Das Erbe von Carlos Antonio López

Ybytimí: Hunderte Anekdoten von unvergesslichen Reisen beherbergen die Mauern des alten und verlassenen Bahnhofes des Ortes Ybytymí, die Stadt die ihre 230 jährige Gründung baldigst feiert.

Leider ist heute das Gebäude dem Einsturz näher als der Restauration, was schade ist, da es eines der wenigen alten und geschichtsträchtigen Eckpunkte der Gegend ist. Durch Schatzsucher wurde der Bau auch angegriffen.

Die neue Verbindungsstraße zwischen Paraguarí und Villarrica, führt die Besucher an schönen Bergketten, Landschaften und dem eben erst angestrichenen alten Bahnhofes von Ybytimí vorbei, ein Dorf mit nur 550 Einwohnern.

Heute kann man schnell vergessen welchen Wert die Bahn damals für die abgelegene Zone hatte, als noch holzbetriebene Dampflokomotiven geschnauft haben bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof.

Als am 12. Juni 1889 die Eisenbahn in diesem Bereich seinen Dienst aufnahm erfuhr der Ort positive Veränderungen. Ab dem Jahr konnten sich die Einwohner den Luxus erlauben und in Nachbarstädten ihre Produkte zum Kauf anbieten. Zuvor war dies nur mit Ochsen- und Pferdekarren möglich gewesen, bei mehrtägigen Reisen.

Ab den Neunzigern allerdings blieben die Schienen leer. Erst 2004 wurde die Eisenbahngesellschaft privatisiert und eine Familie zum Wohnen im Bahnhof eingesetzt. Nach ein paar Jahren verließen auch die drei Mieter den langsam zerfallenden Komplex bis vor zwei Wochen Schatzsucher kamen und in nächtlichen Stunden im Inneren Löcher bis zu zwei Meter Tiefe gruben. Diese Attacke summiert sich zu den anderen angerichteten Schäden durch humane Eingriffe. Türen und Fenster sowie die elektrische Installation wurden fast komplett demontiert und gestohlen. Zwischendurch stellten sich sogar Kühe bei schlechtem Wetter unter.

Francisco Eladio Bodenser wohnt hinter dem Bahnhof. Der Mann ist 86 Jahre alt erklärt, dass es das erste Mal sei, das Schatzsucher Silber in der Halle suchen. Bodenser wohnt schon seit 40 Jahren hier und findet es traurig, dass keine Institution sich verantwortlich fühlt den alten Bahnhof zu restaurieren. „Der Ort wäre für eine örtliche Bibliothek oder eine Schule bestens geeignet“, sagte er.

Im Nachbarhaus wohnt Roberto Hobecker (78). Der Deutschstämmige arbeitete bis 1957 bei der Eisenbahn. Danach verdiente er gutes Geld mit dem Transport von Stärke die er per Carreta von La Colmena nach Ybytimí brachte. Für 1.200 kg bekam er 12 Guaranies. Das war die Zeit in der die Japaner sich in La Colmena niederließen. Von dem Gewinn konnt er sich damals das Haus kaufen welches er heute noch bewohnt. Er erinnert sich auch daran wie am Bahnhof große Baumstämme gelagert wurden die aus Carayaó stammten um sie zwischen Asunción und Encarnación zu verteilen. Niemals und da ist sich Hobecker sicher, gab es einen vergrabenen Schatz in oder um den Ort.

Laut dem Bürgermeister des Ortes, Casimiro Néstor González Moreno, sowie einem Kostenvoranschlag des Ministeriums für öffentliche Bauten samt Kinderspielplatz und 1.200 m Wege zum Spazieren kostet die Restaurierung 620 Millionen Guaranies. Aus der Stadtkasse kann das Geld nicht genommen werden da 75% der vorhandenen Gelder nur für Löhne ausgewendet werden. Danach bleibt quasi kein Geld mehr übrig. Die neue Farbe des Lokals wurde von García Miro, liberaler Vorkandidat auf den Gouverneursposten von Paraguarí, gesponsert.

Der antike Bahnhof von Ybytimí resistiert der Ruhe, der Einsamkeit und den ständigen Attentaten. Die Illusion einen Schatz im Inneren zu finden ist eine falsche Ansichtssache, da der Bahnhof selbst der Schatz ist, den es zu bewahren gilt.

Ybytimí ist 110 km von Asunción entfernt. Es ist ein ländlicher Ort, der 1783 vom damaligen Gouverneur Pedro Melo de Portugal und Villena gegründet wurde. Den Ort zu besuchen ist wie eine Zeitreise zu unternehmen. Während der Mittagszeit dominiert die Stille im Ort. Die Freundlichkeit der wenigen Einwohner ist jederzeit bei jedem Treffen spürbar. Sie bauen Zwiebeln, Tomaten, Paprika und Wassermelonen an. Sie züchten Hühner und Schweine, haben einige Rinder und ein paar Hektar Zuckerrohr.

Einige wenige alte Häuser um den Platz bei der Kirche formen das Zentrum der Stadt. Die Kirche des Ortes, 1857 errichtet unter der Regierung von Don Carlos Antonio López, ist einer der wenigen Schätze des Ortes der 2003 restauriert wurde. Am 7. Oktober eines jeden Jahres wird hier das Fest der Schutzheiligen „Virgen del Rosario“ gefeiert.

(Wochenblatt / Abc)

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2 Kommentare zu “Das Erbe von Carlos Antonio López

    1. @Peter

      Ja, das wäre schön. In Sapucai wurden ja schon ein paar Gebäude der alten Bahnstecke restauriert. Vielleicht fährt doch eines Tages die alte Dampflok wieder. Es wäre wünschenswert.

      Herr Päßler, bitte dran bleiben.

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