Ohne Helm und ohne Führerschein unterwegs

Capiatá: Als am 29. Oktober 2020 einem 17-jähriger Motorradfahrer die Vorfahrt genommen wurde und er schwer verletzt wurde, weigerte sich die Versicherung des Verursachers die Behandlung des Opfers zu bezahlen.

Die Versicherung hatte gute Gründe wenn es nach dem Recht geht und die Familienmitglieder des Opfers, wenn es nach Menschlichkeit geht. Das Opfer, welchem ein Kleintransporter hätte Vorfahrt gewähren sollte, es aber nicht tat war minderjährig – hatte also keinen Führerschein. Zudem hatte er keinen Helm auf. Dass genau der fehlende Helm zu Schädelverletzungen führte, die ihn heute in einem mehr oder weniger vegetativen Zustand brachten ausschlaggebend war, wissen mittlerweile auch die, die zuvor dem keine Wichtigkeit beigemessen haben. Da die Familie aus armen Verhältnissen stammte, kümmerte sich ein Onkel der Familie darum, dass die Versicherung El Sol die Kosten seiner Behandlung übernimmt. Diese offerierte genau 4.000.000 Guaranies zu einem Zeitpunkt als die Behandlungskosten schon bei 20.000.000 Guaranies lagen.

Nachdem sie genügend auf Zeit spielten haben sie Ende Januar 2021 zugestimmt einmalig eine Entschädigung von 100.000.000 Guaranies an die Familie des Opfers auszuzahlen. Inwiefern dies reicht um an eine Zukunft des Jungen zu denken ist fraglich. Drängende Rechnungen von Krankenhäusern und Apotheken können damit jedoch bezahlt werden.

Aufgrund der rechtliche Situation hätte die Versicherung sicherlich darauf beharren können nicht zu zahlen. Dennoch sind Versicherungen genau dafür da und in einem Land wie Paraguay, wo jeder jeden kennt, kann ein solches Thema in der Presse äußerst rufschädigend sein. Was meinen Sie zu dem Thema?

Wochenblatt / La Nación

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5 Kommentare zu “Ohne Helm und ohne Führerschein unterwegs

  1. Florian Fauehaufn

    Also bei uns fahren 12-Jährige rum. Die haben auch keinen Führerschein und die andren 11 hinten drauf auch nicht.
    Ist ja aber kein Problem für ein mit allen Wassern gewaschenes Volk und Kindergartenpolizeijustiz: Gibst einfach ein anderes Familienmitglied als Unfallverursacher und Opfer an und schon zahlen hiesig Kindergartenversicherungen. Ist halt alles hier noch wie in Gottfried Kellers Band III: „Die Bratwürste vom Paraguay“.

  2. Das was fehlt ist der Ausbau eines gratis gesundheits System mit staatlicher Medikamenten herstellung. Die hohen Kosten beruhen ausschließlich aus den riesen gewinnen, die von den privat Firmen im Gesundheitswesen und Big Pharma verlangt werden.

  3. DerEulenspiegel

    Ich denke, das ist auf der ganzen Welt so: Wer sich als Verkehrsteilnehmer nicht an gesetzliche Vorschriften hält, hat keinen Leistungsanspruch im Versicherungsfall. Aber wir wissen natürlich, daß die Uhren in Paraguay grundsätzlich anders ticken. Hier macht jeder was er will, Recht wird hingebogen wie es einem gerade gefällt, auf die Justiz kann man sich so gut wie überhaupt nicht verlassen, Gesetze und Verordnungen werden grundsätzlich nicht befolgt, kontrolliert und geahndet, konsequentes Handeln ist genau so wie Logik keine paraguayische Tugend. Konkret zur Frage des WB:
    1. Versicherungspflicht für alle Verkehrsteilnehmer, so wie dies vor einigen Jahren bereits geplant aber typisch für PY, nie realisiert wurde.
    2. Verstöße gegen die allgemeinen Verkehrsregeln- und Gesetze, sowie Fahren ohne Führerschein oder Versicherungsnachweis sollten konsequent geahndet werden. Bußgelder müssen innerhalb von 14 Tagen bezahlt werden. Bei nicht fristgemäßer Bezahlung werden die Fahrzeuge beschlagnahmt oder anderweitig aus dem Verkehr gezogen.
    In der Realität jedoch glaube ich nicht daran, daß solche Regelungen jemals in PY verwirklicht und angewendet werden. Das kann man wirklich vergessen, so wie viele andere Dinge auch in Paraguay.

  4. Die 100 Millionen bei einer kooperative angelegt bringen rund 1 Million Zinsen im Monat. Mit dem Einkommen ist der junge ein wertvolles Familienmitglied.
    Entsprechend der menschlichen Dummheit wird davon aber wohl eher ein Auto, Fernseher und asado gekauft und danach wieder gejammert?

  5. Jeder Mensch sollte sich selbst schützen, so weit es geht, die Pflicht hat er, man kann nicht alles auf die Gemeinschaft abwälzen, besonders kein Fehlverhalten……