Asunción: Nach den ernüchternden Ergebnissen der PISA-Studie 2025, die Paraguay einen Rückgang der Schülerleistungen in den Bereichen Lesekompetenz und Naturwissenschaften bescheinigt, hat Bildungsminister Luis Ramírez Stellung bezogen.
Der Minister führte den Abwärtstrend primär auf eine sinkende Anzahl effektiver Unterrichtsstunden zurück und forderte eine verstärkte Einbindung von Schulberatern und Psychologen.
Keine Zauberformel: Sprachbarrieren und Guarani im Fokus
Ramírez betonte im Gespräch mit dem Sender GEN, dass es keine einfachen Lösungen für die strukturellen Defizite im Bildungssystem gebe. Die Verbesserung der Schülerleistungen sei ein langfristiger gesellschaftlicher Prozess, der das Engagement von Lehrkräften und Eltern gleichermaßen erfordere:
-Sprachliche Grundlagen und Vorschulbildung: Der Minister hob die Bedeutung von Programmen für die frühe Kindheit hervor. Während Kinder ohne entsprechende Förderung beim Eintritt in den Vorschulbereich teils nur einen Wortschatz von etwa 100 Wörtern besäßen, erreichten geförderte Kinder 1.000 bis 1.500 Wörter.
-Der Einfluss der Mehrsprachigkeit: Das Sprachverhalten wirkt sich laut Ramírez direkt auf die Testergebnisse aus. Da 31 % der Bevölkerung ausschließlich Guarani, 36 % Bilingual und nur 29 % ausschließlich Spanisch sprechen, schnitten viele Schüler bei Prüfungen auf Spanisch schlechter ab. Er sprach sich dafür aus, Spanisch verstärkt als Zweitsprache nach moderneren pädagogischen Konzepten zu unterrichten.
Technologie, Digitalisierung und Grundfertigkeiten
Hinsichtlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI) warnte der Minister vor einer Dämonisierung der Technologie. Im Rahmen des Digitalisierungsprogramms Conectados seien im laufenden Jahr 30.000 Schüler und im Vorjahr 22.000 Schüler an das Internet angebunden worden – von Letzteren befänden sich heute bereits 40 % im Arbeitsmarkt.
Abschließend warnte Ramírez jedoch davor, praktische Fertigkeiten über schulische Basiskompetenzen zu stellen. Es helfe wenig, wenn Jugendliche zwar Motorrad fahren könnten, es jedoch an Grundlagen im Lesen, Schreiben und Rechnen fehle.
Ausblick auf die Bildungsreform
Um den negativen Trend der PISA-Studie nachhaltig umzukehren, wird sich das Bildungsministerium in den kommenden Monaten auf eine Überarbeitung der Sprachdidaktik und eine Aufstockung der realen Unterrichtszeiten konzentrieren müssen. Nur durch die Kombination aus sprachlicher Chancengleichheit für Guarani-Muttersprachler und einer konsequenten Stärkung der MINT-Grundlagen wird Paraguay den Anschluss an internationale Bildungsstandards wahren können.
Wochenblatt / La Nación














