Wenn Influencer die Polizei prostituieren

Mariano Roque Alonso: Francesco wurde auf Wunsch eines Viehzüchters von der Expo verwiesen. Ein Polizist legte ihm Handschellen an und führte ihn vom Gelände – während Fans die Szene filmten und laut forderten, ihn freizulassen.
Zwei Polizisten aus Mariano Roque Alonso geraten nun in Schwierigkeiten, nachdem „Masivo Bro“ auf der Messe für riesige Aufregung gesorgt hatte.

Die interne Polizeiaufsicht ermittelt bereits gegen sie: Offenbar war alles nur erfunden, und die Beamten haben gemeinsam mit Francesco Canatta eine Show abgezogen.

Wie Kommissarin María Bejarano bestätigte, handelt es sich bei den betroffenen Beamten um einen Unteroffizier der 19. Polizeistation MRA sowie einen Oberkommissar der Sicherheitsgruppe des Polizeipräsidiums.

Laut den Erkenntnissen hat jeder der beiden Beamten gemeinsam mit dem TikToker mitten auf dem Messegelände sein eigenes Theaterstück aufgeführt.

Der ganze Ärger begann, als der Influencer auf ein Fahrzeug stieg und dort eine „Spende“ einsammelte. Danach betrat er den Bereich, in dem die Rinder untergebracht waren – und Hunderte Fans folgten ihm dorthin. Das missfiel den Viehzüchtern; einer von ihnen verlangte, dass Francesco des Geländes verwiesen wird.

Der Influencer filmte selbst, wie er den Ort verließ – angeblich unter Festnahme durch einen der Beamten – und löste damit einen großen Aufruhr aus.

Francesco war für seinen Auftritt auf der Messe engagiert worden und gab an, 3.500.000 Guaranies dafür erhalten zu haben. „Für 1.500.000 Guaranies würde ich nicht zur Messe fahren. Schreibt mir später nicht. Hört auf, so schlau zu tun“, sagte er im Vorfeld. An dem Tag lief er zudem mit einer kugelsicheren Weste über das Gelände und behauptete, er fürchte einen Anschlag.

War ein angeblicher Raub nur vorgetäuscht?

Stunden später tauchte einer der Beamten in einem weiteren Video auf und bat „Masivo Bro“ um Hilfe: Ihm sei angeblich auf der Messe sein iPhone 13 gestohlen worden. Der Influencer versprach, ihm über ein Geschäft ein neues Handy zu besorgen.

Der Beamte Denis wandte sich an Canatta, weil er angab, sein Mobilgerät sei gestohlen worden – Francesco versprach ihm, ein nagelneues zu besorgen. Die interne Aufsicht vermutet jedoch, dass die ganze Sache inszeniert war. Der als Denis vorgestellte Beamte nannte in dem Video sogar seine Handynummer, damit man ihn „auf dem Laufenden halte“.

Vom Dienst enthoben

Die Polizei gab am Abend eine Stellungnahme heraus und sicherte zu, dass der Vorfall nicht vertuscht wird. „Die beteiligten Beamten wurden von den mit dem Einsatz zusammenhängenden Aufgaben entbunden. Der Fall liegt nun in der Zuständigkeit der Generaldirektion für Innere Angelegenheiten, die prüfen wird, ob verwaltungsrechtliche Verantwortlichkeiten vorliegen – und alle erforderlichen Maßnahmen nach geltendem Recht einleitet“, hieß es.

Zudem wurde klargestellt, dass die Polizei „die Beteiligung von Beamten an Werbemaßnahmen oder Inhaltserstellung von Influencern und TikTokern weder genehmigt noch befürwortet“.

Die Videos mit Masivo Bro könnten für die Beamten teuer werden: Nach geltenden Vorschriften drohen ihnen Disziplinarmaßnahmen, Suspendierungen oder gar die Entlassung aus dem Polizeidienst.

Wochenblatt / Extra

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