72 % der Lehrer durchgefallen: Bildungsminister fordert radikale Umkehr nach PISA-Debakel

Asunción: Die schwachen Ergebnisse Paraguays bei der PISA-Studie 2025 sind auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurückzuführen: Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, die Umstellung des Testformats von Papier auf Computer sowie die Grenzen eines veralteten Lernmodells, das nach wie vor stark auf Auswendiglernen setzt.

Dies erklärte der Minister für Bildung und Wissenschaft (MEC), Luis Ramirez, in einem Interview mit dem Radiosender Monumental 1080 AM.

„Wir müssen die Art und Weise, wie wir unterrichten, radikal verändern“, betonte Ramirez. Die nun getesteten Jugendlichen hätten die Pandemie in einer prägenden Lernphase erlebt. Zudem sei die PISA-Evaluierung erstmals rein digital am Computer durchgeführt worden. Der Minister kritisierte insbesondere den traditionellen Mathematikunterricht: „Wir haben immer noch sture Auswendiglern-Modelle,“ sagte er. Die Schule müsse stattdessen Fähigkeiten wie Vergleichen, Interpretieren, Analysieren und Synthetisieren fördern.

Unterrichtsausfall und erhebliche Mängel in der Lehrerbildung

Neben den Lehrmethoden prangerte der Bildungsminister den Verlust effektiver Unterrichtszeit durch ständige Unterbrechungen im Schulalltag an. Ramirez forderte garantiert “mehr Schulstunden und mehr Lernzeit“.

Ein zentraler Schwachpunkt liege zudem in der Qualifikation der Lehrkräfte. Von den seit seinem Amtsantritt überprüften 109.509 Lehrern hätten lediglich 30.412 die Prüfungen bestanden – 79.159 fielen durch. „Der Veränderungsprozess steht und fällt mit den Lehrkräften, das ist unumstritten“, stellte der Minister klar. Schulisches Lernen müsse sich an den technologischen Wandel anpassen und Fähigkeiten priorisieren, die digitale Werkzeuge nicht ersetzen können – allen voran Leseverständnis, analytisches Denken und wissenschaftliches Grundverständnis.

Klassenziel weit verfehlt – Präsident Peña blickt auf Langzeitwirkung

Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen eklatante Defizite im internationalen Vergleich:

-Naturwissenschaften: 355 Punkte (OECD-Durchschnitt: 482 Punkte) – 75,6 % der Schüler erreichten nicht einmal das Basisniveau.

-Lesekompetenz: 352 Punkte (OECD-Durchschnitt: 461 Punkte) – ein Einbruch um 21 Punkte gegenüber 2022.

-Mathematik: 334 Punkte (OECD-Durchschnitt: 463 Punkte) – 90,4 % der Schüler liegen unter dem Basisniveau.

Staatspräsident Santiago Peña verteidigte die Bildungs- und Sozialpolitik seiner Regierung und betonte, dass Bildungsreformen Zeit benötigten: „Bildung ist eine langfristige Staatspolitik. Die Ergebnisse werden wir wahrscheinlich erst in zukünftigen Regierungsperioden sehen,“ sagte er. Peña verwies auf Maßnahmen wie den Ausbau des Schulverpflegungsprogramms (Hambre Cero), die Bereitstellung von Lesematerialien sowie Investitionen in die Schulinfrastruktur.

Wochenblatt / Ultima Hora / Beitragsbild archiv

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