Einst Erzfeinde, heute gute Kumpel

Asunción: Was mochten bloß die Journalisten der Cartes-Presse gedacht haben, nachdem sie über drei Jahre Rodolfo Friedmann, den “Schülerfrückstücks-Räuber“ kritisierten, heute das Foto sahen, in dem ihr Chef Cartes und Friedmann sich umarmen?

Der Moment, in dem man merkt, dass alles an was man glaubte, alles was einem für wahr und richtig erklärt wurde, nun fälsch oder nicht existent ist. Die Klage gegen Friedmann wird entweder fallengelassen oder man merkt früher oder später, dass es keine Beweise gibt und schon ist der Käse gelutscht. Das Colorado Volk feiert und alle sind glücklich. Dieses Foto ist unter anderem der Beweis, dass die Cartes-Presse die Wahrheit verdrehte, die Wahrheit verdreht und weiterhin zu ihren Gunsten die Wahrheit verdrehen wird.

Wie Friedmann im Dezember letztes Jahr noch in seinem Post schrieb: „Geld und Macht werden niemals den Wille des Volkes kaufen können“, kann man nur hoffen, dass er Recht behält. Er zumindest ist weich und unterwürfig geworden, könnte man meinen.

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4 Kommentare zu “Einst Erzfeinde, heute gute Kumpel

  1. Der Mann (Rodolfo Friedmann) habe die 3. Sekundarstufe nicht abgeschlossen. War oder ist immer noch Landwirtschaftsminister des Paraguay. In diverse mutmaßlich kriminelle Machenschaften verwickelt (mutmaßlich da die Staatsanwaltschaft nichts finden will oder aufgrund “Instruktionen / Bildung” nichts finden kann). Jedoch kein außergewöhnlicher Fall von offensichtlicher und schamloser Korruption und Vetternwirtschaft, in einem doch schönen Land wie das Paradies, Gestank, Lärm und Gesetzlosigkeit inklusive.

  2. Ein großes Problem in der hiesigen Kultur ist die Unbeständigkeit und Unzuverlässigkeit der Menschen. Was heute noch richtig ist, kann morgen schon falsch sein. Was heute Recht ist, kann morgen schon Unrecht sein. Heute Freund, morgen Feind und übermorgen wieder in anderer Reihenfolge. Auf niemand kann man sich wirklich verlassen und niemand darf und kann man vertrauen. Nicht einmal Verträge haben Gültigkeit und sind oft das Papier nicht wert, auf das sie geschrieben wurden. Recht mittels der Justiz zu erlangen ist die reinste Lotterie. Amigos gibt es an jeder Ecke – aber wirkliche, zuverlässige Freunde? Nun lebe ich schon seit 18 Jahren hier in Paraguay, fern von meiner einstigen weltlichen und kirchlichen Gemeinde und meinen Freunden. Und dennoch habe ich bis heute zu meinen ehemaligen Freunden sehr gute Kontakt und sie besuchen mich und interessieren sich für mich und meine Familie. Das vermisse ich sehr hier in Paraguay. Hier lebenden Landsleuten sind überwiegend geprägt von Egoismus und Neid, Bekanntschaften bleiben oberflächlich und lau und entsprechen eher einer Stammtisch- und Bierlaune. Daher ist Mißtrauen mehr als angesagt. Und die Paraguayer, wer wird sie je richtig verstehen und einschätzen können? So ist die neue Situation zwischen Cartes und Friedmann doch in Wirklichkeit nichts anderes, als ein Synonym für die zwischenmenschlichen Beziehungen der meisten Menschen hier. Nicht nur in der Politik ist das so, das zieht sich wie ein roter Faden durch alle Gesellschaftsschichten. Die Menschen leben aus der Spontanität und aus Gefühlswallungen heraus, aus brutaler Selbstsucht sowie der Suche nach Übervorteilung des Anderen. Mit innerlich verfestigten Werten und klarem Charakter hat das nichts zu tun. Je früher das Einwanderer erkennen, desto weniger leben sie hier mit falschen Illusionen in einer Traumblase und bleiben vor Schaden bewahrt.

    1. Vollste Zustimmung. Menschliche “Werte” sind in Paraguay nichts wert. Davon kann man sich ja nichts kaufen. Die Fixierung auf Geld und Macht ist extrem.
      Mir ist aber trotzdem mal was ganz seltenes passiert: Ein ehemaliger Arbeitskollege (aus dem Landesinneren) half mir mal einen Baum zu entwurzeln – ohne Gegenleistung!

      1. Auch ich habe ähnliche Fälle schon erlebt. Aber das kommt wirklich nur selten vor. Immer dann, wenn ich schon wirklich den Glauben an das Gute im Menschen und an das Recht verlieren wollte, geben mir solche Einzelfälle wieder etwas Hoffnung, daß noch nicht alles verloren ist.

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