Gastronomische Innovation: Vom improvisierten Café zur führenden Kaffeemarke in Paraguay

Asunción: In einer einst verlassenen Ruine in einer Sackgasse im Viertel Jara der Hauptstadt von Paraguay geschieht jeden Tag etwas Magisches: Einfache Zutaten verwandeln sich Tasse für Tasse in flüssige Poesie. Es ist die Erfolgsgeschichte von El Cafetero – einem Ort, der die Kaffeekultur in Paraguay revolutioniert hat.

„Ich kam auf der Suche nach Vielfalt bei Kaffee-Herkünften hierher“, erinnert sich der Kolumbianer Alejandro Murcia, dem man seine Heimat auch nach fast zehn Jahren in Paraguay noch anhört. „Was ich 2017 vorfand, war eine gänzliche Leere beim Thema Spezialitätenkaffee,“ fügt er noch an. Aus dieser Leere ist das heute bekannteste Kaffee-Heiligtum des Landes entstanden – mittlerweile mit drei belebten Standorten in Asuncion.

Wenn Leidenschaft auf Mut trifft

Als Murcias Ruf als Kaffee-Experte wuchs, suchte Arami Afara seinen Rat. Sie leitete damals die Tankstelle ihrer Eltern in Maria Auxiliadora und besuchte seine Kurse. Aus der professionellen Zusammenarbeit wurde eine tiefe Freundschaft. „Eines Tages vertraute sie mir ihren Lebenstraum an: Ein eigenes, echtes Café. Ich schlug vor, dass wir uns zusammentun – und sie hat nicht eine Sekunde gezögert,“ erzählt Murcia.

Im Dezember 2020 folgte der Durchbruch: Sie eröffneten El Cafetero und verwandelten eine verlassene Parkfläche in den zukünftigen Tempel des paraguayischen Spezialitätenkaffees. Später stieg auch Afaras Ehemann Rodrigo Balsevich ein und komplettierte das Dreier-Team, das den Laden heute mit Herzblut leitet.

Kulinarische Fusion: Kolumbianische Arepas treffen auf paraguayische Chipa

„Wir wollen den ganzen Tag und jeden Tag Brunch anbieten!“, erklärt Murcia begeistert. Ihre ehrliche Küche kombiniert einfache Gerichte mit herausragenden Zutaten. So stehen kolumbianische Arepas ganz selbstverständlich neben paraguayischer Chipa auf der Karte.

Das absolute Highlight des Hauses trägt den Namen “Grandma’s Sara“: Fluffige Pancakes, serviert mit Rührei, knusprigem Speck, süßem Apfelkompott und einem Kaffee nach Wahl.

Auch beim Kaffee setzen die Gründer auf kulturelle Fusion: Sie servieren den traditionellen Tintico Cafetero, der statt mit Panela mit dunklem Zuckerrohr-Honig gesüßt wird – eine perfekte Metapher für gelungene Anpassung ohne Qualitätsverlust.

„Die meisten Menschen hier kannten Kaffee nur als bitteres Getränk“, erklärt Murcia. Seine Mission war deshalb liebevolle Aufklärung: „Kaffee ist vor allem eine Frucht! Bei richtiger Qualität und Zubereitung braucht man keinen Zucker, um ihn wirklich zu genießen.“

Fairer Handel und Umweltschutz mit Herz

Was El Cafetero so besonders macht, ist das ethische Fundament: „Spezialitätenkaffee bedeutet für mich nicht nur guter Geschmack. Er muss rückverfolgbar sein. Man muss wissen, dass die Arbeit den Kaffeebauern direkt zugutekommt“, betont Murcia.

Jedes Jahr reist das Team nach Kolumbien, um direkt bei den Bauern einzukaufen. „Nicht wir diktieren den Preis, sondern die Bauern bestimmen ihn selbst. Wenn wir es bezahlen können, kaufen wir es“, erklärt er.

Auch beim Umweltschutz macht das Café keine Kompromisse: Tongeschirr aus Aregua, ausschließlich Glasflaschen und ein durchdachtes Recycling-System. Mit mittlerweile 29 Angestellten an drei Standorten ist das Unternehmen zudem ein wichtiger Arbeitgeber für junge Menschen unter fairen und legalen Arbeitsbedingungen.

Das nächste Kapitel steht bereits bevor: Künftig sollen die grünen Kaffeebohnen direkt nach Paraguay importiert und vor Ort geröstet werden, um Frische und Qualität auf ein noch höheres Level zu heben.

Wochenblatt / Asunción Times

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