Online-Glücksspiel in Paraguay: Starkes Wachstum seit der Liberalisierung des Marktes

Mehrere Jahrzehnte lang hinkten die Glücksspielgesetze in Paraguay der alltäglichen Realität weit hinterher. Während seit dem Jahr 1997 Monopolstrukturen in den Bereichen Quiniela (Lotto), Sportwetten und weiteren Glücksspielformen aufrechterhalten blieben, entschied sich die Regierung im Jahr 2025 schließlich für eine Auflösung der Glücksspielmonopole und eine Liberalisierung des Marktes insgesamt. Seit 2025 gibt es sogar legale Online-Casinos im paraguayischen Markt.

Mehrere Dutzend Lizenznehmer

Im Zuge der Liberalisierung des Marktes ist auch die bestehende Glücksspielbehörde CONAJZAR stärker in den Fokus gerückt. Die Behörde war bereits seit dem Glücksspielgesetz von 1997 für die Regulierung zuständig und dabei dem Finanzministerium unterstellt.

Inzwischen gehört sie hingegen zur nationalen Steuerbehörde Dirección Nacional de Ingresos Tributarios (DNIT), wo die Prüfung lizenzierter Anbieter sowie die Erhebung von Lizenzgebühren und Glücksspielabgaben gebündelt werden. Auf der Website der DNIT sind aktuell insgesamt 41 Glücksspiel-Lizenznehmer gelistet.

Von diesen handelt es sich bei 28 Unternehmen um Betreiberinnen von Online-Casinos. Diese Plattformen bieten eine relativ breite Auswahl an Spielen, inklusive Tischspielen wie Online-Roulette oder Blackjack, Kartenspielen, Slots mit hoher Gewinnchance oder Live-Casinospiele.

Die Angebote richten sich explizit an Spielerinnen und Spieler in Paraguay. Was im Vergleich zum deutschen Markt direkt auffällt, ist das vergleichsweise liberale Gesamtbild. Nicht nur ist die Spielvielfalt um einiges breiter aufgestellt, sondern auch der Bereich der Zahlungen, wo auch Krypto-Portale als Kooperationspartner gelistet sind.

Online-Glücksspiele als unregulierte Parallelwelt

Dieser heute so offen wirkende Online-Bereich spielte im paraguayischen Glücksspielrecht über viele Jahre hinweg praktisch keine Rolle. Die maßgebliche gesetzliche Grundlage aus dem Jahr 1997 entstand in einer Zeit, in der internationale Casino-Plattformen, mobile Apps und digitale Zahlungen noch nicht Teil des Marktes waren.

Die Regulierung konzentrierte sich deshalb fast nur auf klassische Spielformen wie Quiniela, Sportwetten oder landbasierte Casinos. Diese Bereiche waren zudem lange durch exklusive Lizenzen geprägt. Einige dieser Strukturen bestehen trotz der inzwischen erfolgten Gesetzesänderung bis heute fort. Das betrifft insbesondere den Bereich Sportwetten, wo Daruma Sam S.A. weiterhin der einzige gelistete Lizenznehmer ist.

Der Markt war damit stark begrenzt und auf wenige zugelassene Anbieter zugeschnitten. Mit dem Aufkommen internationaler Online-Casinos änderte sich die tatsächliche Marktlage jedoch deutlich. Spieler in Paraguay konnten längst auf digitale Angebote zugreifen, auch wenn diese im nationalen Recht kaum berücksichtigt wurden.

So entstand über Jahre hinweg ein Markt, der real vorhanden war, gesetzlich aber weitgehend ignoriert wurde. Für den Staat bedeutete das vor allem entgangene Einnahmen. Anbieter erzielten Umsätze und Spieler nahmen aktiv teil, doch es fehlte ein klarer Rahmen, um diesen Bereich zu erfassen, zu besteuern oder gezielt zu regulieren.

Paraguay ließ damit über lange Zeit einen Markt ungenutzt, der ohnehin schon existierte. Erst mit der jüngsten Liberalisierung wurde dieser Widerspruch aufgelöst und der Online-Bereich systematisch in die nationale Glücksspielregulierung einbezogen.

Ein Boost für Paraguays Steuereinnahmen?

Die entscheidenden Impulse für die Gesetzesänderung kamen ab etwa 2022. Auslöser waren unter anderem Kritik an bestehenden Vergabeverfahren und eine wachsende Unzufriedenheit mit den monopolartigen Strukturen im Markt. Insbesondere die Vergabe der nationalen Sportwettenlizenz sorgte für Diskussionen und erhöhte den politischen Druck, das System grundlegend zu überarbeiten.

Vorangetrieben wurde die Reform schließlich von mehreren Seiten. Neben politischen Akteuren spielte auch die Branchenorganisation APOJA eine Rolle, die konkrete Vorschläge zur Öffnung des Marktes einbrachte. Das Vorhaben erhielt Unterstützung von der Regierung unter Präsident Santiago Peña, der den Prozess 2024 aktiv beschleunigte, nachdem das Gesetz zuvor im Parlament festhing.

Mit der Liberalisierung verfolgt Paraguay vor allem wirtschaftliche Ziele. Der Markt soll für neue Anbieter geöffnet werden, um mehr Wettbewerb zu schaffen und zusätzliche Investitionen anzuziehen. Gleichzeitig geht es darum, bislang unregulierte oder schwer kontrollierbare Bereiche, insbesondere im Online-Segment, stärker zu erfassen.

Dadurch erhofft sich der Staat steigende Steuereinnahmen und eine bessere Nutzung eines bereits bestehenden Marktes. Zudem erhoffte man sich die Eindämmung illegaler Angebote. So gibt die neue Gesetzeslage den Behörden mehr Möglichkeiten, nicht genehmigte Plattformen zu blockieren und gegen Anbieter vorzugehen, die außerhalb des regulierten Systems operieren.

Und dennoch gibt es auch Kritik an der Umsetzung der neuen Gesetze. So heißt es, die Reform sei eine verspätete Reaktion auf Probleme, die über Jahre hinweg bekannt waren. Zudem wird hinterfragt, inwieweit ein wirklich fairer Wettbewerb überhaupt möglich ist, solange weiterhin einzelne monopolartige Lizenzen gültig bleiben.

Spielerschutz in Paraguay

Beim Spielerschutz zeigt sich, dass Paraguay den Markt zwar geöffnet und legalisiert hat, dabei aber kaum verbindliche Schutzmechanismen für Spieler eingeführt hat. Eine zentrale Spielersperre existiert nicht. Es gibt kein landesweites Sperrsystem, keine verpflichtenden Einzahlungslimits und keine einheitlichen Vorgaben, die problematisches Spielverhalten systematisch begrenzen.

Der Fokus der Regulierung liegt eindeutig auf der wirtschaftlichen Seite. Lizenzen werden vergeben, Anbieter werden erfasst und Abgaben eingezogen. Ziel ist es vor allem, den Markt zu öffnen, Einnahmen zu generieren und illegale Angebote zurückzudrängen. Der Schutz erwachsener Spieler steht dabei nicht im Mittelpunkt der aktuellen Regelungen.

Konkrete Vorgaben gibt es vor allem beim Jugendschutz. Minderjährige sollen keinen Zugang zu Glücksspiel-Angeboten erhalten, und Betreiber sind verpflichtet, entsprechende Kontrollen umzusetzen. Darüber hinaus bleibt der Spielerschutz jedoch weitgehend den Anbietern selbst überlassen.

Der Markt ist heute also deutlich legaler und strukturierter als zuvor, beim Spielerschutz bestehen aber weiterhin deutliche Lücken. Spieler haben eine große Auswahl und vergleichsweise wenige Einschränkungen, tragen gleichzeitig aber auch ein deutlich höheres Maß an Eigenverantwortung.

Fazit: Fairer Wettbewerb noch nicht in allen Sparten Realität

Paraguay hat mit der Liberalisierung des Glücksspielmarkts einen klaren Richtungswechsel vollzogen. Der Markt ist heute offener, digitaler und wirtschaftlich besser nutzbar als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass die Umstellung nicht von heute auf morgen abgeschlossen ist.

Bestehende Strukturen wirken weiter, insbesondere im Bereich Sportwetten, wo Daruma Sam S.A. weiterhin als einziger Lizenznehmer geführt wird. Diese Situation ist vor allem auf laufende Konzessionen zurückzuführen. Die bestehenden Verträge behalten ihre Gültigkeit, bis sie auslaufen oder neu ausgeschrieben werden.

Erst danach kann sich echter Wettbewerb auch in diesen Bereichen entwickeln. Die Liberalisierung ist damit kein abgeschlossener Schritt, sondern ein Prozess, der sich über mehrere Jahre erstrecken dürfte.

Langfristig deutet jedoch vieles darauf hin, dass Paraguay den eingeschlagenen Kurs beibehält. Mit der Öffnung des Marktes, der Integration des Online-Sektors und der Einbindung neuer Anbieter hat das Land die Grundlage für weiteres Wachstum geschaffen.

CC
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