Horacio Cartes: Sein Lebenslauf in 580 Wörtern

Asunción: Horacio Cartes (63) hat viele eigenartige Einträge in seinem Lebenslauf. Zum einen war er der erste und einzige Präsident, der verurteilt hinter Gittern saß und zum anderen wählte er das erste Mal bei einer Präsidentschaftswahl als er sich selbst die Stimme gab.

Horacio Cartes wurde spätestens 1985 öffentlich bekannt, als er wegen Betrug der Zentralbank in Höhe von 35 Millionen US-Dollar verurteilt wurde. Erst 1989, nach vier Jahren auf der Flucht vor der Justiz, wurde er in Tacumbú eingesperrt. Nach 5 Monaten kam er jedoch wieder heraus. Die Gründe sind bis heute vollkommen unbekannt und nicht nachvollziehbar. Erst 2008 endet dieses juristische Verfolgung als Cartes von dem Prozess befreit wurde. Verantwortliche wurden keine ausgemacht, das veruntreute Geld tauchte ebenso wenig wieder auf.

Nach seinem Aufenthalt hinter Gittern gründete er zusammen mit Dario Messer Cam­bios Amambay, und nutzen die Figur von Cesar Monti als Geschäftsführer. Heute heißt das Geldinstitut Banco Basa. In diesem Jahren wurde auch der Tabakkonzern Tabacos del Paraguay S.A. gegründet, wo Cartes Hauptaktionär ist. Ebenso erblickte Bebidas del Paraguay S.A. das Licht der Welt.

Im Jahr 2000 beschlagnahmten Mitglieder des Anti-Drogen Sekretariat (Senad) ein Flugzeug mit einer Ladung Drogen auf der Estancia „La Esperanza“. Jahre später wurde sein Onkel Juan Domingo Viveros Cartes zu 8 Jahren Haft wegen dem Fliegen eines Drogenflugzeuges verurteilt. 20 Jahre später, als Cartes bei der paraguayischen Fußballvereinigung arbeitete und zur gleichen Zeit Präsident des Klubs Libertad war, untersuchte die US-Behörde DEA ihn auf Verwicklungen in Drogengeschäfte und Geldwäsche. Laut den Ergebnissen von damals soll Cartes Anführer einer kriminellen Organisation sein, di sich dem Drogenhandel im Dreiländereck hingibt. Seine Verbindungen zu Firmen in den USA sollen die Geldwäsche ermöglichen. Obwohl nichts darüber bekannt ist, was ein abschließender Bericht dazu aussagt, wurden zumindest die Unterlagen dazu dank Wikileaks im Jahr 2011 bekannt.

Während er von der DEA untersucht wurde trat er in die Colorado Partei ein und ließ mit Galaverna’s Hilfe die Statuten ändern, damit er Präsidentschaftskandidat werden kann. Von 2013 bis 2018 war er Präsident des Landes. Ein Jahr vor Ende seines Mandats, kam es wegen seiner verfassungswidrigen Wiederwahlwünsche zu gewaltsamen Ausschreitungen von Polizei und Demonstranten, die neben einem Todesopfer auch den Kongressbrand mit sich brachten.

Im Jahr 2018 gewann er wieder einmal verfassungswidrig einen Platz als Senator. Andere Senatoren ließen ihn jedoch kein Amtseid ablegen.

Obwohl die Rechtsanwälte von Cartes es immer wieder abstreiten, erkennt ein Richter aus Rio de Janeiro die profunden Beziehungen von Cartes und Messer, die bis in die 80er Jahre zurückreichen, als Dario Messer’s Vater Horacio Cartes 4 Jahre lang Unterschlupf vor der paraguayischen Justiz bot.

Gegen Dario Messer wurde schon seit Jahrzehnten ermittelt. Seine Kunden sitzen heute verurteilt mit bis zu 200 Jahren Haft hinter Gittern.

“In den 90ern kauften Horacio und Darío eine Estancia zusammen (…) Im Jahr 2016, bei einem öffentlichen Event, erklärte Horacio Cartes dass Dario ein Bruder in der Seele sei”, schrieb Richter Bretas.

Im Juni 2018 hat Dario Messer einen Brief an den Patrón geschrieben, in dem er von ihm 500.000 US-Dollar für juristische Ausgaben erbittet, die ihm sein Freund Roque Fabiano Silvera überbringen sollte, der ihn auf seiner Estancia in Salto del Guairá versteckte. Cartes riet Messer sich nach dem 15. August zu stellen, wenn er kein Präsident mehr ist.

Gesucht von der brasilianischen Justiz werden in dem Zusammenhang neben Horacio Cartes Lucas Lucio Mereles Paredes, Eigentümer von Cambios Yrendague S.A. Felipe Cogorno Álvarez, Eigentümer von Shopping China. Édgar Ceferino Aranda Franco und José Fermín Val­dez González, Eigentümer von Fe Cambios S.A., Jorge Alberto Ojeda Segovia, Devisenhändler bei Forex Paraguay S.A. und Leticia Bóveda, Anwältin von Da­río Messer.

Wochenblatt / El Independiente

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6 Kommentare zu “Horacio Cartes: Sein Lebenslauf in 580 Wörtern

  1. Nun, dies lässt doch tief blicken? Wäre es nicht wichtig, einen Präsidenten, der doch auch Vorbildfunktion hat, voher auf Straftaten zu überprüfen? Wer schonmal wegen derartiger Delikte im Gefängnis war, sollte solch ein Amt auch nicht bekleiden dürfen? Dies würde das brasilianische Parlament gleich völlig aushebeln, wäre das nicht sinnvoll?
    Aber Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit werden nur von den Bürgern verlangt, Politiker sind da die Ausnahme. Traurig! Was ist nur mit unserer Moral los?

  2. ..stimmt nur zum Teil Ch.005 Die Presse hat schon 2013 über HC berichtet. Zusammenhänge bei Banken, auch über Zigarettenschmuggel und anderes. Nur, keinen Interesse damals. Auch wie seine Wahl zustande gekommen ist, wurde berichtet. Auch im WB!

  3. Das läßt tief blicken in die Machenschaften der Colorados. Statt so einen Menschen fern zu halten bzw. sich von ihm zu distanzieren, verteidigen sie ihn und bemitleiden ihn. Geht´s noch? Am besten den ganzen „Verein“ auflösen! Aber sicherlich nicht in Paraguay möglich, denn hier gelten andere Maßstäbe und Moralvorstellungen. Es ist wirklich zum fremdschämen!!!!!!!!!!!!!!!

  4. Warum greift jetzt niemand gegen diesen Verbrecher durch?

    Von dem auf kriminelle Weise zusammengerafften Vermögen könnte man einige Staatshaushalte von Paraguay finanzieren.

    1. Weil jeder in Paraguay vor ihm Angst hat, deswegen. Er ist wie Don Corleone in Der Pate. Wer ihm etwas böses will, wird kaltgemacht.
      Er brauchte ja auch gar nicht zum Verhör zu gehen trotz richterlicher Einladung, als Messer ausgeliefert werden sollte.

      Er kann sich in Paraguay alles erlauben, trotzdem wirds ihm nicht schmecken demnächst nicht ins Ausland zu können.

  5. Schwarzbader in Jawel

    Antworten

    Wenn Cartes wegen Betrug der Zentralbank in Höhe von 35 Millionen US-Dollar rechtskräftig verurteilt wurde und das Geld nie mehr gesehen ward, dürfte es klar sein, warum er bereits nach 5 Monaten wieder aus bis heute vollkommen unbekannten und nicht nachvollziehbaren Gründen wieder heraus kam. Wer da noch ein wenig an den Milliönchen USD mitsaugen konnte, interessiert bis heute niemand. Dabei muss man sich „…nach 5 Monaten wieder aus bis heute vollkommen unbekannten und nicht nachvollziehbaren Gründen wieder heraus kam“ NICHT erst zweimal überlegen, um KEINEN Unterschied zwischen Gurkina Faso, Kongo, Äquatorialguinea, Südsudan, Somalia und Paragauy zu erkennen.

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