
Wochenblatt / Cronica















