Aus vergangenen Tagen – Teil 4

Zu den Handelshäusern, die zum Wohlstand des deutschen Handels in Paraguay beitrugen, gehört zweifelsfrei das von Herrn Otto Zinnert.
Er kam 1888 fast mittellos nach Paraguay und hatte nicht mehr im Sinn, als mit seiner Arbeit ein Vermögen zu verdienen. Zunächst eröffnete er eine Schusterei. Er war fleißig und schaffte es in kürzester Zeit 200.000 Goldpeso zu sparen.

Sein Haus stand an der Straßenecke Palma und 25 de Noviembre (heute Nuestra Señora de la Asunción) neben dem Pantheon. Er war Importeur und brachte Waren aus Deutschland Belgien, Frankreich, Schweiz, England und den USA nach Paraguay, darunter Waffen, Besteck, Eisenwaren, Optik, Uhrmacher, Schmuck, Elektroartikel, Fotografie und selbst chirurgische Instrumente. In Erinnerung blieb er jedoch als Vertreter von Smith & Wesson, Colt, Weyersberg, Kirschbaum, and Cie Besteck, Naumann Nähmaschinen, Schweizer Präzisionsuhren, Zenit Elektrogeräte und Fotoartikel der Marke Ilford. Er hatte zudem Vertreter in den Städten Villarrica und Concepción, wo er für Absatz auf Landesebene sorgte.

Laut dem US-amerikanischen Konsul John N. Ruffin, war Otto Zinnerst Waffengeschäft eines von zweien im Land, wo man Smith & Wesson Waffen sowie passende Munition bekam. Victor Resch war der andere Händler.

Seine Geldgeschäfte machte Zinnert über die Handelsbank und die Bank der Republik in Paraguay, und in Buenos Aires und Montevideo über die Banco Británico.

Er hatte eine moderne Werkstatt, in der er alles reparieren konnte, was er zum Kauf anbot. Den exzellenten Ruf, den sich Zinnert erarbeitet hatte, sorgte dafür, dass er im Inland wie im Ausland als sehr kreditwürdig galt. Er besaß neben seiner Zentrale diverse wertvolle Grundstücke in der Hauptstadt und Umgebung.

Das Haus fiel einem neuen Flächennutzungsplan zum Opfer. Wo es stand ist heute der Park – neben dem Heldenpantheon.

Wochenblatt / Paraguay de antes

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7 Kommentare zu “Aus vergangenen Tagen – Teil 4

  1. Europäo (Westchinese um genau zu sein)

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    Sie Schweizer Präzisionsuhr hat er wohl selbst behalten. Die braucht noch heute kein Indianer, außer um nachzusehen, wie viele Stunden er zu spät zum Termin erschien. Jedenfalls sind wenigstens die alphaltieren Mondstraßen keinem neuen Flächennutzungsplan zum Opfer gefallen. Flächennutzungsplan, meint das WB etwa den Plan, heut Plata erhalten, abzüglich Streichhölzer und zwei Eier für meine 14-Kinder, wie viele Biere dann gut sauf?

          1. Europäo (Westchinese um genau zu sein)

            Ja. Ich auch. Und nicht nur im Frankfurter und hiesigen Zoo.

  2. Kuno Gansz von Otzberg

    Antworten

    Ja damals liefen noch die Peones alle mit nem Revolver herum. Zudem war es die goldene Zeit der schweizer Uhrenindustrie sowie anderer Produkte aus der alten Welt und ‚Merica. Heute, dank Jeff Bezos und dem Internet koennen wir solche Kaufleute ausschalten. Damals waren es noch echte Kaufleute die selber die Waren importierten und daher Risiko auf sich nahmen – die Haendler von heute sind nur noch Zwischenhaendler die vom Representante kaufen (wo die chinesen ihren Muell aus Kontinentalchina abladen) und den Aufpreis hinaufschlagen bei Null Garantie.
    Daher sei es den Kaufleuten von damals gegoennte was verdient zu haben – den Zockern von heute goenn ich das nicht sehr.
    Ja das Waffengeschaeft war damals eine Garantie zum reichwerden da eben fast jedermann eine Waffe besass ohne den laestigen Papierkram von heute. Pulver und Blei bakam man und mit dem Gewehr oder Revolver eine Kugelgussform damit man sich die Munition selber giessen konnte. Es war allerdings die Zeit der Wende wo man auf Huelsenmunition ueberging und etwas spaeter kam das damals noch instabilere rauchlose Pulver auf.
    Dann gabs beim Kartenspiel in westernart peng, peng nach ein paar Schnaepsen.

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