San Pedro del Paraná: Über das Jugendnetzwerk Sana Aventura treibt Schwester Fátima Fernández ein gemeinschaftsbasiertes Modell der ganzheitlichen Prävention und Rehabilitation im Departamento Itapúa voran. Mit mehr als 3.000 Begünstigten und einer Präsentation ihrer Arbeit im Vatikan beweist die Ordensfrau, dass sinnvolle Freizeitgestaltung für Jugendliche und erfolgreiche Spendensammlungen ganz ohne Alkohol möglich sind.
In der Gemeinde San Pedro del Paraná wird der Kampf gegen die Sucht auf Volleyball- und Fußballfeldern, an Schachbrettern, mit dem Erklingen melodischer Gitarrenakkorde sowie durch Tanz ausgetragen.
Von dort aus leitet Schwester Fátima Fernández, Ordensfrau der Misioneras de la Inmaculada Concepción (MIC), eine Gemeinschaftsinitiative, die in den vergangenen zehn Jahren das Leben Tausender Kinder, Jugendlicher und Familien grundlegend verändert hat.
Das Projekt mit dem Namen Plan Joven Sana Aventura wird über die Schule Nuestra Señora de Caacupé umgesetzt. Es entstand am 4. August 2016 mit dem klaren Schwerpunkt, die Freizeit junger Menschen durch Kunst, Kultur und Sport sinnvoll zu gestalten.
„Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Vorbeugung. Im Laufe eines Jahrzehnts haben zwischen 3.000 und 3.500 Kinder, Jugendliche und Erwachsene unsere Kurse für Englisch, Tanz, Malerei, Musik und Sport besucht. Der Schlüssel liegt darin, sie am Ende jedes Jahres zu fragen, was sie im folgenden Zyklus lernen möchten. Wir oktroyieren ihnen keine Sicht von Erwachsenen auf“, erklärt Schwester Fernández.
Ganzheitliche Rehabilitation
Obwohl die Vorbeugung das Fundament bildet, integrierte die Seelsorge vor vier Jahren ein ambulantes und trägerübergreifendes Behandlungsschema für Suchterkrankungen. Dieses deckt ein breites Spektrum ab – von der exzessiven Medien- und Bildschirmnutzung bis hin zum Konsum von Alkohol und illegalen Substanzen.
Volljährigen Personen mit schweren Abhängigkeiten, die den festen Willen zur Genesung äußern, bietet die Einrichtung eine dreimonatige Vorbereitungsphase an. Anschließend werden sie an Rehabilitationszentren in Brasilien vermittelt – möglich gemacht durch Partnerschaften mit der Gemeinschaft “Casa Esperanza y Vida“ in San Ignacio (Misiones). Dort absolvieren sie eine neunmonatige Ganzheitstherapie, die körperliche, psychologische und geistliche Aspekte umfasst.
„Diese Möglichkeit steht allen offen. Die Brüder in Brasilien verfügen über 48 Jahre Erfahrung. Entscheidend ist jedoch: Die Betroffenen müssen aus freiem Willen aus der Sucht aussteigen wollen. Weder richterliche Anordnungen noch der Druck der Eltern führen zum Erfolg“, stellt die Ordensfrau klar.
Herausforderung Alkoholismus
Schwester Fernández betont, dass die größte Herausforderung in der Region nicht allein in illegalen Drogen besteht, sondern in der Verharmlosung des Alkoholismus im häuslichen Umfeld.
„Alkohol ist die Einstiegsdroge. Das komplexeste Problem haben wir mit Erwachsenen und Eltern, die seit 20 Jahren trinken und das zu Hause oder bei Familienfeiern für völlig normal halten. Dadurch verlieren sie jegliche Autorität gegenüber ihren Kindern. Man muss mit gutem Beispiel vorangehen; das familiäre Umfeld muss der wichtigste Schutzfaktor sein“, warnt Fernández.
Um zu beweisen, dass Feste und Einnahmen auch ohne Rauschmittel funktionieren, setzte die Einrichtung ein Alkoholverbot bei Sportturnieren, Schülerolympiaden und Schulveranstaltungen durch.
Bei einem Fest zum Tag der Jugend erwirtschaftete die Gemeinschaft kürzlich 13 Millionen Guaranies durch den Verkauf von Speisen, Fruchtsäften und Eintrittskarten – ein klarer Beleg für die wirtschaftliche Tragfähigkeit alkoholfreier Events.
Zusätzlich bietet das Modell berufliche Perspektiven: In Zusammenarbeit mit dem staatlichen Berufsbildungsdienst SNPP absolvieren Jugendliche Jahreskurse in den Bereichen Schneidern, Bäckerei und Elektrotechnik, was ihnen den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert.
Anerkennung bis in den Vatikan
Die Erfolgsgeschichte hat längst die Grenzen von Itapúa überschritten. Schwester Fátima Fernández nahm an Treffen des Lateinamerikanischen Bischofsrates (CELAM) teil und gehörte einer Delegation an, die die Initiative bei einem internationalen Treffen im Vatikan präsentierte.
Heute arbeitet die Seelsorge mit einem Kernteam von zehn Personen. Ihr größter Erfolg ist der Generationenwechsel: Kinder, die einst mit acht Jahren in das Programm eintraten, lassen sich heute von 20-jährigen Jugendlichen anleiten – die ihrerseits als Vorbilder für die nächste Generation nachrücken.
„Das ist die größte Genugtuung: zu sehen, wie junge Menschen gesund aufwachsen, ihre Familien wiederfinden oder ihr Studium abschließen. Dass sie dieser modernen Sklaverei entkommen, um freie Menschen zu sein“, resümiert Schwester Fernández.
Wochenblatt / Ultima Hora















