Asunción: Zwischen Bio-Farmland und Krypto-Träumen: Warum in Paraguay gerade mehr als nur die Sonne brennt – nämlich das Geld der Anleger. Die große Freiheit, die Paraguay für deutschsprachige Einwanderer – insbesondere nach der Pandemie Anfang der 20er-Jahre – versprach, entpuppt sich für viele als gefährliche Sackgasse.
Doch es sind nicht etwa “wilde Indianer“ oder schießwütige Latinos, die den Ankömmlingen zum Verhängnis werden. Es sind ausgerechnet die eigenen Mitbürger: Deutsche, die bereits einige Jahre Vorsprung in Südamerika haben und ihre vermeintliche Erfahrung nutzen, um gutgläubige Neuankömmlinge auf der Suche nach Rat gnadenlos übers Ohr zu hauen. Deutsche gegen Deutsche!
Das Trugbild vom gelobten Land
Ehrgeizige Wohnprojekte werden hochtrabend beworben, garniert mit futuristischer Infrastruktur und Gemeinschaftskonzepten. Sie drücken genau die Knöpfe, bei denen potenzielle Käufer und Investoren – oft junge Familien oder Rentner auf der Flucht vor europäischer Bürokratie und Inflation – hellhörig werden: Lebensschule, Gesundheitshaus, Naturrestaurant, Einkaufszentrum und Visionen, die man kaum laut aussprechen kann, ohne für verrückt erklärt zu werden. Doch die Masche wirkt, sie zieht, die Leute beißen an.
Zwischen “Barrio Cerrado“ und juristischem Vakuum
Diesen Projekten fehlt es jedoch oft an jeglicher rechtlichen Basis: Keine Titulierung, keine Genehmigung zur Parzellierung als “Barrio Cerrado“, keine Kondominiumsordnung. Zudem mangelt es den Projektleitern – ganz abgesehen von ihren persönlichen Absichten – an jeglicher Expertise im Umgang mit derart komplexen materiellen und sozialen Systemen.
Und hier wird es richtig spannend: Diese Luftschlösser sind an geradezu unerhört profitabel gerechnete Investmentpakete gekoppelt. Neben “gutem Geld“ versprechen sie Natur-, Tier- und Inflationsschutz, die Bewahrung Hunderttausende Hektar Urwald, bedrohte Arten und eigenes, fruchtbares Land, das einem niemand mehr nehmen kann. Fast wie im Märchen vom “Hans im Glück“ soll das Kapital für einen arbeiten, während man selbst nur noch entspannt aufs Handy schaut und fette Renditen einstreicht. 8, 10, ja sogar 12 % werden kolportiert. Wer genug investiert – am besten gleich eine Viertelmillion –, darf als “Premium-Agrarinvestor“ im „Club der Gestalter“ thronen. Bei so viel Win-win-win werden viele schwach.
Wenn das “Win-Win“ zum “Game Over“ wird
Eine Schwäche, die teuer bezahlt wird. Hohe fünf- oder sechsstellige Beträge werden ins Blaue hinein überwiesen, oft ohne einen einzigen rechtsgültigen Vertrag. Bis dann plötzlich der Fluss der Ernteerträge und Zinsen ins Stocken gerät. Das bittere Ende wird dem verblüfften Investor dann per E-Mail serviert – mal verschwiegen, mal untermalt von hanebüchenen Ausreden –, bis ihm dämmert: Mein Cash ist weg.
Denn nicht nur versiegt der Strom dieses Ponzisystems, bei dem Gelder lediglich umgeschichtet werden, ohne jemals reale Marktwerte zu schaffen. Wie im schlechtesten Teil des Finanzsystems bedient sich auch hier der “Lügenbaron“ an der Kasse, um sich die eigenen Taschen zu füllen. Vorsicht ist also geboten. Zwar ist das Rechtssystem in Paraguay besser als sein Ruf, doch es ist ein zäher und langwieriger Prozess, Betrügern und dem verlorenen Geld auf die Schliche zu kommen. Strohmänner, obskure Tochterfirmen und Briefkastenadressen dienen als Schutzschilder, um den langsam mahlenden Mühlsteinen der Gerechtigkeit zu entkommen.
Doch eine deutliche Warnung sei nicht nur an die ehrlichen Bürger ausgesprochen, sondern auch an die abgebrühten Gauner, die landesweit bekannt sind, aber im Netz unverdrossen auf Bauernfang gehen: Wenn euch jene Mühlsteine erst einmal erfassen, landet ihr im Kittchen. Denn “Estafa“ – Betrug – ist auch in Paraguay ein strafrechtliches Delikt und keine Bagatelle. Also: Obacht!
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