Deutschland ade! Warum ganze Nachbarschaften nach Paraguay auswandern und eigene Städte bauen

Hohenau: Ruhe, Sicherheit, die Herzlichkeit der Menschen und ein familiäres Umfeld sind die am meisten geschätzten Punkte für Neuankömmlinge aus Brasilien, Europa und der ganzen Welt.

Carlos Jacquet, ein lokaler Immobilienunternehmer, berichtet, dass er gemeinsam mit einem Geschäftspartner als Bindeglied zwischen Kunden und Eigentümern fungiert. Sie bieten Immobilien sowie Kurz- und Langzeitunterkünfte für Ausländer an, die weiterhin in die Region strömen – ein Trend, der vor fünf Jahren mit der Pandemie begann.

Ein Großteil des Zulaufs erfolgt über soziale Netzwerke, Empfehlungen und die klassische Mundpropaganda, die für den Vertrauensaufbau entscheidend bleibt. Viele suchen laut Jacquet den Frieden in den Colonias Unidas, den man im Trubel der Großstädte vergeblich sucht. Neben der Vermietung voll ausgestatteter Apartments unterstützt er die Einwanderer auch mit Tipps für den Alltag und kleinen Touren durch Bella Vista, Obligado und Hohenau.

Allerdings spricht er auch ein Thema an, das nicht unbemerkt bleibt: Die Lebenshaltungskosten und Mietpreise in der Zone sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. „Tatsache ist, dass die Colonias Unidas immer mehr an Bedeutung gewinnen und immer mehr Menschen in dieser Region eine Chance sehen, zu leben, zu investieren und auf die Zukunft zu setzen“, so Jacquet.

Eigene Viertel für die Freiheit

Ein Trend ist auffällig: Neuankömmlinge kaufen Grundstücke und erschaffen ihre eigenen Viertel. Ein Beispiel ist das Viertel “Esperanza“ (Hoffnung) in Hohenau, dessen Bewohner im Jahr 2026 bereits ihr fünfjähriges Bestehen feiern. „Wir haben den 19. Oktober als ’Tag der Hoffnung’ festgelegt – ein Datum, das den Beginn eines neuen Lebensabschnitts symbolisiert“, erklärt der 37-jährige Jonathan Walter.

Walter entschied sich mit seiner Frau und drei Kindern, Deutschland zu verlassen, um ein Leben zu führen, das stärker an familiären und christlichen Werten ausgerichtet ist. „In Deutschland hatten wir Arbeit und ein Haus, aber wir spürten, dass die Gesellschaft die fundamentalen Familienwerte verloren hatte. In Paraguay haben wir Frieden, Freiheit und eine gesündere Zukunft für unsere Kinder gefunden. Dieses Land ist im Vergleich zu Deutschland ein Paradies“, berichtet er.

Internationales Medieninteresse

Das Migrationsphänomen hat mittlerweile sogar Weltmedien wie die britische BBC und das deutsche Fernsehen (ARD/ZDF) für Reportagen in die Region gelockt. Unter dem Motto “Glaube, Einheit und Hoffnung“ feiert die Gemeinschaft jedes Jahr ihr Leben in Paraguay, das sie aufgenommen hat und das sie heute ihre Heimat nennen.

Neben “Esperanza“ gibt es in den drei Kolonien zahlreiche weitere neue Siedlungen, in denen sich Einwanderer – vornehmlich Deutsche, aber auch Russen, Belgier, Weißrussen und Polen – nach und nach in das soziale und wirtschaftliche Leben der Region integrieren.

Wochenblatt / Ultima Hora

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