Asunción: Während das politische System in Paraguay nach dem Kollaps der ueno bank und dem Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Santiago Peña im Ausnahmezustand ist, bricht nun auch offener Streit im Lager der regierenden Colorado-Partei (ANR) aus.
In drastischen Worten rechnete der Colorado-Senator Gustavo Leite in einem Interview mit dem Sender 1020 AM mit der eigenen Parteiführung und dem angeschlagenen Staatschef ab. Leite forderte die ANR auf, sich offen einzugestehen,dass man damals „einen Banditen“ an die Spitze des Staates gesetzt habe.
Die wahren Drahtzieher im Hintergrund
Laut Leite habe die Präsidentschaft von Beginn an einen schiefen Weg eingeschlagen, was sich unter anderem in umstrittenen Immobiliengeschäften wie dem Bau einer luxuriösen Residenz in San Bernardino kurz nach Amtsantritt gezeigt habe.
Auf die Frage nach den Hintermännern des Systems und der verheerenden Finanzkrise äußerte sich der Senator besonders scharfzüngig:
„Die Leute sagen mir: Peña ist ein böses Genie, aber der Chef der Bande, der wahre Kopf dahinter, ist Carlos Fernández Valdovinos.“
Mit dieser Aussage zielt Leite direkt auf den ehemaligen Wirtschafts- und Finanzminister Carlos Fernández Valdovinos,der das Ressort von August 2023 bis Ende März dieses Jahres geleitet hatte, bevor er im Zuge angekündigter Sparmaßnahmen und einer angeblichen „Kriegswirtschaft“ von seinem Posten zurücktrat.
Kein Entrinnen für Peña
Auch mit dem politischen Schicksal des scheidenden beziehungsweise angeklagten Präsidenten ging Leite hart ins Gericht. Er beschrieb Peña als trickreich („chicanero“), der nun versuchen werde, sich durch diplomatische Manöver oder den Gang in eine Botschaft der Verantwortung zu entziehen:
Ohne Entschuldigung: „Er wird sich nicht einfach so ergeben, weil er weiß, dass er zu weit gegangen ist. Es gibt keine Vergebung, es gibt keine Ausrede für das, was passiert ist“, warnte der Parlamentarier.
Die scharfen Töne aus den eigenen Reihen unterstreichen, wie tief der Riss im paraguayischen Machtgefüge mittlerweile ist. Während das Parlament über das politische Schicksal des Präsidenten berät, zeigt das parteiinterne Fingerhakeln, dass die Suche nach den Hauptverantwortlichen des ueno-Skandals erst begonnen hat.
Wochenblatt / Hoy















