Asunción: Es ist weithin bekannt, dass das Trinken von Tereré eine der liebgewonnensten Traditionen aller Paraguayerinnen und Paraguayer ist. Es ist sogar üblich, Paraguayer auf der ganzen Welt beim Tereré-Trinken anzutreffen; Paraguayer in Europa, den USA, Asien haben immer Tereré dabei wenns warm ist.
Was jedoch die Wenigsten wissen – und sich sicher niemand vorstellen kann – ist, dass ein Paraguayer mitten im Vietnamkrieg (1965–1975) Tereré trank. Jawohl, genau wie es klingt: Ein Paraguayer kämpfte als Offizier der US-Armee im Vietnamkrieg und nahm seine persönliche Guampa mit, um dort Tereré zu trinken. Es handelt sich um den damaligen Kapitän Roberto C. Eaton Kent.
Roberto Eaton, in Paraguay geboren, war der Sohn eines eingebürgerten US-Amerikaners und einer Paraguayerin aus der Stadt Belén im Departement Concepción. Seine Mutter war wiederum die Tochter englischer Einwanderer, die 1906 nach Paraguay gekommen waren. Sein Großvater mütterlicherseits war ein Veteran der englischen Kavallerie, der im Burenkrieg in Südafrika gekämpft hatte und später als Freiwilliger (Späher) für die paraguayische Armee im Chaco-Krieg diente.
Offizier der US-Armee
Obwohl in Paraguay geboren, reiste Roberto Eaton nach Abschluss seiner Schulzeit in Asunción in die Vereinigten Staaten, um seiner Berufung zu folgen: der militärischen Laufbahn. Er wurde Infanterieoffizier der US-Armee, spezialisiert auf das Fallschirmspringen.
Im Vietnamkrieg
Im Jahr 1967, als der Vietnamkrieg seinen intensivsten Punkt erreichte, brach Roberto Eaton – damals im Rang eines Kapitäns – nach Vietnam auf. Dort absolvierte er seinen ersten Kampfeinsatz von 1967 bis 1968 (im Vietnamkrieg leisteten sowohl Truppen als auch Offiziere in der Regel eine einjährige Dienstzeit an der Front).
Bei seinem ersten Einsatz diente Eaton als Kommandeur der Kompanie B, 4. Bataillon, 12. Regiment der 199. Leichtinfanterie-Brigade. Bei seinem zweiten Einsatz, bereits im Rang eines Majors, diente er von 1973 bis 1974 als Berater des 3. Bataillons der Fallschirmjägerdivision der Republik Südvietnam.
Tereré mitten im Krieg
Während seines ersten Einsatzes trug Kapitän Roberto Eaton in seinem Rucksack neben der gesamten vorschriftsmäßigen Ausrüstung eine Guampa aus Rinderhorn bei sich, in die sein Name „Roberto Eaton“ handwerklich eingraviert war, zusammen mit der dazugehörigen Bombilla (Trinkhalm). Die Yerba Mate schickte ihm seine Mutter regelmäßig per Luftpost aus Asunción.
Kapitän Eaton trank regelmäßig Tereré während der Ruhepausen auf Patrouillen im südvietnamesischen Tropenwald. Mit der Zeit begannen die meisten Männer seiner Kompanie, den Tereré gemeinsam mit ihrem Chef zu trinken. So wurde sie zur einzigen Einheit der US-Armee, die gewohnheitsmäßig Tereré trank, um den Durst zu löschen.
Nach dem Krieg
Nach Ende des Vietnamkriegs im Jahr 1975 schied Major Roberto Eaton aus der US-Armee aus und kehrte nach Paraguay zurück. Er heiratete eine Paraguayerin. Zwei seiner Söhne sind heute ebenfalls Berufssoldaten in der Armee der Vereinigten Staaten.
Neben seiner persönlichen Geschichte als Vietnam-Kämpfer ist Roberto Eaton ein leidenschaftlicher Kenner der paraguayischen Geschichte. Er erforscht mit großem Interesse die beiden internationalen Kriege Paraguays: den Tripel-Allianz-Krieg (1865–1870) und den Chaco-Krieg (1932–1935). Zudem ist er Vorstandsmitglied der Philatelistischen Gesellschaft von Paraguay.
Roberto Eaton starb am 19. November 2023 in der Stadt Villeta.
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