Großer Erfolg in Berlin

Berlin: Ana Brun aus “Die Erbinnen“ gewann den Silbernen Bär als beste Darstellerin der Berlinale. Ein verdienter Erfolg für den Erstling aus Paraguay im Wettbewerb des Filmfestivals.

Die paraguayische Schauspielerin Ana Brun (68) ist bisher völlig unbekannt. Das liegt daran, dass sie im Theater ausschließlich unter dem Namen Patricia Abente aufgetreten ist. Erst für ihr Filmdebüt “Die Erbinnen“ hat sie sich entschieden, einen Künstlernamen zu wählen.

Ana Patricia Abente Brun, die genauso alt ist wie die Berlinale selbst bevorzugte für den Film eine Kombination aus erstem Vornamen und dem Nachnamen der Mutter. Wie von vielen Kritikern vorhergesagt, wurde sie zum Abschluss der 68. Berlinale mit dem Silbernen Bär als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Die Ehrung ist hoch verdient. Ana Brun verkörpert im Spielfilm-Erstling von Autor und Regisseur Marcelo Martinessi mit faszinierender Intensität die Endsechzigerin Chela. Seit Jahren lebt sie mit Chiquita (Margarita Irún) zusammen. Das Paar hat finanzielle Probleme und verkauft den Hausstand, wobei Chiquita ihre Partnerin übervorteilt. Doch Chela emanzipiert sich schließlich. Ana Brun zeigt das sensibel und ohne Effekthascherei.

Hauptberuflich arbeitet Ana Patricia Abente Brun als Rechtsanwältin in Paraguyas Hauptstadt Asunción. Am Theater trat sie lediglich nebenbei auf. Ihr Debut gab sie 1970.

In Berlin sagte Ana Brun unmittelbar nach der Berlinale-Premiere von “Die Erbinnen“ mit Tränen in den Augen: “Ich zeige hier sehr viel von mir selbst, von meinem Leben. Mehr möchte ich dazu nicht sagen“. “Die Generation meiner Mutter durfte nicht über Sex, Homosexualität oder Politik sprechen. Wir mussten nähen, sticken und auf den Ehemann aufpassen. Ich konnte mich dem entziehen, aber das Leben meiner Oma und meiner Mutter war so“, sagte Brun zu paraguayischen Medien.

Nach dem Erfolg von “Die Erbinnen“ in Berlin hofft Ana Brun, dass der Film zu einem breiten gesellschaftlichen Wandel in ihrem Heimatland beitragen kann. Darin wird sie auch von der Schauspielerin Ana Ivanova, die eine wichtige Nebenrolle im Film hat, unterstützt: “Für Paraguay ist dieser Film ein Samenkorn, eine Investition in die Zukunft. Denn unser Erfolg ermutigt die Jungen, endlich den Mund aufzumachen. “ Sie ergänzte: “Bei uns zählen Frauen nichts. Wirklich nichts. Wir sind Beiwerk. Dieser Film gibt uns Gesichter und Stimmen. “ Mit ihrem Silbernen Bär ist Ana Brun jetzt das Gesicht Paraguays.

Wochenblatt / DPA

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1 Kommentar zu “Großer Erfolg in Berlin

  1. Habe gerade den Trailer gesehen und nicht verstanden, worum es im Film geht. Auf Wikipedia dann die Handlung gelesen und mich gefragt, wer hier die Zielgruppe sein mag. Sicher, weltweit werden sich Cineasten und Lesben den Film anschauen, aber in Paraguay wird wohl kaum jemand den Film moegen, auch wenn sie sich momentan in den sozialen Netzwerken wie Bolle freuen. Aber wohl eher nur, dass endlich mal was „paraguayisches“ internationale Beachtung findet. Eine hoechst seltene Sache!

    Das Thema Homosexualitaet ist in Paraguay tabu (was ich gut finde), von daher ist es schon kurios, dass man gerade mit so einem Film international Preise gewinnt.

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