La Dolce Vita

Asunción: Es gibt Angewohnheiten, die wohl nie enden wollen, darunter Vettern- oder Freunderlwirtschaft. Hier ein passendes Beispiel dafür.

Jeden Morgen zwischen 07:20 und 07:30 Uhr kommt die Assistentin des Abgeordneten, Luis Urbieta (ANR-HC), María de Lourdes Pagliaro Cubas, mit ihrem Mercede Benz SLK 350 vor das Abgeordnetenhaus gefahren und und schaltet für einige Minuten das Warnblinklicht an. Sie geht hinein, markiert ihren Arbeitsbeginn und braust wieder davon. Am Nachmittag, zwischen 12:01 und 14:22 Uhr wiederholt sich das Spiel.

Sie ist die Nichte der Ex-Abgeordneten Concepción Cubas de Villaalta und seit 2013 im Abgeordnetenhaus angestellt. Sie verdient 5.500.000 Guaranies. Ihre Schwester Fatima, ganz ohne Funktion angestellt, verdient 7.400.000 Guaranies pro Monat. Als man María de Lourdes in ihrem Büro suchte kannte nur ihr Bruder Jose, ein weiterer Angestellter, ihren Namen. Als sie von der Tageszeitung Abc Color auf ihre Fehlen angesprochen wurde, erklärte sie Papiere für den Abgeordneten herumzufahren. Als sie etwas detailreicher erklären sollte, was sie genau machte, wurde sie kleinlaut und verwies auf private Belange.

Als Resümee kann man drei junge Angestellte aus dem Departement Concepción erkennen, die allesamt kein schlechtes Geld verdienen aber eigentlich nichts leisten – und dass wohl schon seit mehr als 5 Jahren. Ebenso zeigt es auf, dass die biometrischen Uhren mit Fingerabdrucksensor nicht überlistet werden müssen, um falsche Aussagen zu treffen. Es sind einfache Planilleros, die sich die Zeit nehmen, um Früh und Mittag im Eingangsbereich kurz zu erscheinen.

Wochenblatt / Abc Color

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10 Kommentare zu “La Dolce Vita

  1. 5.500.000 Guaranies pro Monat sind ja nicht so viel. Nur etwa tausend Dollar, aber immerhin mehr als das 90% der Menschen hier verdient. Meinte gelesen zu haben, dass das nationale Statistikamt davon ausgeht, dass über 70% der Paragauyos nicht auf den Mindestlohn kommt.
    Aber mit 5.500.000 Guaranies pro Monat und diesen Methoden wäre es richtig langweilig den ganzen Tag nur mit dem Mercedes Benz SLK 350 herum zu fahren, so dass man sich noch einen Zweitjob suchen könnte mit 5.500.000 Guaranies pro Monat.
    Das macht dann, moment, aha, ja, 11 Mio. Gs. pro Monat.
    Dann kann man ja anstatt Müllabfuhr ein paar Streichhölzer sich leisten (kommt billiger) und sich, seine Kinder und Nachbarn vergiften, aber egal, man kann sich so doch einen schicken Mercedes Benz SLK 350, schicke Kleider, schicke Manni- und Pediküre, schickes Haus, schicke Bauernhöfe im Chaco und schicke Restaurants leisten. Jedenfalls wird das die Amigos vom Finanzamt nicht so sehr interessieren.
    Das geht solange gut, bis man dann wegen den Streichhölzern zur Onkologie und sein Hab und Gut verkaufen muss und beim Alemam de M. um Mill bittet, weil die Onkologen auch nicht auf ihr Geld verzichten möchten.

  2. Die Leistung ist, dass sie dieses 2 Mal am Tag schafft ohne zu spät zu kommen. Sie müsste also die Uhr kennen. Vor allem am Morgen wo laut Angabe nur ein Zeitfenster von 10 Minuten besteht. Mir kommt das unglaubwürdig vor weshalb ich hier einmal nachprüfen würde. Die biometrischen Uhren? Ein gutes Geschäft für irgendwen werden sie schon gewesen sein und damit ist der Zweck ja erfüllt.
    Das schöne an Paraguay ist, dass es solche Information überhaupt gibt. Wie hier schon richtig gesagt, könnte man in Europa schlimmeres schreiben, aber ich vermute nur einmal. Dann gäbe es gewaltige Konsequenzen. Die Auswüchse sind immer direkt proportional zur Gutmütigkeit des nationalen Steuerzahlers und die ist in manchen EU Staaten unbegrenzt.

    1. In Europa befassen sich die Medien nicht mit Anwesenheits- Arbeitszeitbetrug. In beweiskräftigen Fällen folgt schlicht, einfach und lautlos die fristlose Kündigung. Und das ist keiner Meldung wert.
      Was die Uhr anbelangt, so kann die Dame möglicherweise auch auf Luxusobjekt zurückgreifen, das ihrem fahrbaren Untersatz entspricht.
      Einerseits wird immer wieder bemängelt, dass in Paraguay 70% der Steuereinnahmen für Gehälter der Staatsbediensteten ausgegeben werden und es deshalb an Geld für Investitionen mangelt, andererseits drückt man in einem Betrugsfall auch noch die Hühneraugen zu.

    2. Ja, genau @Zardoz. Finde ich auch und wie auch @ MH Philipp öfters schreibt: kommt öfters vor und keine Konsequenzen.
      Vermutlich mögen deshalb meine Kommentare über dieses Land auch etwas sehr frech daher kommen, zumal ich und wir alle in Paraguay freundlich aufgenommen wurden, aber eben, bin ich genau Ihrer Meinung: Das Meiste, was ich lese, das hätte in Europa gewaltige Konsequenzen.
      Es wäre (ist) wirklich ein tolles Land Paraguay. Wenn das mit dem Schtrhlzrn und Mllvrbrng nicht wäre, mit viel Freiheiten, wenn nur noch weniger Korruption und mehr fürs Volk drin läge, meine Kommentare würden ganz anders aussehen. Aber man kann nicht alles haben, mit vielem könnte ich leben. Schade, eigentlich, ein tolles Land Paragauy, es fehlt nicht viel, nur ein wenig weniger Korruption (Artikel) und ein wenig mehr Rücksicht der Einheimischen (Schtrhlzrn und Mllvrbrng), dann wäre es ein super Land (auch für mich).

    3. @Zardoz:
      Die Auswüchse sind immer direkt proportional zur Gutmütigkeit des nationalen Steuerzahlers und die ist in manchen EU Staaten unbegrenzt?
      wohl eher proprtional zur Destruktivität der Finanzämter. Da hat mal als Bürger nicht wirklich eine Wahl. Als großes Unternehmen kann man leicht Geschäftsstrukturen entwickeln, um Gewinne zu vermeiden. Aber die breite Mittelschicht, kleine Unternehmen werden bis an die Grenze ausgesaugt und teilweise bewusst ruiniert. Eben Amtsgewalt.

  3. ach je, 1000$, 2000$, darüber kann man sich aufregen?
    ein Witz verglichen mit jeder einzelnen monatl. Spesenabrechnung jedes EU Politiker. Und davon gibt es ein Paar mehr.
    Bei dem Mist den die sich ausdenken wäre es bessere, die würden sich ein Beispiel an paraguayischen Politkern nehmen und einfach nichts tun.
    Oder nehmt Deutschland zum Vergleich. Seit dem Regierungssitzwechsel fliegen haufenweise Flugzeuge zwischen Bonn und Berlin. Mal mit Passagieren, öfters auch mal ohne. Und ihr regt euch hier als Europäer über 1000$ auf.

    1. Für diese Leute ist das Kinkerlitz ja. Mit dem Geld zahlt die sicher bloss den Treibstoff und Wartung ihres Mercedes , mehr ist nicht drin.

      Bringt ja nichts sich aufzuregen, das ist ja so normal hier wie das Amen der Kirche, wenn Verwandte von irgendwelchen Abgeordneten fürs zweimalige Markieren pro Tag 5,5 Millionen Guaranies verdienen.
      Ich gehe mal davon aus, dass 90 % der Paraguayer es nicht anders machen würden, wenn sie die Gelegenheit hätten.

  4. Die Frage stellt sich: Was wird jetzt weiter dagegen unternommen? Oder verbleibt es bei einem kleinen Aufreger und das war es dann?
    Wenn man zwei Fingerabdruckleser verbunden mit einer Schleuse installiert (einen zum öffnen von außen den anderen von innen) wäre es dann wohl gewesen.

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