In Gewalt umgeschlagen

Asunción: Der Universitätsrat Cones schloss gestern mehrere Studiengänge der Universität Unasur und ließ die Studenten nicht nur mit fragenden Gesichtern zurück. Ihr Unwissen schlug in Gewalt um. Ein Lösung ist noch nicht gefunden.

Wie schon vor rund zwei Wochen wurden erneut 12 Studiengänge in allen Filialen der Unasur Universität als ungültig erklärt. Die Universitäten baten diese Bildungswege an ohne eine Erlaubnis dafür gehabt zu haben. Demnach kann auch kein legaler Universitätstitel ausgestellt werden. Die Unasur ist eine Bildungsstätte, die besonders im Inland in kleinen Gebäuden Lehr- und Studiengänge anbietet, die dem Klang nach was zu bedeuten haben. Allerdings verbirgt sich hinter solchen Angeboten meist ein Bezahlsystem, was der Universität bei einer hohen Anzahl von Studenten, einen gewissen Profit einbringt. Bis vor kurzem agierte der Universitätsrat quasi nicht, jetzt umso mehr.

Die Studenten der Unasur Universität an den Strassen Cerro Corá und Perú haben sich in zwei Gruppen aufgeteilt, die einerseits die Institution verteidigen und andererseits Gefängnis für die Betreiber fordern. Sie gingen gewaltsam aufeinander los.

Eigentümer Arnaldo Decoud und Direktorin Mirtha Reyes erklärten ab jetzt keine Monatsraten mehr kassieren zu wollen. Ebenso sollen all die Studenten, die sich eine andere Universität suchen wollen, ihre Dokumente kostenlos ausgegeben bekommen.

Die betroffenen Studiengänge sind Krankenpflege, Ernährung, Radiologie, Physiotherapie, Apotheker, Industriechemiker, Psychologie, Tiermedizin, Geburtshelfer, Apotheken Administration, Internationaler Handel, Grafisches Design, Hotelfach-angestellter.

Im Gegensatz zu Europa studiert hier die Mehrzahl der jungen Paraguayer am Abend in Universitäten, die nicht das sind, was man eventuell erwartet. Nach einigen Jahren und vielen Gebühren haben sie dann ihr Diplom, wenn dies auch im Ausland wenig wert hat. Spezielle Studiengänge werden nur Samstag angeboten, für all die Personen, die unter der Woche keine Zeit haben.

Wochenblatt / Abc Color

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6 Kommentare zu “In Gewalt umgeschlagen

  1. Ich kann die Wut der Studenten zweifellos verstehen. Und das Angebot der Universitaetsleitung der Unasur ist ja ein Witz sondergleichen!

    Warum – so ploetzlich – erkennt dieser komische Universitaetsrat die Studiengaenge nicht an? Warum setzt man sich nicht mal zusammen hin und diskutiert wie die Qualitaet der Lehre besser werden kann?
    Es ist extrem wichtig, dass die Studenten einen Abschluss machen koennen, auch wenn der bestenfalls in Europa mit einer dualen Ausbildung (wenn überhaupt) gleichgesetzt werden kann.

    In die „Eliteuni“ der Universidad Nacional kommen die Studenten aus aermeren Familien ja eh nicht rein, da diese für die Soehne einflussreicher Politiker reserviert sind und fuer Schueler aus der Oberschicht, die aus teuren Privatschulen mit entsprechender Lehre kommen.

    1. „Privatschulen mit entsprechender Lehre kommen.“

      Wer nichts kann, der sollte auch nicht studieren. Besonders die „Paraguayer aus ärmeren Schichten“ haben sehr oft einfach nicht das Potenzial für eine höhere Ausbildung. Das klingt jetzt für einen Europäer nach einem Vorurteil, aber ein Vor-urteil ist ja ein Urteil, welches man fällt BEVOR man sich mit der Sache beschäftigt hat.
      Meine Aussage erfolgt nach Jahren der Erfahrung. Es ist einfach so. Was hier als Arzt rumläuft, außerhalb von Asu, In ASU gibt es ein paar gute Krankenhäuser und Ärzte, welche aber auch (fast) europäische Preise haben), daß würde eventuell als Krankenpfleger oder Rotkreuzhelfer in DACHL durchgehen von der Ausbildung her. Krankenschwestern haben in der Regel gar keine Grundkenntnisse, außer das kleine 1×1, sowie Realschulniveau in Spanisch, jedoch 1a im bedienen ihres Smartphones. Das ist keine Satire, oder übertrieben, ich meine das Wortwörtlich. Man kann sich solch ein Un-wissen als Deutscher kaum vorstellen, daß man damit den Beruf ausüben kann. Aber hier geht das.

      Wenn jetzt solche Stätten geschlossen werden, welche an quasi Analphabeten die nicht Wissen was eine Blutgruppe ist, ein Diplom ausstellen, dann ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Leider gibt es davon noch viel zu viele. Gerade die angesprochenen Ärmeren Paraguayer werden da gnadenlos abgezockt, man verspricht ihnen dort für kleines Geld ein Papier welches noch kleineren Wert hat – aber sie fahren darauf ab, weil es das Beste ist, was sie eben können.

      Die „Universidad Nacional“ ist im übrigen KEINE Eliteuni, sondern schlicht und einfach die einzige halbwegs normale Einrichtung im Lande. Wer dort nicht aufgenommen wird, weil er den Test nicht schafft, der hat nicht einmal Deutsches Realschulniveau erreicht .

      „einflussreicher Politiker reserviert “
      Wer es sich leisten kann, der schickt seine Kinder nach USA oder DE zum Studium, falls sie es dort nicht schaffen, DANN kommt die Universidad Nacional zu Zuge; Beispiel Senorita Perla. Wir sind hier in einem dritte Welt Land, nicht in der ersten Welt – hier gibt es Kuhhirten und Feldarbeiter, aber kein Silicon Valley oder Medizinische Forschungszentren.

      1. 9mm, ich muss Dir hier voll zustimmen. Ich habe mich immer gewehrt gegen die Aussage, Paraguayer sind dumm….sie sind einfach dumm geboren, und nur wenigen wird der Schritt ins 21. Jahrhundert gelingen…der kleine Aufstand an der Unasur zeugt dagegen von einer gewissen Gegenwehr einiger weniger, die nicht die Plata haben um an der für PY Verhältnisse Top Uni studieren zu dürfen

      2. Deswegen habe ich ja die UNA als „Eliteuni „mit Gänsefüsschen gesetzt, weil das ironisch gemeint war. Wenn da noch nicht mal ausländische Professoren unterrichten dürfen und eine Menge Planilleros am Start sind, dann ist das weit weg von einer Eliteuni. Forschung quasi inexistent.
        Aber wer einiges auf dem Kasten hat, der kommt entweder von der UNA oder von der Catolica. Und wer dann von denen herausragt, der hat ganz sicher noch im Ausland studiert. Es ist verblüffend, wie viele Leute noch ins Ausland gehen mit Stipendium, NACHDEM sie ja schon ihren paraguayischen Titel hier haben. So als ob der paraguayische Titel noch nix wert ist.

        UNASUR, UPAP und wie die alle heissen, da hab ich persönlich noch nie jemanden kennengelernt, der da studiert hat, aber weil ich oft an der Unasur vorbeifahre, sehe ich schon welches Klientel da „studiert“.
        Aber wenn der Staat nicht weitere Universitaeten mit vernünftiger Ausbildung errichtet, dann soll sie vielleicht wenigstens diese Privat“unis“ beraten, was sie besser machen muessen-und nicht sofort schliessen. Wie das gehen soll, weiß ich allerdings nicht.

    2. Dem Cones werden nicht alle Fälle (Unis und Carreras) gemeldet, deswegen kann er nicht oder nur spät einschreiten. Mit den regulären Unis arbeitet Cones gut zusammen, wobei die Verbesserung der Lehre eines der Ziele ist. Die irregulären sind das Problem. Sobald diese denunziert werden, schaltet sich Cones ein.

  2. Das viel zu viel junge Leute studieren wollen ist leider ein weltweites Problem. Auch in Deutschland und USA haben viele Studienabgänger keine Chance eine entsprechende Stellung zu bekommen nur die Besten haben eine Chance. Der Rest versucht in einer Behörde unterzukommen oder notfalls in die Politik zu gehen, ansonsten Taxifahrer oder von einem Praktikum zum nächsten. Keiner will sich eben mehr die Hände schmutzig machen. Aber leider ist eben auch die Intelligenz nicht überall gleich verteilt.

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