Chaco: Wie fragwürdige Informationen Massen in Bewegung brachten

Asunción: Am vergangenen Freitag trafen sich Hunderte auf dem Platz der Demokratie um gegen die Abholzung im Chaco zu demonstrieren. Anhand welcher Informationen haben sie sich dazu animiert gefühlt?

Der jüngste, massive Protest in Bezugnahme auf die Chaco-Abholzung, beweist wie viel falsche Informationen im Umlauf sind.

Nach dem Motto “Salvemos des Chaco“, strömten Hunderte von Menschen nach Asunción und marschierten durch die Straßen der Innenstadt. Die Organisatoren des Protests sind – und das ist auffällig – keine Bewohner des Chacos. Die meisten leben in Ostparaguay und kennen kaum die westliche Region. Da der Protest zu einer nationalen Sache erklärt wurde, wird es Zeit den Wahrheitsgehalt der Informationen zu prüfen.

Der letzte Bericht der Nichtregierungsorganisation Guyra Paraguay von Mai 2018 beschreibt insgesamt 23.827 Hektar Wald oder Waldflächen des Chacos die für andere Zwecke umgewandelt wurden. Paraguay führt dieses Abholzungsranking mit 45% an. Doch woher stammen diese Zahlen?

Die Nichtregierungsorganisationen sprechen von einer totalen Entwaldung und unterteilt nicht die Zonen, die für den Anbau von Mais, Soja und Erdnüsse vorgesehen sind. Da die Sektoren Landwirtschaft, Fleisch- und Milchwirtschaft einen niemals zuvor gesehenen Aufschwung erleben, kommt es zu einer Welle von Arbeitsmigration, die wiederum zu einer erhöhten Nachfrage von Wohnungen und Urbanisierung führt. Diese Bereiche müssen erst erschaffen werden.

Nur wenige wissen, dass Paraguay für 420 Millionen US-Dollar mehr Rindfleisch exportiert als Argentinien. Insgesamt sprechen wir von 1,3 Milliarden US-Dollar an Einnahmen aus dem Rindfleischexport. Damit liegen wir nur knapp hinter Uruguay, welches Rindfleisch im Wert von 1,6 Milliarden US-Dollar exportierte. Dies führte unter anderem zur Silbermedaille beim der World Steak Challenge 2016, wo sich Paraguay vor anderen Ländern des Kontinents hervorhob und die USA, Argentinien, Brasilien und Uruguay hinter sich ließ.

Da Vieh nun mal Weiden braucht, um zu überleben und diese wichtig sind um Futterreserven anzulegen, die in Zeiten von Dürre eingesetzt werden können, ist dieses Model des Wachstums nur so umsetzbar. Wäre dem nicht so, gäbe es weder Entwicklung noch Arbeitsplätze und die grüne Hölle, wie vor der Besiedlung der Mennoniten, würde wieder um sich greifen.

Das Team vom Fernsehsender RCC, welches mit Andrés Arriola, Staatsanwalt für Umweltfragen der Departements Boquerón und Presidente Hayes, sprach, interessierte, wie viele Fälle von unkontrollierter oder illegaler Abholzung es in dem Bereich gab.

Die Antwort war, dass nicht ein einziger Fall von illegaler Abholzung vorlag, denn laut dem Gesetz, welches vom Fortinstitut (Infona) ausgearbeitet wurde, dürfen 75% des Waldbestandes abgeholzt werden, wenn ein Plan vorliegt. Der Zeitraum dafür beläuft sich auf 1 bis 3 Jahre. Wer jetzt sagt, da haben wir sie die Abholzung, der hat nicht Unrecht, dennoch ist diese Art der Entwaldung legal und vom Staat erlaubt.

Interessanterweise haben weder das Umweltministerium (Mades) noch das Forstministerium (Infona) Filialen im Chaco, Grund weswegen der Sender RCC, angesiedelt in Filadelfia, keine Aussage dazu einholen konnte.

Was leider nicht in den Gesetzen festgehalten ist, ist die Frage wie viel Grundstück ein Ausländer besitzen darf. Im Chaco ist dieser Prozentsatz besonders groß. Viele ausländische Firmen arbeiten an der Umsetzung von landwirtschaftlichen Projekten.

Dr. Albrecht Glatzle, Wissenschaftler und Produzent aus dem Chaco, der weltweit für seine Untersuchungen im Bereich Wald und Landwirtschaft Anerkennung erntet erklärte folgendes über die Realität im Chaco:

„Die Behauptung, dass die biologische Vielfalt im Chaco durch seine vorsichtige Entwicklung verloren geht, wie dies gesetzlich vorgesehen ist, ist eine klare Desinformation. Wir haben eine Zunahme der biologischen Vielfalt (Anzahl der Wirbeltierarten) im Chaco beweisen können, verglichen mit dem trockenen Chaco Wald heimisch“, betonte Dr. Albrecht Glatzle in einen seiner vielen Artikel von “nachhaltige und verantwortungsvolle Entwicklung“.

Wochenblatt / RCC

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4 Kommentare zu “Chaco: Wie fragwürdige Informationen Massen in Bewegung brachten

  1. Fragwürdige Information ist heute das Wesen von Bewegung. Gerade aufgrund von Internet und sozialen Medien leben ja viele nur noch im Smartphone. Wen soll das denn überraschen? Fragwürdige Information hat aber auch eine Ursache. Die Gesetze wurden mehr oder weniger nach Handschrift der Wirtschaft gemacht. Das ist sofort herauszulesen auch weil kein Ministerium dort eine Filiale hat!! und selbst wenn, wie viele wirkliche Biologen, die ja auch am Tisch sitzen müssten, würden dort arbeiten und wären unabhängig? Deshalb muss man am Ende auch einen Produzenten aus dem Chaco befragen. Wie objektiv ist das jetzt? Dann lese ich es wird die Anzahl der Wirbeltierarten beobachtet? Reflexartig könnte man da fragen ob es sich um Nutztiere handelt? Ich sehe also auch auf der anderen Seite keine wirkliche Information.

  2. …man spricht von WALD. Hat der Chaco ueberhaubt WALD? Wald ist bei mir in Ostparaguay heimisch. Ich habe 10 Jahre in der Gegend Ex Campo 9 gelebt, und habe gesehen, wie der Wald abgeholzt wurde. Heute soweit das Auge reicht, nur Soja/ Maiz/ Weizenfelder. Frage: hat sich da jemals wer drueber aufgeregt? Da muesste auch Aufforstung stattfinden.

  3. „Die grüne Hölle“,in meinen Augen ein wunderschönes,noch im Gleichgewicht befindliche Paradies,hat auch eine Daseinsberechtigung.Sonst hätte die Schöpfung den Chaco/Pantanal nicht erschafft.Was die Abholzung in Ostparaguay betrifft,dort hat sich definitif so manch einer an der Abholzung gestört.Nur nicht denen die sich durch die Zerstörung einer ganzen Region bereichert haben.

  4. Das Rinder Fläche brauchen ist klar aber das die Natur auch Wälder braucht ist eben so klar. Was ist mit den Satelliten Bildern ,was ist mit den Atlantischen Regenwald mit 10 Millionen Hektar der verschwunden ist. Genehmigungen sind hier schnell zu bekommen für Abholzung liegt nur an der Höhe des Geldes. Man muss die Abholzung im Ganzen sehen nicht von Grundbesitzer zu Grundbesitzer und da ist es ein Verbrechen das Wälder so schnell und ohne Aufforstung Ander Orts verschwinden. Ein Verbrechen an allen Menschen auf dieser Erde weil das Wetter sich dramatisch verändert. „2005 Sao Paulo kein Wasser weil kein Regen und warum dieses? Weil durch die Abholzung die Luftflüsse es nicht bis dorthin geschafft haben ,da die Aufsteigenden Wassermassen die durch Wälder verursacht werden nicht mehr vorhanden sind.Lieber weniger Fleisch als kein Wasser oder gute Luft. Darum sehe ich es so das jeder Demonstrant warum und durch wem oder was an diesen Tag dort demontierte ein wahrer Held ist.

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