Öffentlicher Sektor ist eine tickende Zeitbombe

In Paraguay sind die Gehälter der Beamten im öffentlichen Sektor im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf am höchsten in der Region. Die Studie wurde von der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) in Auftrag gegeben um die Kreditfähigkeit der einzelnen Länder und das damit verbundene Ranking genauer zu analysieren.

Die multilaterale Organisation hat in ihrer Studie “Panorama der Regierungen in Lateinamerika und der Karibik 2014“ betont, dass ein höherer Beamter im Jahr 2011 das Sechsfache des Bruttoinlandproduktes, geteilt durch die Anzahl der Einwohner des Landes verdient, der Durchschnitt liegt bei 3,9.

Damit erreicht Paraguay das höchste Niveau der Vergütung im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern. Die Daten zeigen, dass neben einer übermäßigen Anzahl von Beschäftigten im öffentlichen Dienst auch die Bezüge deutlich über dem regionalen Durchschnitt liegen.

In weiteren Zahlen ausgedrückt, erhält ein Beamter in gehobener Position rund 42.000 US Dollar im Jahr (etwa 197,4 Millionen Guaranies), während das BIP pro Kopf in Paraguay, von der internationalen Agentur geschätzt, etwa 7.000 US $ (ca. 32 Millionen Guaranies) beträgt.
Die Löhne im mittleren Dienst betragen US $ 27.700 pro Jahr, das entspricht dem 3,9-fachen des BIPs.

Die Studie kritisierte auch die Menge des Verwaltungspersonals, welches gemessen an den Aufgaben und der Bevölkerungsgröße, nach deren Darstellung, zu hoch ist. Ende 2013 wurden dann, nach starkem öffentlichem Druck, damit begonnen, Gehaltslisten der Beamten zu veröffentlichen. Daraus ging hervor, dass Politiker, Verwandte und sogar Babysitter öffentliche Ressourcen verbrauchten. Hier verdienten einfache Arbeiter 161.400.000 Guaranies im Jahr, Kellner ebenfalls über 100 Millionen Gs., nachdem die Gehaltslisten gefälscht wurden und die Personen in eine Rang eines Direktors versetzt wurden, damit dies nicht gleich ins Auge fiel.

Inzwischen hat man 1.700 Lohngruppen Ende 2014 begutachtet, dieses Jahr gibt es nur noch 620, damit sollen überschüssige Positionen im öffentlichen Dienst reduziert und Gelder gespart werden.

Laut der Studie werden die Gehaltskosten, Renten und Schulden etwa 97% aller Erlöse aus den von Bürgern gezahlten Steuern absorbieren, geschätzte US $ 4,025 Milliarden, während die Einnahmen bei 4,132 Milliarden US Dollar liegen würden.

Auch der Internationale Währungsfond (IWF) warnt vor Exzessen im Land. Paraguay steht an zweiter Stelle in Lateinamerika, wo die Regierung vor allem Lohnkosten decken muss, dies stellte man bei der letzten Revision im Dezember 2014 fest.

„Die Verwaltung muss verbessert und schlanker werden, bei der Personalauswahl muss der Schwerpunkt auf der Qualifikation liegen und die Gehälter müssen einheitlich gezahlt werden“, sagte Andre Meier, Leiter der letztjährigen Mission.

Quelle: ABC Color

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5 Kommentare zu “Öffentlicher Sektor ist eine tickende Zeitbombe

  1. Wenn in Paraguay die Bürger nach Leistung bezahlt werden würden, wär das Land schon längst verhungert…sorry, aber solch Standesdünkel bei so wenig Können ist mir weltweit selten untergekommen 🙁 Ich muss immer lachen, wenn in gesprächen von Paraguayern angenommen wird, mann könne in Deutschland arbeiten…KEINER würde diesem Druck standhalten und dann auch noch Geld mit nach Hause bringen!

    1. Der Druck auf die BEAMTEN in DACHL erscheint mir nicht gerade erdrückend zu sein.

      Und falls doch was drückt geht man halt auf Kur oder mit 40 in Frühpension. Das würden die PY-Beamten auch hinbekommen, hätten aber ein großes Problem mit den fehlenden Fernsehern am Arbeitsplatz.
      Was das betrifft können die D-Beamten ja mal eine Fortbildung hier in Paraguay besuchen, damit diese segensreiche Errungenschaft der vereinigten Beamtengewerkschaft auch global umgesetzt werden kann.

      In der Privatwirtschaft würden diese Leute weder in Paraguay noch in D auch nur einen Monat überstehen, aber das wollen sie ja auch gar nicht.

  2. Ich erinnere mich an meine Begrüßung auf dem Flughafen vor 13 Jahren durch einen deutschstämmigen Paraguayer: „Willkommen im Land der Ignoranten“! Genau das trifft den Punkt. Jeder sieht es, jeder weiß es, keiner tut was, daß auf den Ämtern viel zu viel Personal die Zeit totschlägt. Kürzlich war ich auf der Municipalidad wegen eines neuen Führerscheines. Das Personal ist dort total überfordert angesichts des großen Arbeitspensiums. Vier Mann saßen im Büroraum mit wichtigen Minen im Gesicht. Drei davon spielten mit dem Handy. Nur einer war ausgelastet bzw. überlastet mit meinem neuen Führerschein. Mein alter Führerschein lief ab am 31.12.2014 – folglich sollte der neue Führerschein ab 1.1.2015 gelten. Was aber war das Ergenis dieser schwierigen Aktion? Der überlastete Verwaltungsansgestellte stellte mir einen neuen Führerschein mit Beginn 2014 aus und knipste dieses eigentlich vergangene Jahr ab. Folglich müßte ich dann zwei Tage später wieder zur Munipalicidad um das Jahr 2015 abknipsen zu lassen und sollte wieder bezahlen. Anderes Beispiel: Meine Tochter bekam eine neue Cedula. Doch auf dieser fehlte die Unterschrift, obwohl natürlich beim Antrag geleistet. Die armen Verwaltungsangestellten sind wirklich so sehr überfordert, daß es zwangsläufig zu solchen Fehlern kommen muß. Doch entschuldigen tut sich natürlich niemand, das ist ja auch nicht üblich.

  3. Was man auf diesen veroeffentlichten Listen auch sieht, ist das anspruchsvolle Berufe, wie z.B. Ingenieure schlecht bezahlt sind, verglichen mit Sachbearbeitern oder Assistentinnen. Es gibt einen kleinen Zuschlag fuer’s studieren, aber das war’s dann auch schon. Die Studiengebuehren holt man so jedenfalls im Laufe eines Arbeitslebens nicht wieder rein.

  4. Juchu, mein Lieblingsthema: Paraguay und Zahlen ! Das geschätzte BIP pro Kopf beträgt also etwa $ 7.000. Nicht, das ich irgendeine paraguayische Familie, sagen wir bestehend aus fünf Personen kennen würde, die $ 35.000/Jahr verdienen oder erwirtschaften würde, nein, auch das BIP hat sich im Vergleich zu den lächerlichen Wachstumsraten in China gleich in fünf Jahren mehr als verdreifacht (siehe Wikipedia/IWF: 2009 – $ 1802,- pro Kopf) und das alles beruht auf Zahlen von Dezember 2014 ! Da soll noch einer sagen, das die Beamten in Paraguay nicht jeden Cent wert sind !

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