New Australia – eines der ersten kommunistischen Experimente statuiert in Paraguay

Nueva Londres: Kurz vor Coronel Oviedo an der Ruta 2 erinnern nur ein paar wenige Straßenblocks und ungewöhnliche Nachnamen an ein australisches Projekt, welches zwar schief ging und trotzdem als einzigartiges Beispiel gilt. Die Bevölkerung durch Engländer aus „Down Under“ war eine Hoffnung für viele Mitglieder der australischen Arbeiterklasse.

Vor fast 120 Jahren, am 16. Juli 1893, stach das Holzschiff „Royal Tar“ in Sydney mit 220 Personen an Bord ins Meer. William Lane, der Anführer der Gruppe, versicherte, dass Tausende mehr in das neue sozialistische Paradies in Paraguay folgen werden. Die abenteuerliche Reise über Kap Horn und Montevideo dauerte 71 Tage.

Nach der ersten Wirtschafts- und Bankenkrise Australiens im Jahre 1890 und diversen Niederlagen der Gewerkschaften im maritimen und im Schafscherer Streik war die australische Arbeiterklasse desillusioniert.

Genau in diesem Moment wurde diese Menschenmenge durch diverse Initiativen in zwei geteilt. Während die eine Hälfte in die neue australische Labor Partei eintrat, gründete William Lane 1891 zusammen mit anderen die die New Australia Co-operative Settlement Association, die versuchten ihre Ideale außerhalb von Australien zu verwirklichen.

Diese Vereinigung gab zudem die erste australische Arbeiterzeitung heraus und entsendete Alf Walker aus ihren Reihen nach Südamerika, um Land für Auswanderer zu finden. Lane erhielt über 600 Zusagen zum Auswandern und Walker bekam von der paraguayischen Regierung 187.000 ha Land zugesagt, was Teil der neuen Immigrationspolitik nach dem Tripel Allianz Krieg war.

In dieser Zeit begann Paraguay wieder den Kopf zu heben nachdem sie den Krieg und große Landflächen verloren hatten. Ab 1880 wurden große Landflächen an Investoren verkauft. 1889 installierte Carlos Casado eine Tannin-Fabrik in Alto Paraguay. Im gleichen Jahr wurde das Eisenbahnnetz bis nach Villarrica ausgeweitet und 1891 bis zum Pirapó Fluss.

Durch den damaligen Präsidenten Juan Gaulberto González wurde eine einwanderungsfreundliche Politik betrieben. Es wurden Ländereien kostenlos zur Verfügung gestellt, wenn eine Mindestanzahl an Ausländern da angesiedelt wird. 1881 machten es Deutsche mit San Bernardino vor.

1893 unterzeichnete William Lane einen Vertrag mit dem Präsidenten des Landes mindestens 1.200 Immigranten australischer Herkunft nach Paraguay zu bringen. Schlussendlich kamen etwa nur 500, in zwei Gruppen. Die zweite Gruppe startete am letzten Tag des Jahres in Adelaide.

Am 11. Oktober 1893 wurde der Ort von Richard (Ricardo) Smith und John (Juan) Kennedy gegründet. Der Grundsatz des Miteinanderlebens in der Kolonie basierte auf Gemeinschaftseigentum, kooperativer Arbeit, gemeinschaftlicher Verteilung der Ernte, Leben in heimischen Haushalten, lebenslange Ehen, Alkoholverbot und die Einhaltung der Colour Line (keine Vermischung mit der paraguayischen Bevölkerung).

Polideportivo NL (Facebook)

Obwohl allen Mitgliedern die Regeln bekannt waren traten bald Probleme auf. Zum einen war die Kolonie nicht wirtschaftlich tragend und zum anderen waren die Inflation und das Geldsystem im Allgemeinen am Boden. Zudem war die Anzahl von Frauen in ihrer Gruppe sehr gering. Viele konnten ihre Träume nicht verwirklichen. Während viele das Land wieder verließen blieben andere einfach da.

Eine Gruppe jedoch, erneut angeführt von William Lane entschloss sich eine zweite Kolonie zu gründen, wo Recht und Ordnung besser eingehalten werden sollten. Diese hieß Cosme und lag ungefähr 72 km südlich von Nueva Australia in der Provinz Caazapá.

Als Cosme 1894 gegründet wurde, bestand die Bevölkerung aus 58 Menschen, darunter 39 Männer, 9 Frauen und 10 Kinder. Cosme hatte Landrechte auf 37.000 Hektar. Unter diesen Kolonisten von Cosme war die Schriftstellerin Mary Gilmore (1865–1962), die die monatliche Zeitschrift Cosme Montly dort herausgab und als Lehrerin arbeitete.

In den zwei Jahren der Abwesenheit von Lane in Großbritannien konnten, trotz seiner Kampagne, lediglich 15 Männer für die Kolonie angeworben werden. Nach seiner Rückkehr eskalierte die Krise in Cosme, weil während seiner Abwesenheit sich die Regeln gelockert hatten.

Im November 1897 bestand die Bevölkerung aus 88 Personen, davon 25 Männer, 16 Frauen und 47 Kinder. Zugewandert waren Australier und später Briten, die Lane anwarb. 1909 wurde die Kolonie wegen zu geringer Zuwanderung aufgegeben.

Schon 1897 ereilte die Kolonie Nueva Australia das gleiche Schicksal. Die Zuwanderungszahlen konnten nicht erreicht werden und der Großteil des Landes wurde an die ansässigen Siedler versteigert. Den noch gebliebenen Einwohnern ließ man ein Stück Land zum Leben.

Während ihrer kurzen Zeit des Daseins hatten sie jedoch mit dem Drucken von eigenem Geld gezeigt, Lösungen für gewisse Probleme parat zu haben. Das Regelwerk war jedoch zu umfangreich, dass es hätte dauerhaft eingehalten werden können.

Eigene Währung

Während Nueva Australia im Oktober 1957 zum Distrikt wurde änderte sich auch der Name zu Nueva Londres, Neu London. Die etwa 2.000 Nachkommen der australischen Einwanderer sind heute Teil der paraguayischen Gesellschaft mit Nachnamen wie Kidd, Wood, Smith, Kennedy und Stanley.

Ein Besuch ist der Ort jederzeit Wert. Im Februar wird alljährlich das Tuji Fest gefeiert, wo man im Schlamm tanzt. Die ganze Provinz Caaguazú hat davon gehört oder war schon einmal zugegen.

(Wochenblatt)

Der Zweck dieses Dienstes ist die Wertsteigerung der Nachrichten und um einen flüssigeren Kontakt zu den Lesern zu etablieren. Kommentare sollten an das Thema des Artikels angepasst werden. Die Kommentatoren sind ausschließlich für den Inhalt verantwortlich, der sachlich und klar sein sollte. Schimpfwörter und persönliche Beleidigungen sowie Rassismus werden nicht geduldet.

9 Kommentare zu “New Australia – eines der ersten kommunistischen Experimente statuiert in Paraguay

  1. Was will uns das sagen? Wie viele andere Beispiele es immer wieder bewiesen haben, ist die kommunistische Idee einfach eine Utopie, die nicht überlebensfähig ist – ein Hirngespinst einiger wenigen Fanatiker.

  2. Aus den Artikel entnehme ich das die Kommunisten einfach nichts anderes sind als Lügner und Betrüger.Ein Mann macht die Regel an denen sich alle zu halten haben,das riecht ganz stark nach Stalinimus,Arbeiten,Teilen,Bevormunden,Unterdrücken durch Kollektive Gewalt.Rassismus scheint ja auch eine große Rolle gespielt zuhaben wen absolut keine Vermischung mit Einheimischen statt finden durfte.Jeder Mensch der denken kann weis das ein erhäblicher Männer Überschuß zu Konflikten führt.Aber die Rote Brut wird nie lernen und das Schlimme ist das diese Möchtegern Weltverbesserer wenn sie nicht weiter wissen einen Menschen verachtebdeb Apperat aufbauen (KGB.Stasi. usw)die dann schlimmer als alle Anderen Politischen Formen die Menschen Foltern,Morden,Einschüchtern,und zu unrecht Einsperren.
    Gut das diese Kolonie gescheitert ist.

    1. -Die Rote Brut wird nie lernen und das Schlimme ist das diese Möchtegern Weltverbesserer wenn sie nicht weiter wissen einen Menschen verachtebdeb Apperat aufbauen (KGB.Stasi. usw)die dann schlimmer als alle Anderen Politischen Formen die Menschen Foltern,Morden,Einschüchtern,und zu unrecht Einsperren.-

      In welcher Welt leben Sie eigentlich?????
      Oder wollen Sie die Leser hier agitieren (von lateinisch agitare, „aufregen, aufwiegeln“)?

      Abu Graib, Guantanamo, BRD mit 10.000 (in Worten zehntausend) politischen Gefangenen, weiteren politisch Vervolgten, nur weil diese eine andere Meinung haben, als die staatlich verordnete, Internierungen in den USA ohne zeitliche Begrenzung und ohne Rechtsgrundlage, sind Ihnen das Begriffe, oder wollen Sie das gar nicht wissen?
      Träumen Sie mal schön weiter, bis zum bitteren Erwachen!

      1. ich denke der liebe asgard980 ist eben einer der hier nur seinen unbändigen hass gegen andersdenkende zum ausdruck bringen möchte. kann einem nur leid tun in was für einer tristen welt der gute mann lebt. und abgesehen davon muss er ein völliger gegner sein von freier meinungsäusserung und so was nennt sich dann demokrat.

  3. Was soll man zu solchen (Paraguay?)-Nachrichten sagen? Der Autor schreibt ein Ölfass zusammen und wartet darauf, das die Leser ihre Zündhölzer reinschnippen.

    Gratulation. Hat geklappt. War auch bei so vielen Linken-Hassern zu vermuten. Wahrscheinlich war der Artikel eine Streicheleinheit für die, die ja eh wissen, warum Deutschland den Bach runtergeht und deshalb noch schnell der Letzten Ratte gefolgt sind, welche den Dampfer verlässt.

    Und das auch noch mit dem Triple-Alliance-Krieg. Wo doch gefühlte 99% der Paraguayer jedes Jahr den Gewinn dieses feiern. Erzähle mal einem Paraguayer, das die Kriegsgegner das Gemetzel eingestellt haben, weil nur noch Frauen un Kinder unter den Opfern waren. Ein echter Paraguayer weiss aber die Wahrheit.

    Machismo hin oder her in diesem Land. Mit den Frauen ist nicht zu spassen, wenn sie ein Fullhouse in den Händen halten.

    Umso uninteressanter sind nun wirklich kommunistische Experimente auf Estancias im Chaco. Spätestens an der Grenze dieser Estancia war es vorbei mit diesen Vorhaben. Und seien wir doch ehrlich. Auch an der Haustür einer normalen kommunistischen Familienordnung, wie sie auch bei euch vorherscht, ist es gut, dass der Staat aufhört.

    Eine gute Familie ist immer kommunistisch. Alle bestimmen mit. Aber ich bin mir auch sicher, dass hier viele die rechte Version unterstützen: Meine Faust auf dem Tisch, als Familienoberhaupt, ersetzt die Demokratie.

  4. An Buchholz! Träumen sie ruhig weiter ihren Traum das ändert nichts an meiner Meinung ob sie die Verfehlungen der USA aufzählen ist trotzdem nur ein Tropfen auf den heissen Stein .China das gleiche was sie aufgezählt haben mit eigenen Landsleuten und nur weil sie andere Meinung sind,das gleiche noch schlimmer mit Hinrichtungen anders Denkender in Korea,Cuba Schlägerbanden des Systems dringen Nachts in Häüser angeblich Anders Denkender ein und schlagen das wenige Hab und Gut klein.Das wovon sie sprechen sind Menschen unter Terror Verdacht.Mein 35 jähriger Dienst bei der Bundeswehr hat mich auch in diese Länder geführt und ich weis wo von ich rede.Kann ich von ihren Geschreibe nicht entnehmen, immer USA oder fällt ihnen noch ein anderes Land ein? Wenn ihnen der Kommunismus so gut gefällt dann werden sie doch aktiv zeigen sie mal das es funktioniert, dann und nur dann wenn es klappt werde ich zum Kommunismus schweigen, bis dahin aber bleibt alles beim Alten.

    1. zuerst mal einen dank an herrn paessler fuer den
      interessanten artikel.so viel ich weiss liegt die
      colonia cosme etwas suedlich der stadt caazapa.
      hut ab asgard980-35 jahre bundeswehr.
      vor etlicher zeit habe ich allen „linken“ ganz ernst
      einen vorschlag gemacht beim jetztigen wahlkampf aktiv
      bei einer partei mit zu machen.sie brauchen jeden
      mann/frau.die vorhandenen moeglichkeiten-
      AVANZA PAIS mit mario ferreiro,adolfo fereiro,camilo s.
      FRENTE GUASU mit carillo iramain,lugo,sixto perreira
      PT mit eduardo arce
      die linke frauenbewegung mit lilian soto.
      warum die paar „rechten“wochenblattleser zu beschimpfen.
      zehntausende von paraguayern erwarten ueberzeugt zu werden
      doch zum thema . ein paar personen die von diesen
      australiern abstammen sind mir ein begriff.
      der comic-zeichner robin wood
      der ethnien forscher leon cadogan
      der liberale politiker peter holder kennedy
      der fruehere colorado politiker ruben stanley
      und im sport gab es einen speerwerfer kennedy

  5. Bin erstaunt und auch enteuscht,was da in diesen 8 Kommentaren so alles geschrieben wird.Herr Paessler schreibt einen sehr guten Artikel,dann gehts los!!
    Wir sollten mal zurueckdenken,was in den letzten
    100-200 Jahren so alles in Europa passierte:
    der 30 jaehrige Krieg,die 2 Weltkriege,die heutige Lage in Europa laesst zu wuenschen uebrig.Europa hat sich das „Grab“ selber geschaufelt.Wir fast alle,die dort geboren und aufgewachsen sind, wurden und werden manipuliert.Wichtig ist,dass die Kasse klingelt.
    Die „Maechtigen“,oder die „Reichen“,wie man es nennen will,brauchen ein Volk im Land,dass glaubt,es werde fuer
    alles gesorgt,kann aber dann nicht begreifen,wenns nicht so kommt.Ein russischer Denker schrieb schon lange;die „Regierenden“,die „Maechtigen“,sind die schlechtesten Menschen,und dass es so ist,ist kein Zufall.Seine weise Ausage gibt mir immer wieder zu denken.Die Weltlage sieht gar nicht rosig aus,sie sollte uns zu denken geben.Wir einfachen Menschen sitzen alle im selben Boot.Gerade Suedamerika hat eine grosse Zukunft,aber es funktioniert nur zusammen!Ob linkes oder rechtes Denken,ob reich oder arm,es geht nur,wenn wir beides tolerieren!

Kommentar hinzufügen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .