Asunción: Das diesjährige Grillfest zum Tag der Arbeit hinterlässt bei den paraguayischen Verbrauchern einen extrem bitteren Nachgeschmack: Ausgerechnet die traditionellen Rippchen (Costilla) – das absolute Herzstück eines jeden echten paraguayischen Asados – sind wie vom Erdboden verschluckt.
Es ist ein wirtschaftliches Paradoxon, das fassungslos macht. Wie kann es sein, dass in einem Land mit mehr Rindern als Einwohnern und einer weltbekannten Fleischindustrie plötzlich die Regale leer bleiben?
Die paraguayische Supermarktkammer (Capasu) schlägt Alarm: Frische Rippen sind derzeit praktisch nicht mehr zu bekommen. Und die offizielle Begründung klingt wie eine billige Ausrede: Ein paar heftige Regenfälle im Landesinneren sollen ausgereicht haben, um die Straßen unpassierbar zu machen und die gesamte Lieferkette lahmzulegen.
Strukturelles Versagen statt bloßem “Schlechtwetter“
Die nackten Zahlen der Krise sind schockierend:
-Die Schlachtzahlen brachen um mehr als 50 % ein.
-Die Preise für Rippen explodierten auf 42.000 bis fast 50.000 Guaranies pro Kilo – eine Verdoppelung innerhalb kürzester Zeit.
Es ist jedoch zu einfach, die Schuld nur auf den Regen zu schieben. Die Krise offenbart tieferliegende, strukturelle Probleme. Paraguay rühmt sich seiner Agrarexporte, doch die heimische Infrastruktur ist so marode, dass ein paar Schlechtwetterfronten genügen, um die Versorgung der eigenen Bevölkerung zu kappen. Während das beste paraguayische Fleisch weiterhin in alle Welt exportiert wird, schaut der Bürger vor Ort in die leere Röhre oder wird mit astronomischen Preisen zur Kasse gebeten.
Ein bitteres Paradoxon: Die Bürger eines der führenden Fleischexporteure der Welt können sich zum wichtigsten Feiertag des Jahres kein Fleisch mehr leisten.
Globale Ausreden für lokale Missstände
Branchenexperten flüchten sich in globale Erklärungen und verweisen auf steigende Fleischpreise im Ausland und teure Importe aus Brasilien. Doch das lenkt vom eigentlichen Skandal ab: Ein Land, das sich selbst als Fleisch-Supermacht feiert, darf bei der eigenen Grundversorgung nicht derart anfällig für logistische Probleme sein.
Der Markt versucht nun verzweifelt zu improvisieren. Den Verbrauchern werden Hähnchen, Schweinefleisch und Würstchen als “günstige Alternativen“ angedient. Für eine Nation, in der das Rindfleisch-Asado ein unantastbares Kulturgut ist, fühlt sich das jedoch nicht nach einer Alternative an, sondern nach einem erzwungenen Verzicht. Diese Krise zeigt schonungslos, wie verwundbar Paraguay trotz seines Ressourcenreichtums ist, wenn die Infrastruktur nicht mit dem Exportwachstum Schritt hält.
Wochenblatt / Beitragsbild Archiv















