Die Heuchelei der Älteren: Wie Politik und Medien den Fokus auf die Falschen richten

Asunción: Die Welt der Erwachsenen, der ich angehöre, ist in letzter Zeit bitterer und zensurfreudiger geworden als je zuvor. Wir sind die Propheten der Apokalypse für Jugendliche, die angeblich nicht mehr zu retten sind.

Und wir ärgern uns, weil sich die Jugendlichen auf öffentlichen Plätzen verabreden, um ein ausgeklügeltes Spiel zu spielen, sich zu amüsieren und zu lachen – genau das, was man in der Jugend tun sollte. Doch wir sind empört, zerreißen unsere Kleider und bezeichnen diese jungen Menschen als Inkompetente, nur weil sie diese seltsame Sache mit den Gesten und dem Lachen machen.

Unterdessen empört uns der systematische Diebstahl aus den öffentlichen Kassen jedoch nicht: Die “Nepo-Babys“, die mittlerweile sogar in den Obersten Gerichtshof einzugehen pflegen, die “Nepo-Ehefrauen“, die “Nepo-Sekretärinnen“.

All der Diebstahl, der uns umgibt, empört uns nicht. Aber es empört uns, wenn ein paar Jugendliche “herumhängen“, wie wir es alle getan haben, als wir Teenager waren.

Das Thema ist seltsam, denn auch unser christliches Ethos wird angeblich verletzt. Doch erst vor kurzem wurden in Naranjito – dort zwischen Itapúa und Alto Paraná – Begünstigte der Landreformbehörde INDERT mit Planierraupen vertrieben. Und wofür? Um brasilianische Siedler dort unterzubringen.

Da regt sich unser Patriotismus nicht. Kurioserweise empören wir uns zwar, wenn Lula in einer hitzigen Rede einen Unsinn erzählt, aber wenn hier das Land unserer Bauern besetzt wird, ist alles in Ordnung. Kein Parlamentarier, niemand sagt etwas – am wenigsten die Medien, die mit anderen Dingen beschäftigt sind.

Es ist eine seltsame Sache mit diesem Zorn auf die “Therians“ – Jugendliche, die sich als Tiere verkleiden. Aber in Wahrheit töten wir systematisch Tiere durch Umweltverbrechen vor aller Augen, vom Goldabbau in Paso Yobai bis zur Müllverbrennung in Bañado Sur.

Alles liegt offen vor uns. Was im Cerro León passiert, was in den verschiedenen, heute besetzten Naturschutzgebieten geschieht – das kümmert uns nicht.

Uns sorgt, dass sich ein Jugendliche als Hund verkleidet und einen Scherz macht. Es ist eine recht kuriose Empörung, die wir Älteren da an den Tag legen.

Wäre es nicht an der Zeit, ein wenig lockerzulassen und uns mehr um die echten Probleme zu kümmern anstatt um die Streiche der Jugendlichen?

Wochenblatt / Megacadena Mario Ferreiro

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