Asunción riecht nicht mehr nur nach roter Erde. Heute ist der dominierende Duft in den wichtigsten Geschäftsvierteln der von frisch gerösteten Bohnen. Was als Nischentrend begann, hat sich zu einer Marktumbruch entwickelt.
Von einer Kultur, die von Yerba-Mate-Aufgüssen dominiert wurde, hin zu einem Kaffee-Ökosystem, das Investitionen anzieht, den Gastronomisektor professionalisiert, internationale Ketten expandieren lässt und lokale Röstereien hervorbringt – Asunción hat sich auf der regionalen Landkarte positioniert.
Der Sprung bei den Importen, die um 71,8 % gegenüber den 7,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 in die Höhe schnellten, spiegelt den Wandel im Lebensstil der Paraguayer und eine Chance für die gesamte gastronomische Wertschöpfungskette wider.
Vom funktionellen Frühstück zum Lifestyle
Der Wandel des paraguayischen Marktes ist qualitativer Natur. Carlos Quinto, Branchenexperte und Inhaber von Café Quinto, erklärt: „Der funktionelle Kaffee ist kein einfaches Getränk mehr, sondern ein zentrales Element neuer sozialer Routinen und Arbeitsbereiche geworden.“
Die „Premiumisierung“ der Nachfrage zeigt sich im veränderten Verhalten: Konsumenten wechseln von Instantkaffee zu hochwertigeren Optionen und übernehmen internationale Trends wie Kaltgetränke (Cold Brew) und Filtermethoden.
Dieser Boom hat auch den gastronomischen Immobilienmarkt befeuert. „Derzeit eröffnen monatlich mehr als fünf neue Cafés im Land, was die stetig wachsende Nachfrage belegt.“ Specialty Coffee – Kaffee mit einer technischen Bewertung von über 80 Punkten – steht an der Spitze dieser Pyramide. Laut Quinto ist jedoch die Demokratisierung des Zugangs das wichtigste Phänomen, da Premiumprodukte nun auch Supermärkte, Büros und Privathaushalte erreichen.
Die Wettbewerbskarte: Die internationalen Giganten
Die Reife des Marktes spiegelt sich in der Konsolidierung internationaler Marken wider:
Café Martínez: Die argentinische Kette ist führend im Premium-Segment und knackte Anfang 2026 die Marke von 20 Filialen. Laut Country Manager Hernán Attanassio verkauft die Firma monatlich über 40 Tonnen Kaffee.
Juan Valdez: Die Marke der kolumbianischen Kaffeebauern ist seit 2015 in Asunción und betreibt heute mehr als 15 Filialen. Die Expansion konzentriert sich nun verstärkt auf Gebiete außerhalb der Hauptstadt.
Starbucks: Seit dem Markteintritt im Mai 2023 expandierte die Kette schnell in strategische Einkaufszentren wie Paseo La Galería, Mariscal, Pinedo und Mariano. Eine Kernstrategie ist die kulturelle Anpassung des Menüs durch die Integration traditioneller Produkte.
Weitere Akteure: Marken wie La Habana, Marley Coffee, McCafé, Nespresso und La Panera Rosa (im Segment „Aesthetic Cafés“) haben das Angebot weiter diversifiziert.
Konsum gekoppelt an Wachstum
Matías Ordeix, Präsident von CC Gourmet – Cafepar SA, betont, dass sich der lokale Gaumen weg von Billigkaffee hin zu Qualität entwickelt hat. Seine Firma vertritt die italienische Marke Lavazza, die jährlich sechs bis acht Container aus Italien importiert und ein durchschnittliches Wachstum von 25 % verzeichnet.
Ordeix erklärt, dass der Anstieg des Konsums eng mit dem Wirtschaftswachstum, der höheren Kaufkraft und der Zunahme von Auslandsreisen verknüpft ist, wodurch Konsumenten neue Standards kennenlernen. Trotz dieser Entwicklung führt Instantkaffee den Markt volumenmäßig weiterhin an, gefolgt von gemahlenem Kaffee und Bohnen. „Kaffee Torrado“ (mit Zucker geröstet) zeigt hingegen einen Abwärtstrend.
Der Meilenstein von Kaffe’i
Ein Wendepunkt in der Professionalisierung war der Oktober 2025: Das Café Kaffe’i im Stadtzentrum von Asunción wurde von der Organisation The World’s 100 Best Coffee Shops als eines der Top 100 Cafés in Südamerika ausgezeichnet. Kaffe’i führte das Konzept der urbanen Mikrorösterei in der Calle Palma ein und arbeitet mit Bohnen aus Bolivien, Brasilien und experimentell auch aus Paraguay.
Der Kampf: Kaffee vs. Yerba Mate und Cocido
Trotz des Kaffee-Booms bleibt Paraguay tief in seinen traditionellen Aufgüssen verwurzelt:
Tereré (kalter Mate) hält eine unschlagbare Marktdurchdringung von 81,6 % in städtischen Gebieten.
Heißer Mate dominiert in 69 % der Haushalte.
Mate Cocido ist der direkteste Konkurrent des Kaffees beim Frühstück.
Die Yerba-Industrie hat reagiert und die Tradition industrialisiert; Marken wie Mickey, Indega und Campesino bieten Instant-Versionen und Teebeutel an, die in puncto Bequemlichkeit direkt mit löslichem Kaffee konkurrieren.
Wochenblatt / Abc Color














