Choppfeste: Das Maß entscheidet

Nicht nur in Paraguay sondern überall auf der Welt ist ein Boom der Bierfeste zu beobachten. Jeder versucht, so gut wie möglich das weltbekannte Oktoberfest zu kopieren. Das gelingt einigen Veranstaltern sehr gut, jedoch die meisten schaffen nur eine billige Kopie. Es ist nun mal wie bei Markenprodukten, Plagiate können die Originale nie ersetzen.

Die Aufzählung aller Bierfeste in Paraguay sprengt den Rahmen, kurz seien die in Bella Vista, Obligado und Asuncion erwähnt. Diese Veranstaltungen kann man aber in keiner Weise als Vergleich zum Oktoberfest in München heranziehen, es fehlen fast alle Vergleichsmöglichkeiten.

Speisen

Typisch deutsche Gerichte wie Eisbein, Kasseler, Bratwurst mit Kraut und Kartoffeln werden angeboten. Darüber hinaus gibt es auch noch „Asado“, das ist gegrilltes Schweine- und Rindfleisch, aber auch Hähnchen.

Hier einen gemeinsamen Nenner zum deutschen Oktoberfest zu finden ist nicht ganz leicht. Hauptspeiesen dort sind gegrilltes Hähnchen, Schweinebraten, Bratwürste und gegrillte Haxe. Auch kalte Platten sind sehr beliebt, doch Eisbein und Kasseler fehlt gänzlich auf den Speisekarten. Es ist aber klar nachvollziehbar, dass gepökeltes Fleisch durch die hohen Temperaturen besser und sicherer verzehrt werden kann, also ist die Essensauswahl treffend für die Umgebung getroffen.

Musik

Hier wurde versucht, eine Gratwanderung zu gehen. Einerseits musste man den Geschmack der paraguayischen Bevölkerung gerecht werden aber auch deutsche Vorlieben sollten eingehalten werden. Dies gelingt oft. In aufgeteilten Bereichen wird deutsche und moderne Musik angeboten. Auch die Auftritte von Folkloregruppen runden das Programm ab. Auf dem deutschen Oktoberfest ist das nicht nötig, die Touristen sind berauscht von der Bierseligkeit, die Musik ist nicht das Hauptaugenmerk.

Getränke

Wie schaut es nun mit den Getränken aus? Es gibt natürlich, wie auch in Deutschland, alkoholfreie Getränke, aber dies ist ja nicht Sinn der Sache bei einem Bierfest. Der Gast muss hier entweder seinen eigenen Krug mitbringen oder einen kaufen und geht dann an die Schänke zum Bier holen. Gleichzeitig sind diese Krüge, in der Regel, nur bis zu einem Inhalt von einem halben Liter gedacht. In München würde es einen Aufschrei der Empörung geben wenn dort nur „Halbe“ ausgeschenkt würden, obwohl die Schankkellner manchmal so schlecht einschenken, dass es wirklich bald nur eine Halbe ist. In Paraguay ist dies aber sehr vernünftig, aufgrund der hohen Temperaturen würde das Bier nur sehr schnell warm werden. Aus eigener Erfahrung kann ich die gute Schankmoral bestätigen, der Krug wurde immer sehr gut gefüllt und das Bier war super gekühlt.

Gesundheit

Wie gesund ist eigentlich der Bierkonsum? Einige werden sagen, das kann doch gar nicht sein, in geringen Mengen aber, soll Bier die Gesundheit fördern. Es wird jedoch, leider, oft über den Durst getrunken, sogar bis zur Besinnungslosigkeit. Zu viel Alkohol schadet dem gesamten Organismus, macht abhängig und führt zum schnelleren Tod.

Das Schlagwort lautet: Zu viel Alkohol. Geringe Mengen können das Immunsystem verbessern und das Herzinfarktrisiko senken. Der Haken an der Sache ist, was man unter „geringen Mengen“ versteht. Die Thesen sind von Land zu Land unterschiedlich. Nach einem Presseartikel der „Welt“ empfiehlt man Männern in Portugal 40 Gramm Alkohol pro Tag, das enthält ungefähr ein Liter Bier. In Deutschland proklamiert die „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ 20 Gramm am Tag, ungefähr ein halber Liter. Frauen sollen nur die Hälfte davon pro Tag konsumieren.

Bei einer weiteren Studie aus dem Jahr 2007 in der Fachzeitschrift „Annals of Nutrition and Metabolism“ haben verschiedene Probanden an Tests teilgenommen. Die Ergebnisse bestätigten, dass die männlichen Teilnehmer mehr Abwehrkräfte entwickelt hatten als vor Beginn der Versuchsreihe, bei den Frauen traf dies noch mehr zu. Tatsächlich haben viele Experimente bewiesen, dass moderater Alkoholgenuss positive Synergien auf das Herz-Kreislaufsystem hat und eine Senkung des Infarktrisikos bewirkt.

Die Studie des Harvard Professors Eriv Rimm aus dem Jahre 2012 zeigte auf, dass die Sterberate bei Männern, die zwischen 10 und 30 Gramm Alkohol konsumierten signifikant niedriger war als bei Abstinenzlern.
Ein anderes, schwerwiegendes Problem sind Nebenfolgen des zügellosen Alkohlkonsums, man nimmt zu. Dies liegt an der appetitanregenden Wirkung. An allen Stammtischen wird proklamiert, Bier mache dick. Falsch, wer sich hier und da ein Gläschen zum Feierabend gönnt, nimmt weniger Kalorien zu sich als mit einem Glas Cola oder Fruchtsaft. Ein halber Liter Bier, je nach Sorte, hat ungefähr 200 Kalorien, ein halber Liter Traubensaft 300 Kalorien. Entscheidend ist immer das Maß aller Dinge, zu viel Bier am Abend erzeugt am nächsten Tag einen großen Hunger der sich irgendwann nicht mehr kaschieren lässt.

Bier solle glücklich machen, das gaukelt uns auch die Werbung vor, aber es trifft gemäß einer Studie zu. Ein Forscherteam um den Neurologen David Kareken der „University of Indiana“ führte 2013 eine Versuchsreihe durch. Dabei fanden sie heraus, dass nicht der Alkohol, sondern der Geschmack des Bieres glücklich macht. Der Grund dafür ist die Ausschüttung des Hormons Dopamin. Die männlichen Testpersonen tranken geringe Mengen Bier und Limonaden, dann wurden die Dopaminanteile im Gehirn gemessen. Der Level stieg sofort an sobald die Männer Biergeschmack wahrnahmen. Die geringe Menge, 15 Milliliter, und der kurze Zeitraum, 15 Minuten, können den Anstieg dieses Glücksgefühls also nicht durch den Alkohol erklären. Alleine der Geschmack des Bieres war ausschlaggebend. Noch dazu berichteten die Probanden, Limonade würde ihnen besser schmecken. Also folgert man, alkohlfreies Bier erziele dieselben Effekte.

Nachdem diese Sorte mittlerweile auch den Markt in Paraguay, zwar langsam aber stetig, erobert, ein kurzer Abriss und Ergebnis einer Marathonstudie aus Deutschland „Be-MagIC“. Forscher an der TU München am Klinikum rechts der Isar konnten belegen, dass der Konsum von alkoholfreiem Weißbier positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat, insbesondere auf Sportler. Untersucht hat man dies im Rahmen des München Marathon 2009. Ein Langstreckenlauf beinhaltet gesundheitliche Risiken, hat aber auch positive Effekte, insbesondere in der Ausschüttung von Polyphelonen, das sind aromatische Verbindungen. Ihnen wird eine krebsvorbeugende und gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Die Testgruppen wurden in zwei Hälften aufgeteilt, eine davon bekam ein Placebo Getränk, die andere eine alkoholfreie Biersorte aus Erding.

Ein Marathonlauf verstärkt die Entzündungssysteme im Körper, das Immunsystem gerät aus dem Gleichgewicht und es entstehen Infekte. Dabei stellte sich die gesundheitsfördernde Wirkung des alkoholfreien Weißbieres heraus. Infekte traten seltener auf und auch die Entzündungsherde waren seltener. Dr. Scherr, Leiter der Versuchsreihe fasste das Ergebnis zusammen: “Dass polyphenolhaltige Lebensmittel positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Sportlern haben könnten, wurde bereits in mehreren Aufsätzen angedeutet. Dennoch waren wir teilweise selbst überrascht, wie deutlich das Ergebnis ausfiel. Für das untersuchte Getränk mit einer speziellen Mixtur von Polyphenolen, Vitaminen und Mineralstoffen haben wir nun die Annahmen wissenschaftlich bestätigt.“

Nach diesen trockenen Studien schmeckt ein Bier sicherlich noch besser.

Quellen: TU München/Frankfurter Rundschau

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6 Kommentare zu “Choppfeste: Das Maß entscheidet

  1. Auch wenn mein Kommentar jetzt als stoerend empfunden werden sollte, noch mehr Bla Bla Bla. Das ist doch kene Zeitung mehr, das ist mehr ein Tagebuch. An Alle die mich jetzt kreuzigen wollen, ich werde es mir in Zukunft ersparen hier rein zu sehen.
    Artikel Scheisse, Kommentare Scheisse. Wie schoen dass sich die Saeufer dieser Welt doch ein Stelldichein geschaffen haben. Alles Gute an Alle….

    1. Geh Alex,schade daß du ab nun die „Sandkiste“ verlässt,die Streitereien ums
      „gelbe Küberl“oder „blaue“! Schauferl gibts,und gabs doch immer!
      Beste Grüsse an Deine vergrösserte Familie und an Dich
      Dein Trauzeuge Peter

    2. Jedem das seine. Mir gefaellt die neue Art besser, die Artikel sind ausfuehrlicher und interessanter und dies obwohl ich mir aus Alkohol nichts mache 😉

    3. Wie bist du denn drauf? Säufer dieser Welt? – in was für einer Welt lebst du denn? Wie heißt es doch so schön: Kein Alkohol ist auch keine Lösung 😉 – Man muss ja nicht bis zu Besinnungslosigkeit trinken.

      Man kann es nie jedem Recht machen. Und wenn du einen Artikel nicht lesen möchtest, dann lass es einfach und lies den nächsten, der dich interessiert.
      Zu sagen: jetzt waren zweimal bla bla – Artikel drin und deshalb klinke ich mich völlig aus, ist Kindergartenniveau. Da hat der Junge einen Bock und zetert…. – Verzichtest du völlig auf Wein oder Bier, weil es Sorten gibt, die dir nicht schmecken? Verzichtest du auf Sex, nur weil es stockhäßliche Frauen gibt? Was soll also so ein Getue!

      1. Danke Manu, ich hab herzlich gelacht weil möglicherweise reagiert der Alex so allergisch weil ihm der Alkohol zu viele stockhäßliche Frauen beschert hat.

        Was nun den Artikel angeht, er ist reine Information nur, was mich immer bei so etwas stört, ist die Tatsache daß bayrische Traditionen als gesamtdeutsche verkauft werden. Das fängt bei den Trachten an und hört bei der Maß auf. Na gut, ein Flesch Flens, Matjes und frischen Räucheraal bekommt man nicht preiswert nach Paraguay und verkauft… reiner Kommerz das alles…

        LG

  2. Hallo Michael, bei Deiner vergleichenden Kritik der hiesigen Bierfeste als Plagiate des Oktoberfests in München liegst Du in einem Punkt gerantiert falsch: seit Jahrzehnten, behaupte ich, ist in den Bierzelten dort die Musik der dominante Faktor und von der Bedeutung her zunehmend. Die lockere Unterhaltung und Stimmung, die Du wahrscheinlich unter Bierseligkeit verstehst, spielt bestenfalls noch eine untergeordnete Rolle. Das Oktoberfest ist zu einem Treffpunkt internationaler Dekadenz verkommen: möglichst schrille (heimatnahe) Kleidung, geschminkt bis zum Manegenclown, Bussi-Bussi-Laune aufgesetzt wie das permanente Pützen im Mainzer Karneval und wildes Hopsen auf Bänken und Tischen – ein großer, ausgelassener Kinder-Geburtstag könnte nicht ausgeflippter, aber wenigstens altersgemäß sein. Was bei Dir im Vergleichsspiegel fast wie leise Kritik klang, dass hier in PY nämlich kulturelle Elemente wie Auftritte von Folkloregruppen vorgesehen und Bestandteil dieser Feste sind, das würde ich sogar als herausragenden Unterschied im Vergleich zum geistigen Schrumpfprogramm des Originals hervorheben. Bezogen darauf: Eindeutig 1:0 für Paraguay.
    Wolfgang Schmidt, Piribebuy (in dem Fall müßte ich direkt noch mein Alter dazuschreiben, damit jüngere Semester verstehen, wie man zu so einer verschrobenen Meinung kommen kann. Ich tu`s aber nicht).

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