Asunción: Die Unternehmen warnen aktuell vor einer extrem hohen Fehlquote am Arbeitsplatz, insbesondere bei jungen Arbeitnehmern. Dies zwingt viele Betriebe dazu, für leichtere Tätigkeiten verstärkt wieder ältere Menschen einzustellen.
Luis Tavella, Präsident des Verbandes FEDEMIPYMES, erklärte in einem Interview mit dem Sender GEN, dass wiederholte Fehlzeiten – vor allem an Montagen – in Branchen wie der Industrie und dem Bauwesen zur ständigen Belastung geworden sind.
„In einigen Fällen verzeichnen wir Fehlquoten von 20 % bis 30 %. Für ein Kleinstunternehmen ist das gravierend: Wenn zwei Personen fehlen, ist die Hälfte der Belegschaft weg“, erklärte er. Tavella wies darauf hin, dass 88 % der KMU in Paraguay Kleinstbetriebe mit nur zwei bis vier Angestellten sind. „Der Betrieb steht dann sofort still. Es gibt keinen Ersatz,“ fügte er an.
Trendwende bei der Personalwahl
Angesichts dieser Situation ändern viele Sektoren ihre Einstellungskriterien und priorisieren ältere Bewerber. „Man entscheidet sich heute eher für Menschen im Alter von 45 oder 50 Jahren, weil sie stabiler und verantwortungsbewusster sind“, so Tavella.
Der Großteil der jungen Arbeitskräfte (zwischen 18 und 28 Jahren) stehe im ersten Beschäftigungsverhältnis und bringe wenig Erfahrung mit. Als Ursachen für das Fernbleiben nannte er unter anderem Alkohol- und Drogenkonsum sowie eine veränderte Einstellung zur Arbeit. „Das Problem ist nicht der Mangel an Arbeitsplätzen, sondern dass man keine verantwortungsbewussten Leute findet,“ betonte Tavella.
Kurze Verweildauer und mangelnde Disziplin
Ein weiteres Ärgernis für die Unternehmer: Viele junge Angestellte kündigen bereits nach wenigen Monaten, oft direkt nachdem sie teuer angelernt wurden. „Jemanden auszubilden dauert vier bis sechs Monate. Danach gehen sie aus nichtigen Gründen. Wenn man sie auf Fehler anspricht, sind sie beleidigt und kündigen. Der junge Mitarbeiter will erst um 07:30 Uhr kommen, wenn Arbeitsbeginn um 07:00 Uhr ist. Samstags wollen sie gar nicht erst arbeiten“, klagte er.
Trotz Anreizen wie Anwesenheitsprämien oder Bonuszahlungen lässt sich der Trend kaum stoppen. Laut Tavella brauche es eine globale politische Strategie, um diesem gesellschaftlichen Verfall entgegenzuwirken.
Wochenblatt / Hoy / X / Beitragsbild Archiv















