Eine Dampfmaschine in Paraguay

Ybytyruzú: Der Besitzer des Dampfkessels war Vittorio Bellenzier, geboren 1860 in der Stadt Benetton in Italien. Mit nur 18 Jahren reiste er per Schiff nach Südamerika.

Von der Küste einer italienischen Stadt im Jahre 1878 kam Vittorio mit einem Segelschiff nach Südamerika, geflüchtet wegen politischen Verfolgung. Seine neue Arbeitsstelle war in Buenos Aires bei einer Eisenbahngesellschaft. Dabei eignete er sich Fachwissen über die Herstellung von Eisenbahnschwellen an und beschloss nach Paraguay zu gehen. 1927 wanderte Bellenzier in die neu gegründete Kolonie Independencia ein, um sich dort in der Nähe niederzulassen, wo er ein Sägewerk am Ufer des Tacuara Baches und der Cordillera de Ybytyruzú baute.

Damit Vittorio die Seite des Baches Tacuara erreichen konnte wurde ein Schlupfweg eröffnet, dabei musste man einen Sumpf von mehr als einem Kilometer überqueren. Viele Baumstämme wurden verlegt, darüber transportierten sie den historischen Dampfkessel. Von Villarrica aus wurde der Umzug mit 36 Ochsen in drei Tagen geschafft, das sind mehr als 30 Kilometer.

Nach der Ankunft an ihrer Liegenschaft begann der Aufbau des Sägewerkes, aber dieser verursachte viele Probleme. Mangelnde Transportmöglichkeiten und das Fehlen mehrere unverzichtbare Werkzeuge dehnten die Endmontage in die Länge. Die Söhne von Vittorio, die Brüder Modesto, Antonio und Konstantino schafften aber die Fertigstellung. Mit einigen Arbeitern begannen sie die Produktion, so kam das Sägewerk in Schwung. Alle waren jung und schafften mit Begeisterung, nach einigen Jahren eröffneten sie einen alternativen Weg auf die Hauptstraße. Ziel dieser Strategie war es, die Route zu dem zukünftigen Dorf abzukürzen. Das war notwendig, damit das gesägte Holz schneller an die Kunden geliefert werden konnte. Es entwickelte sich eine kleine Holzindustrie, dadurch zogen viele Familien in diese Gegend.

Das Gebiet um den Tacuara Bach war in aller Munde, es wurde eine privilegierte Zone für Besucher. Das Haus Vittorios stand dabei im Mittelpunkt, es hatte damals schon 2 Etagen und einen Balkon mit einem wunderbaren Blick auf die Ybytyruzú Berge. Die Konstruktion war komplett aus Holz, selbst das Dach bestand aus Holzschindeln.

Doch dann kam das Unerwartete in den ruhigen Ort, es begann der Krieg zwischen Paraguay und Bolivien, die Söhne von Vittorio hatten keine andere Wahl und mussten in die paraguayische Armee. Dadurch konnte das Sägewerk nicht richtig arbeiten, und die Holzproduktion wurde reduziert. Nach drei Jahren, als der Krieg im Jahre 1935 endete, kamen die drei Brüder wieder in die Kolonie. Es herrschte große Armut unter der Bevölkerung, aber sie gaben nicht auf und arbeiteten härter denn je und der Erfolg kehrte zurück.

Am Wochenende kamen öfter Menschen von der Stadt um die Gegend zu besuchen, der Ort war sehr attraktiv, die Besucher waren begeistert von den Bächen mit ihren sauberen Wasser, die Urwälder voller Früchte und sie hatten ihren Spaß durch die Bäche zu laufen. Sonntags um die Mittagszeit spielte sein Sohn Modesto mit seinem Bandoneon und andere Freunde Gitarre, so entwickelte sich eine organisierte Feier die sehr genossen wurde. Einige Siedler begannen einen leckeren hausgemachten Wein in kleinen Fässern zu produzieren, bald hatten sie den Schrecken des Chaco-Krieges vergessen.

Viele Bekannte wurden verletzt und blieben behindert, andere tapfere Soldaten, die gefangen waren, brauchten viele Jahre um in die Heimat zurückzukehren. Aber die Wichtigkeit einer kleinen Industrie hatte dazu beigetragen, ein Leben mit Freunden und Nachbarn zu ermöglichen und die Moral zu stärken. Das Sägewerk gab vielen Menschen Arbeit in dem kleinen Dorf und war der Pionier für den Fortschritt dieser Region der neuen Kolonie.

Dann kam ein verlockendes Angebot von einem Estanciero, der sie überzeugte das Sägewerk bei ihm aufzubauen, dort fand sich mehr Rohstoff direkt vor Ort.
Eine große Menge Holz sollte für den Export bestimmt sein. Mit großer Anstrengung demontierten sie die gesamte Maschinerie, den Dampfkessel bewegten sie wieder mit mehreren Ochsen und überquerten dabei mehrere Flüsse. Beim Wiederaufbau hatten sie viele Schwierigkeiten. Das Fehlen wesentlicher Bestandteile war ein großes Hindernis, noch dazu weit weg von der Stadt um diese schnell zu besorgen. Jedoch nahm das Sägewerk nach geraumer Zeit seinen Betrieb auf. Der Ort hieß Cora Guazú, der Fluss Tebicuary.

Leider hatten sie nach einigen Jahren Probleme mit dem Landeigentümer, der Betrieb musste stillgelegt werden. In kürzester Zeit entschieden sie sich das Sägewerk zurück an seinem alten Platz in die neue Kolonie zu transportieren. Die Sägemühle nahm dort seinen Betrieb nochmals auf, konnte jedoch nicht mehr an den wirtschaftlichen Erfolg in den Anfangsjahren anknüpfen und ging im Laufe der Zeit unter. Vittorio starb in Villarrica im Jahre 1944, im Alter von 84 Jahre.

Heute steht diese alte Dampfmaschine in Melgarejo, ein Ort in der Nähe der Kolonie Independencia. Der Enkel des Besitzers will diese zusammen mit der Stadtverwaltung restaurieren und auf dem Stadtplatz ausstellen.

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6 Kommentare zu “Eine Dampfmaschine in Paraguay

        1. Lieber Hans,
          eine Geschichte ist IMMER auch Lüge weil man nicht alle Seiten beleuchten kann und auch nicht will. Denken Sie einmal über die negativen Seiten eines Sägewerkes nach….

          Die Geschichte mit „Der Mann der Bäume pflanzte“ habe ich als Kontrast zum Sägewerk hier eingestellt um die unterschiedlichen Wege der menschlichen Schaffenskraft zu unterstreichen. Diese Plastifizierung der Schaffenskraft haben beide Geschichten gemein.

          Über die Bedeutung der einen oder der anderen Geschichte läßt streiten. Die eine verherrlicht den unbedingten Willen sich in der Marktwirtschaft zu behaupten und die andere selbstlos die Natur zu erhalten, ggf. aufzubauen.

          Hier die in Trick verfilmte Version vom „Mann der Bäume pflanzt“ für Lesemuffel.

          LG

  1. Bla bla bla, scheint sehr Mitteilungsbeduerftig zu sein der Schreiberling, etwas kindlich geschrieben, aber scheints mit Engagement…

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