Krise der UNA

Am Dienstag schrieben wir über den Antrag auf Beurlaubung des Rektors der UNA zum 1. Oktober, der akademische Rat traf sich außerordentlich und nahm den Antrag mit sofortiger Wirkung an und empfahl den freiwilligen Rücktritt von Froilán Peralta. Der Rektor hält sich seit Sonntag an einem unbekannten Ort auf und ließ zunächst verkünden, er werde auf keinen Fall zurücktreten, später änderte er seinen Standpunkt und ließ erklären, er trete dann zurück wenn auch alle 12 Dekane der UNA abdanken, da schließlich alle die gleichen Beschäftigungsstrategien anwendeten.

Studenten halten weiterhin Wache vor dem Rektorat. Am Dienstag versperrten Sie den Ausgang für die Mitarbeiter. Nach Verhandlungen mit der Staatsanwaltschaft und der Drohung, Spezialtruppen der Polizei einzusetzen, wurden die Rektoratsangestellten um 14:00 Uhr, eine Stunde nach Dienstschluss, in die Freiheit entlassen. Peralta ließ den Strom im Rektorat abstellen, sodass die Mitarbeiter und die Mitglieder des akademischen Rats eine Stunde ohne Klimaanlage und Wasser ausharren mussten.

una_proteste

Zahlreiche Firmen lieferten in den vergangenen Tagen kostenlos Getränke und Nahrungsmittel an die demonstrierenden Studenten und unterstützten werbewirksam ihre Proteste. Die Feuerwehr kühlte die Gemüter mehrfach mit Löschwasser ab, was bei Temperaturen über 40ºC dankend angenommen wurde.

Die Geschäftsführerin des Rektorats, Gloria Filomena Netto Duarte, und ihre Nichte, Personalchefin, Carmen Martínez Méndez, beschäftigten ebenfalls zahlreiche Verwandte als Dozenten in der veterinärmedizinischen Fakultät, wie Última Hora am Donnerstag enthüllte. Die beiden, die auch als Dozenten auf der Gehaltsliste standen, und ihre etwa 20 Verwandten verdienten zusammen monatlich ca. 170.000 Millionen Guaranies.

ABC Color deckte auf, dass Peralta im vergangenen Jahr zwölf Auslandsreisen unternahm, davon acht mit seiner angeheirateten Nichte und Privatsekretärin, Tatiana Cogliolo Izquierdo. Die letzte Reise dehnte sich vom 8. August bis zum 15. September aus. Beliebtestes Reiseziel war dabei Panama City, allerdings ist sich ABC nicht sicher, ob von dort aus weitergeflogen wurde.

Bisher sind der Dekan der Rechtswissenschaften und weitere fünf Kollegen bereit abzudanken. Der Dekan der Fakultät für Architektur schließt eine Amtsniederlegung kategorisch aus. Er kandidiert gerade als Bürgermeister von Asunción und ist der einzige Dekan der UNA ohne Parteibuch der ANR.

In der Nacht zum Freitag eskalierte die Situation in der UNA. Eigentlich stand die UNA an diesem Tag still, da der 126. Geburtstag der Institution begangen wurde. Als Studierende María del Carmen Martínez mit einem Stapel Papiere aus dem Rektorat eilen sahen und diese in den Geländewagen einer privaten Sicherheitsfirma einstieg umringten sie das Fahrzeug. Die Fahrer durften aussteigen, die Personalchefin wurde zurückgehalten und die Staatsanwaltschaft verständigt.

Doch die Staatsanwaltschaft kam nicht. Nach vielen erfolglosen Anrufversuchen bei der Staatsanwältin Blanca Aquino ging diese schließlich ans Telefon. Der Anruf wurde über ein Megaphon verstärkt und im Hintergrund war klar die Stimme von Juan Carlos Galaverna (Calé), dem politischen Ziehvater von Peralta, zu hören.

Gegen ein Uhr nachts, mit mehr als vierstündiger Verspätung, erschien Aquino vor Ort, um das Fahrzeug des Sicherheitsdienstes samt Insassin mitzunehmen. Die Studenten ließen das nicht zu. Sie hatten del Carmen Martínez beobachtet, wie diese Papiere in Ritzen des Fahrzeugs sowie ihrer Kleidung versteckte und so viel davon aß wie möglich. Sie handelten aus, dass eine Leibesvisitation unter Beobachtung von drei Medizinstudentinnen vorgenommen wurde. Außerdem wurde das Fahrzeug von der Staatsanwaltschaft versiegelt und am Freitagmorgen unter den Augen der Studierenden durchsucht.

Ebenfalls am Freitagmorgen wurde das Rektorat geöffnet, wo Luz Aquino und Leticia Deggeller verhaftet wurden, die dort von Donnerstag bis Freitag zusammen mit Wachleuten eingeschlossen waren und nach Angaben der Studenten Papiere verbrannten. Aquino erklärte zunächst, dass sie nichts mit den Vorfällen im Rektorat zu tun habe, da dies in den Bereich Wirtschaftsdelikte gehöre. Erst als Sprecher der Studenten ihr die Rechtslage nachhaltig erklärten, war sie bereit das Rektorat zu versiegeln und später untersuchen zu lassen.

Der Generalstaatsanwalt, Javier Díaz Verón, zog Aquino am Freitag von dem Fall ab und betraute Gerardo Mosqueira, Christian Ortiz und Julián Ortiz mit den Ermittlungen. Gegen Aquino kündigte er ein internes Dienstverfahren an.

una_mitarbeiterin2

Mehrere Dokumente, darunter Kontoauszüge und zwei USB-Sticks konnten bei der Durchsuchung von del Carmen Martínez sichergestellt werden. Auch im Dekanat der Tiermedizin hielten sich in der Nacht zum Freitag mehrere Personen auf und verbrannten Dokumente, ebenfalls filmten Studenten mit ihren Handys wie ein Computer aus der Ferne manipuliert wurde um Dokumente zu löschen. Ähnliches soll sich auch in der Fakultäten für Philosophie und für Medizin abgespielt haben.

Der Senator Galaverna räumte am Donnerstag ein, dass sein Freund Peralta möglicherweise eine „kleine Unvorsichtigkeit“ in der Personalpolitik begangen habe, allerdings müsse das nichts rechtswidriges sein und Peralta sei nach wie vor ein „brillanter Akademiker“, „ein Mann der Universität“. Nach wie vor halte er Peralta für einen „Ferrari“ in dieser Position. Calé hatte den Mitbewerber für das Rektorenamt seinerzeit als „alten VW-Käfer“ bezeichnet. Da Peralta sich seit Dienstag verborgen hält präsentierten die Demonstranten Schilder mit der Aufschrift: „Calé, wo ist Dein Ferrari?“

Am Freitagnachmittag erhoben die neuen Staatsanwälte formell Anklage gegen Froilán Peralta und weitere 12 Personen. Gegen Peralta stellten sie einen Haftbefehl aus, wenige Stunden später präsentierte er sich mit seiner Anwältin bei der Staatsanwaltschaft, zuvor teilte er in einem Schreiben seinen Rücktritt mit. Die Anwälting, Sara Parquet, erklärte sie und ihr Klient seien wie Tiere behandelt worden, die Unschuldsvermutung sei nicht gewahrt und sie werde die Unschuld von Peralta beweisen. Peralta wurde nach dem Verhör in der Arrestzelle der Staatsanwaltschaft festgehalten.

veterinaria_verbrennung

Ebenfalls am Freitagnachmittag zeigten Studenten an, dass Tiere in der Veterinaria geschlachtet und verbrannt wurden, um das einäschern von Dokumenten zu verschleiern. Am Freitagabend war das Rektorat noch immer verschlossen, nachdem Studenten vergeblich forderten, die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft bei der Durchsuchung überwachen zu dürfen. Eine Mitarbeiterin des Rektorats sagte aus, bereits vor 10 Tagen die Verbrennung von Dokumenten beobachtet zu haben, aufgrund von Einschüchterungen hätte sie bisher aber nichts gesagt.

una_alemania

Auch in Berlin unterstützte eine Gruppe von Paraguayern symbolisch die Studenten der UNA.

Gegen 22:00 Uhr am Freitag schlug die Richterin Lici Sánchez eine Kautionsangebot von Parquet aus und verfügte 5 Tage Untersuchungshaft in der Staatsanwaltschaft, sie folgte damit dem Gesuch der Staatsanwälte, die befürchteten Peralta könne die Zerstörung weiterer Dokumente anordnen, falls er in Freiheit ist.

In diesen Beitrag sind Informationen aus 31 Zeitungsartikeln, einer Fernsehsendung und einem persönlichen Interview mit eingeflossen, das dürfte Wochenblatt-Rekord sein.

Quellen: Canal 13, Última Hora, ABC Color, Paraguay.com

Der Zweck dieses Dienstes ist die Wertsteigerung der Nachrichten und um einen flüssigeren Kontakt zu den Lesern zu etablieren. Kommentare sollten an das Thema des Artikels angepasst werden. Die Kommentatoren sind ausschließlich für den Inhalt verantwortlich, der sachlich und klar sein sollte. Schimpfwörter und persönliche Beleidigungen sowie Rassismus werden nicht geduldet.

10 Kommentare zu “Krise der UNA

  1. Es ist schön zu lesen, dass die Paraguayer sich nicht alles als alternativslos einreden lassen, sondern die Schmarotzer des Systems direkt anprangern, das zeugt von dem Willen, den Mächtigen nicht alles völlig kampflos zu überlassen..Respekt!
    Jedenfalls anders als dies in Deutschland pasiert, wo man Tante Ferkel auch noch die letze Sauerei erlaubt!

  2. Gute Zusammenfassung einer ganzen Woche!!! Und es geht weiter, zur Zeit laufen weitere Ermittlungen der Fiscalia auf dem Gelaende der UNA und die Studenten halten Wache damit nichts „vertuscht“ wird. Montag ist hier Feiertag und Dienstag und die anderen Tage gehts dann weiter. Die Studenten trauen nur sich selbst….da selbst die Anwaeltin des nun verhafteten Rectors Froilán und die Richterin die ihn gestern erstmal hinter Gitter gesteckt hat sehr gut miteinander bekannt sind. Da werden noch Koepfe rollen….oder die ganze Sache wird „von oben“ abgeblockt. Eigentlich machen die Studenten die Ermittlungsarbeit und sind bei jedem Fund von noch so kleinen Papierschnipseln dabei. Selbst die ermittelnde Fiscalia lassen sie in kein Gebaeude der UNA ohne Begleitung von mindestens 2 Studenten als Kontroll-Zeugen…vorsorglich! Der President Horacio Cartes beglueckwuenst die Studenten fuer ihre Proteste. Eigentlich sollte Herrn Cartes ein wenig die Muffe gehen…..denn es geht nicht nur gegen die Korruption innerhalb der UNA….sondern im Allgemeinen!! Das Volk fuehlt sich betrogen und bestohlen und das nicht nur von den Funktionaeren der UNA….die teilweise bis 20 – 50 Familienmitglieder oder nahestehende Personen auf die Gehaltslisten bei fuerstlichen Bezuegen setzten…..die gar keine Funktion innehatten. Das Volk ist sauer und erhebt sich…MIT RECHT!!

  3. aktuelle Nachricht von 14,28 Uhr, ABC Color: Die drei Frauen die versucht haben belastenden Dokumente aus der UNA zu schmuggeln oder dort zu vernichten werden werden heute nachmittag ins Frauengefaengnis BUEN PASTOR in Asuncion verlegt…… Na, dann mal dort viel Vergnuegen, da nuetzen auch nicht die Unmengen von Kreditkarten und ungerechterweise bezogenen utopischen Gehaelter. Hier der Artikel in Spanisch http://www.abc.com.py/nacionales/las-tres-van-al-buen-pastor-1411593.html Der verhaftete Ex-Rektor Froilán Peralta wird, so das TV, in 5 Tagen aus der vorlaeufigen Untersuchungshaft in das beruechtigte Maennergefaengnis TACUMBÚ ueberstellt…..es sei denn alles stellt sich als Irrtum raus…….

  4. Ja, es rappelt gewaltig….und nicht nur gegen die Funktionaere der Universitaet UNA…..sondern auch gegen die weiter „hoeheren“ Institutionen….. Mehrer Einrichtungen wie die Krankenschwestern der IPS haben sich den Protesten angeschlossen sowie auch andere Universitaeten, seien es nun oeffentliche oder private. Kurze Zusammenfassung von heute (Montag ist hier Feiertag und Dienstag sollen die Ermittlungen weitergehen……sollen) Die 3 Frauen die wegen Vernichtung und Beseitigung von Beweismaterialien verhaftet wurden wurden gestern abend noch ins Frauengefaengnis BUEN PASTOR ueberstellt….obwohl das Gefaengnis sie nicht aufnehmen wollte….WEIL ES SCHON FEIERABEND WAR…. Per Geichtsbeschluss wurden sie dann doch verpflichtet die 3 Frauen, zwei von denen auch noch Verwandte, in ihre Einrichtung aufzunehmen. Hier ein paar Infos von heute, 27.9.2015: Waehrend hier die paraguayischen Studenten seit einer Woche die Korruption in der Universitaet aufdecken und anklagen spricht der President Cartes in NEW YORK vom Kampf gegen die Armut im Land……waehrend sich die oberen 10.000 in Paraguay die Taschen mit Geld des Volkes vollstopfen…. Mit Sicherheit haben die Regierungsmitglieder ihre Schaerflein rein vorsorglich schon im Trocknen….bzw ausser Landes…..denn irgendwann sind sie auch dran. Das Volk will sich nicht mehr die Korruption und den Diebstal seitens Uni und Regierung gefallen lassen….wobei die leider alle irgendwie verwandt oder verschwaegert und zumindest Mitbeteiligte und Mit-Komplizen an den Misstaenden sind….also die Regierung und der ganze Verwaltungsapparat….denke ich…wird nun egal wie durchleuchtet.
    Profi-Koeche und Kochschulen und viele Privat- und Geschaeftsleute spenden, kochen und versorgen die UNA-Protestierenden und es wird um weitere Lebensmittelspenden gebeten. Immerhin harren die da schon eine volle Woche aus. In den Regierungspalaesten muss doch genug Essen vorhanden sein….und auch Personal. Immerhin hat jeder Senator ZWEI PERSOENLICHE KELLNER…..die koennen fuers Geld doch auch mal was Sinnvolles machen waehrend der President des Landes sich gar nicht im Lande befindet. Wer weiss wo er und andere gerade ihre Gelder in Sicherheit bringen……..Mit Sicherheit nicht in Paraguay….

    1. Danke Unica für die Beiträge … das sind die Kommentare weswegen ich durch das Wochblatt scrolle … Leute die sich engagieren, die aus unterschiedlichen Winkeln das Geschehen beleuchten … und übermorgen schalten sie die Funktion hier ab … dafür fehlt mir das Verständnis liebe Redaktion.

  5. Der Dekan der Fakultad fuer Oekonomie und Ingenieurswesen sind heute, Sonntag, auch zurueckgetreten. Heute, Sonntag abend, kommen die Nachrichten des TV-Kanals DIREKT UND LIVE vom Campus der Universitaet UNA

  6. Na, vielleicht holt sich HC in den USA ja auch gerade Verstärkung gegen die „linken und kommunistischen“ Studenten. Wenn man vielleicht letztendlich der Regierung ans Fell will, ist das ein Putsch und dagegen muss dann mit aller Härte, auch der befreundeten Staaten, vorgegangen werden.

    Gegenwärtig dürften viele Funcionarios sehr fleißig sein, fleißig im Wegschaffen von Geldern und Beseitigen von Beweisen, weil einigen der A…. auf Grundeis gehen dürfte.
    Aber ich bin sicher, HC bekommt das hin. Da werden einige Exempel statuiert, etwas Geld unters Volk gestreut, einige Bösewichte landen für 2 Jahre im Gefängnis, um hinterher in Ruhe mit ihren Dollarmillionen in Panama, Florida oder sonstwo leben zu können.
    Und da die Medien in den Händen der Mächtigen sind, wird auch von dort nur gegen diese gaaanz bösen UNA-Leute gewettert, um alles andere rauszuhalten.
    Letztendlich passiert dann gar nichts, ausser dass vielleicht der Mindestlohn steigt und damit dann wieder die Preise.

    1. Erstmal steigen die Steuern…..“zur Bekaempfung der Armut“….so H.C. Na ja, vielleicht lernt er es doch mal…. Ansonsten….RICHTIG @franz!! Kann ich nur zustimmen. „Die“ werden schon fleissig dabei sein ihre Schaerflein ins Trockene zu bringen

Kommentar hinzufügen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.