Ein leidliches Thema: Tankstellen, öffentliche Straßen und Alkohol

Asunción: Eigentlich ist in der Gemeindeverordnung der Hauptstadt 114/03 alles klar geregelt. Sie verbietet den Verkauf von Alkohol und Konsum an Tankstellen sowie auf öffentlichen Straßen. Es existiert jedoch ein ganz anderes Bild.

Die Bestimmung gilt aber anscheinend nur auf dem Papier. Nachbarn im Umkreis von Tankstellen beklagen sich, dass diese zu einem Zentrum von Freunden werden und Saufgelage stattfinden. Laute Musik wird gespielt, der Müll einfach weggeworfen und Gehwege dienen als öffentliche Toiletten.

2003 erließ der damalige Bürgermeister von Asunción, Enrique Riera, die Verordnung 114: “Prävention und Koexistenz“. Dabei wurde, unter anderem, der Verkauf von alkoholischen Getränken in Tankstellen verboten. Viele waren und sind immer noch der Meinung, “das Dekret schränke die Freiheit der Menschen ein“.

Viele Beamte der Gemeinde wissen nicht einmal, welche Behörde eigentlich für die Überwachung des Verbots zuständig ist.

Zudem gilt in der Verordnung 114 nach Artikel 16 “ein Verbot vom Vertrieb und dem Konsum von alkoholischen Getränken an öffentlichen Orten“. In der Praxis aber wohl kaum anwendbar.

Trotzdem ist der Mangel an einer Durchsetzung von städtischen Verordnungen ziemlich merkwürdig, denn die Gemeinde hat mehr als 8.000 Angestellte unter Vertrag. Alle Bürgermeister und Stadträte in der Vergangenheit haben erkannt, dass dies zu viele Mitarbeiter sind. Es ist wohl eine Frage der besseren Organisation von menschlichen Ressourcen um mehr Effizienz zu erzielen.

Wochenblatt / ABC Color

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8 Kommentare zu “Ein leidliches Thema: Tankstellen, öffentliche Straßen und Alkohol

  1. In Paraguay gibt es im Grund viele Gesetze und Bestimmungen, manche davon sogar sehr vernünftig. Doch das ist das Eine. Das Andere ist, daß viele Gesetze und Bestimmungen einfach ignoriert werden und niemand ist da, der die Gesetze/Bestimmungen konsequent überwacht und bei Verstößen ahndet. Warum nur? Sind die Paraguayer wirklich so unbelehrbar, stur und ignorant, oder an was liegt dass? Nehmen wir z.B. folgende Gesetze/Erlasse: Helmpflicht für Motorradfahrer, auf Motorrädern dürfen max.2 Personen sitzen, Einführung einer Versicherungspflicht für Motorräder und Kfz., Einführung einer TÜV-Überprüfung für Motorfahrzeuge u.v.m. Polizisten die sich als Verkehrsteilnehmer selbst nicht an die Regeln halten sind täglich zu beobachten. Auch dürften Polizisten während des Dienste nicht mit dem Handy telefonieren und tun es dennoch ganz offen. Selbst gegen Ruhestörung gibt es Gesetze – nur niemand hält sich daran. In meiner Nachbarschaft ist z.B. ein Polizist der größte Verursacher lauter Musik. Hausmüll wird ringsum abgebrannt, obwohl verboten. Felder dürften ebenso nicht abgebrannt werden weil dies langfristig zu Atemwegserkrankungen führt. Rinder dürften nicht auf den Straßen frei herum laufen und tun es dennoch unter den Augen der Polizei. Manchmal denke ich diesem Volk ist nicht zu helfen. Ich habe wirklich noch nirgendwo so viel Sturheit und Ignoranz erlebt!

    1. Die weisen sagen: Das Maß für die Freiheit, ist immer die Freiheit des anderen.

      Für Paraguay trifft dies genau zu. Hier kann jeder machen was er möchte. Gesetze sind bestenfalls als grober Anhalt zu verstehen. Deswegen gibt es auch so viele Betrüger (auch aus Deutschland entflohene) hier. Jeder kann bauen, verbrennen und generell machen was er will. Das freut viele Einwanderer. Anfangs. Bis sie entdecken, daß diese Freiheit auch von ihren Nachbarn genutzt wird. Und den anderen Verkehrsteilnehmern. Und den Arbeitern. Und und und. Ja Paraguay hat mehr Freiheit, als vielleicht jedes andere Land auf der Welt.

      Was viele DACHLER unter Freiheit verstehen, ist leider etwas ganz Anderes. Zwei Hauptarten sind mir schon oft begegnet

      1) Jeder hat die Freiheit UNSERE (gemeint sind Deutsche) Gesetze zu befolgen. Wir sind gründlich und machen alles besser. Stimmt grundsätzlich. Aber warum kommt so jemand dann ausgerechnet nach Paraguay, wo genau das Gegenteil von Deutscher Korrektheit, Pünktlichkeit und Ordnung herrscht?

      2) ICH will alle Freiheit. ICH will tun und lassen können was ich will. Die anderen sollen sich verdammt noch einmal ordentlich benehmen und sich an die Gesetze halten. Wo kommen wir da hin, wenn jeder (!) macht was er will. Meine Arbeiter müssen pünktlich sein. Mein 40 Jahre jüngere chica muß mir treu sein. Die Leute von der Muni sollen für MEINE Ruhe und Ordnung sorgen. Die Polizei soll gefälligst ihre Arbeit tun, damit ich in meinem schönen Haus ruhig schlafen kann, aber wenn ich betrunken heimfahre, sollen mich die Abzocker bitte in Ruhe lassen.

      Es allen Menschen recht getan, ist eine Kunst die keiner kann.

      1. Zu Punkt 1 Ihrer Ausführungen: Ich glaube, wenn die Einwanderer nach Paraguay das wüßten, was sie innerhalb der nächsten 5 Jahre hier erleben, würden sie tatsächlich nicht kommen wollen. Aber sie wissen es nicht! Dafür sorgen viele Dachler als Einwanderungshelfer, Quartiergeber und Immobilienmakler, sowie schön aufgemachte, märchenhafte Paraguay-Lektüren, ebenfalls von Dachlern in den Umlauf gebracht. Es geht also folgerichtig zunächst darum die eigenen Landsleute her zu locken und möglichst lange zu melken. Sobald die Einwanderer hier ankommen investieren sie zumeist sehr viel in Grundstück und Immobilie und Auto. Das meiste Geld ist damit weg und kann nicht mehr ohne Verlust flüssig gemacht werden, wenn überhaupt. Und genau das hindert wieder viele Eingewanderte daran in die alte Heimat zurück zu kehren. Sofern sie aber ihren Verstand noch besitzen werden sie zu Kritikern der Um- und Zustände hier. Dafür werden sie dann wieder einmal mehr von ihren “lieben Landsleuten” in übler Art und Weise in Foren schlecht geredet, bis hin zu den dümmlichen Fragen, warum sie dann überhaupt in Paraguay leben. Dies gipfelt dann in den Unverschämtheiten der Landsleuten die ja ständig am “melken” sind, die Kritiker mögen doch bitte das Land wieder verlassen. Ja, das könnte ihnen so passen, damit sie weiterhin Neulinge über den Tisch ziehen können und niemand würde ihre Märchen vom Paradies Paraguay in Frage stellen.

        1. So ist es. Ich kenne einige, denen nicht nur überteuerte Grundstücke angedreht wurden, sondern es wurden sogar Häuser gleichzeitig mehrfach verkauft. Andere Alleinreisende wurden frisch in Paraguay angekommen ins Hinterland gelockt und dort abgezockt (Erpressung, Nötigung, Drohungen), besonders einfach weil keine Polizei weit und breit und jegliche Orientierung fehlte, im Gegensatz zur Stadt, wo es nicht so einfach ist. Alles die lieben Landsleute gemacht, 100 mal gieriger als der gewöhnliche Paraguayer, der sich oft mit wenig zufrieden gibt.
          Leider sind Neuankömmlinge beratungsresistent und zu vertrauensselig. Das war so als ich vor Jahren hier eingewandert bin und wird wohl auch so bleiben. Also Warnung vor Deutschen im Ausland, besonders wenn sie übermäßig nett und hilfsbereit auftreten, oft nur eine Falle, besonders wenn noch hübsche Mädchen präsentiert werden.
          Ich habe von Anfang an niemandem getraut, mein Geld zusammen gehalten und auch nicht damit geprotzt. So habe ich nur ganz wenig Lehrgeld gezahlt, nicht der Rede wert. Häuser oder Grundstücke sollte man erst nach mehrjährigem Aufenthalt kaufen und nur mit Notar, solange besser zur Miete wohnen und sich die Nachbarn gut aussuchen. Bei günstigen Angeboten besonders misstrauich werden.
          Inzwischen habe ich mich ganz gut eingewöhnt, sodass dies alles kein Thema für mich ist. Im Großen und Ganzen gefällt es mir inzwischen in Paraguay.

  2. Grundsaetzlich finde ich verantwortungslos in einen Land zu ziehen, ohne vorher zu rechechiert haben, die Sprache zu kennen. Py ist in ganz Lateinamerika ist das Land mit dem meisten Korruption/armut/ schlechteste Bildungsniveau etc., aber das sollte einen im voraus schon klar sein.

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