Kuriositäten und Wissenswertes aus Paraguays Vergangenheit – Teil 6

Wie der Tee nach Paraguay kam

Der Tee auf dem Weg nach Südamerika kam zuerst nach Paraguay. Ein Deutscher, geboren 1865 in Kösen (heute Bad Kösen) kam 1892 nach Paraguay und zog nach Nueva Germania. In der deutschen Kolonie in San Pedro heiratete er Elsa Erck und kurz darauf wurden seine Kinder Werner, Elfriede und Hilde geboren. Aus gesundheitlichen Gründen verließ die Familie den Norden des Landes und zogen vorübergehend nach San Bernardino.

Am 11. Januar 1911 kam er mit Elsa und den drei Kindern nach Villarrica. Er brachte auch ein paar Yerba-Samen mit, um sich in der nahegelegenen Bergkette landwirtschaftlich zu betätigen. Sein Name war William Siebold.

William empfing und entsendete Briefe an seinen Neffen, Christian Siebold, der in London lebte und arbeitete. Dieser sendete ihm über diplomatische Post 40 Samen des Ceylon Tees den William in seinem Haus nahe der Berge anbaute. Dies passierte im November 1911. Die Samen trieben problemlos an diesem Ort und mit seinem Sohn Werner begannen sie diese zu hegen und zu pflegen. Werner war ein voll ausgebildeter Winzer und fabrizierte auch den „Vino Guaraní“.

Die Teepflanzen wuchsen ohne Probleme und die Familie Siebold genoss ihn zu trinken. Zu Beginn des Jahres 1931 kam ein schweizerischer Globetrotter mit dem Namen Emil August Flury nach Villarrica und suchte Tabak den er in seiner Berner Zigarrenfabrik mitnehmen konnte. Flury freundete sich mit William an und später heiratete dieser dessen Tochter Elfriede. Der Schweizer interessierte sich für den Tee des Schwiegervaters weswegen er Proben davon nach Berlin entsandte mit dem Resultat: „von hoher Qualität“. Der Industrieriese Krupp erklärte Emil Flury, dass er etwa 100 ha Anbaufläche des Tees benötigt, damit es industriell nutzbar und sinnvoll wäre.

Flury suchte Pflanzer im ganzen Paraguay und nur der Guaireño Leopoldo Ramos Giménez fand sich und sagte, dass dies die Zukunft sei. Im Juli 1934 reiste Flury nach Posadas (Argentinien) mit Samen aus Villarrica. Bis 1938 wurde Tee fast im kompletten Nordwesten Argentiniens angebaut und auch in Misiones (Argentinien) wurde er angepflanzt und geerntet. Seine Ehefrau Elfride starb 1942 in Buenos Aires und kurz darauf auch Flury, der einen Herzinfarkt bekam. Er wurde 78 Jahre alt.

Die Teepflanzen warten darauf erneut angepflanzt zu werden, um ein neues Kapitel der Geschichte zu schreiben welche mit William Siebold und seinem Schwiegersohn Emil Flury begann.

William pflanzte Wein an und Emil suchte Tabak und in der Provinz Guairá verwandelten sich beide in die Hauptdarsteller einer fast vergessenen Geschichte.

(Wochenblatt / Abc / Foto: Reproduktion von globaltravel.tk)

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3 Kommentare zu “Kuriositäten und Wissenswertes aus Paraguays Vergangenheit – Teil 6

  1. Hier noch eine kleine Ergänzung zu Ihrem Artikel: Emil Aug. FLURI, mein Onkel, benachrichtete seine Familie in einem Brief datiert vom August 1928, dass er sich in Bremerhaven nach Südamerika einschiffen werde („WERRA“ 12.08.1928 ?)
    1962 kehrte er, schwer herzkrank, in seine Heimat zurück, wo er am 16.05.1966 starb.
    Wilhelm Siebold, sein Schwiegervater wurde 98 Jahre alt und starb 1964 in Villarrica.

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